Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 16.12.2002, 20:35     #1
Hermann   Hermann ist offline
Senior Guru
  Benutzerbild von Hermann

Threadersteller
 
Registriert seit: 03/2001
Beiträge: 8.175

Aktuelles Fahrzeug:
E63 645Ci, E36 318i Cabrio, E39 523i Touring und Piaggio
Gemeinsame Pressemitteilung der MTU Aero Engines GmbH und der BMW Group

MTU Aero Engines GmbH und BMW Group konstituieren wissenschaftlichen Beirat zum Thema Zwangsarbeiter

Der wissenschaftliche Beirat, der die Forschungsarbeiten von MTU Aero Engines GmbH und BMW Group zum Thema “Zwangsarbeit” begleiten wird, hat sich konstituiert. Die MTU Aero Engines GmbH ist Rechtsnachfolgerin des ehemaligen BMW Werks München-Allach, in dem 1934 bis 1945 wesentliche Teile der BMW Flugtriebwerke produziert wurden.

Im gemeinsamen Auftrag beider Firmen entstehen zwei Doktorarbeiten, die die Integration der Bayerischen Motoren Werke AG in die Kriegsvorbereitungen und rüstungswirtschaftlichen Anstrengungen des NS-Regimes untersuchen.

Die drei Beiräte sind:

Dr. Andreas Heusler, Stadtarchiv München

Dr. Mark Spoerer, Universität Stuttgart-Hohenheim

Prof. Dr. Helmuth Trischler, Deutsches Museum München

Dr. Heusler hat sich 1994 mit einer Dissertation zum Thema "Zwangsarbeit in München" (als Buch 1996 erschienen) promoviert, dessen Ergebnisse bis heute maßgeblich sind. Er ist Experte für die Situation der Zwangsarbeiter in München.

Dr. Spoerer hat sich jüngst in Hohenheim habilitiert und genießt aufgrund zahlreicher Publikationen ein hervorragendes Renommee als Experte zum Thema Zwangsarbeiter.

Prof. Trischler leitet das Forschungsinstitut für Technik- und Wissenschaftsgeschichte am Deutschen Museum. Er hat sich über Luft- und Raumfahrtkunde 1900 bis 1970 habilitiert und ist damit auch Experte für Flugtriebwerke und einer der führenden deutschen Technikhistoriker. Prof. Trischler wird als Sprecher des wissenschaftlichen Beirats fungieren.


Die beiden in Kooperation von MTU Aero Engines GmbH und BMW Group entstehenden Arbeiten sind einem gemeinsamen übergreifenden Konzept verpflichtet. Dieses sieht nicht vor, die reine "Innenperspektive" der damaligen BMW AG und das Phänomen "Zwangsarbeit" quantitiativ aufzubereiten und losgelöst von übergreifenden Abhängigkeiten und Bedingungen darzustellen. Vielmehr betten die Ansätze und Fragestellungen beider Arbeiten das Unternehmen in die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ein, die zur Wandlung des Fahrzeug- und Motorenherstellers zum reinen Flugmotorenproduzenten innerhalb der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft führten. Aus diesenAbhängigkeiten und den resultierenden Vorgaben der Rüstungsbürokratie entstand der Bedarf nach zusätzlichen Arbeitskräften, der schließlichmit zur Arbeit gezwungenen Kräften gedeckt wurde.

Der erste Teil der Untersuchung wird sich mit der Geschichte der BMW AG während des Zweiten Weltkriegs beschäftigen und sich somit direkt mit dem Phänomen "Zwangsarbeit" befassen. Darüber hinaus wird ein zweites Buch die strategische Positionierung von BMW bis 1939 und die Handlungsspielräume des Unternehmens in der Vorbereitung auf die Kriegswirtschaft darstellen. Voraussichtlich noch im nächsten Jahr werden im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums erste Ergebnisse der Untersuchungen vorgestellt werden.
__________________
Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
Mit Zitat antworten