Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 09.12.2002, 12:44     #5
Chaplin   Chaplin ist offline
Senior Profi
  Benutzerbild von Chaplin
 
Registriert seit: 04/2002
Ort: D-93055 Regensburg
Beiträge: 2.164

Aktuelles Fahrzeug:
BMW 520dA F10/ MINI One, 118i Cab., BMW R1100GS
Eine innige Beziehung

An einen Ausstieg seitens BMW aus der Formel1 ist imho überhaupt nicht zu denken.
Wie üblich werden von BMW alle Möglichkeiten durchdacht, analysiert, diskutiert und ausgewertet. Der Austieg ist nur eine von vielen Szenarien die durchgespielt werden.

Vielleicht noch ein Beitrag aus der Welt am Sonntag zu diesem Thema.

----------------------------------
Eine innige Beziehung

BMW intensiviert die Zusammenarbeit mit Williams in der
Formel 1

von Robert Dunker
Kitzbühel - Den ganzen Stolz des Unternehmens haben die
Marketingstrategen in eine Glasvitrine gepackt und ausgestellt
wie eine Trophäe. Der BMW-Motor mit dem Kürzel P82 thront auf
einer Bühne. Und neben dem wuchtigen Aluminium-Gehäuse, mit
nahezu 900 PS das kraftvollste aller Formel-1-Triebwerke,
kündigt Motorsportdirektor Mario Theissen neue Heldentaten an.
„Wir haben für die nächste Saison einen noch stärkeren Motor
gebaut“, sagt er und schüttelt die Fäuste.
Die Münchner Autobauer verstehen es blendend, wie auf der
Saisonabschlussfeier der Abteilung Motorsport in Kitzbühel, das
Image zu zelebrieren. Ihr Werbeslogan heißt schlicht „BMW
Power“.
Müssen nur noch die Partner mitspielen. Frank Williams und
Patrick Head vom Team Williams, zuständig für alles andere an
den blau-weißen Boliden, haben durch die Vorlage aus Bayern
eine Bringschuld. Schon in der abgelaufenen Saison mokierte
sich BMW über das Chassis, schickte Aerodynamiker aus der
Serienproduktion als Entwicklungshilfe zu Williams Grand Prix
Engineering nach Grove. Für die kommende Saison nun
versprach Frank Williams eine „Revolution“; ein großes Wort, das
Head am Wochenende relativierte. „Wir haben die
aerodynamischen Teile stark verbessert.“
Pilot Ralf Schumacher schreibt die Saison freilich bereits vor dem
Grand-Prix-Auftakt in Melbourne am 9. März ab. Nächstes Jahr
werde es mit dem Titel „auf keinen Fall klappen, das wäre
vermessen“, sagte der diesjährige WM-Vierte, der auf dem Weg
nach Kitzbühel am Freitag zudem von der Polizei gestoppt
wurde. Schumacher raste mit Tempo 130 in eine Radarfalle, 50
km/h schneller als erlaubt. Jetzt droht ihm angeblich ein
Fahrverbot.
Nicht nur der neue Motor steht auf dem Prüfstand, sondern die
Liaison zwischen BMW und Williams. 2004 endet die fünfjährige
Kooperation. BMW-Stratege Theissen und sein Kompagnon
Gerhard Berger prüfen seit einem halben Jahr verstärkt die
verschiedenen Optionen. Die Überlegungen reichen vom Bau
eines eigenen Autos, über eine weitere Partnerschaft mit
Williams bis zum Ausstieg aus der Formel 1. Letztere Variante
sei, so Theissen, „wenig wahrscheinlich.“ BMW hat sich noch
einmal Bedenkzeit erbeten. Im Frühjahr, sagt Theissen, „werden
wir dem Vorstand unsere Empfehlung aussprechen“.
Die Anzeichen verdichten sich, dass BMW und Williams auf
einen gemeinsamen Nenner kommen, die Kooperation ausbauen.
„Die Ressource und das Know-how von Williams sind vorbildlich“,
sagt Berger. Mit Frank Williams sollen sich die Münchner schon
geeinigt haben, „Ich möchte am liebsten mit BMW einen Vertrag
für immer abschließen“, sagte er schon im Sommer. „Es wäre
ideal für uns, wenn BMW Anteile am Team kaufen würde.“
Für die britischen Partner bedeuten die Konzern-Patenschaften
ein schwieriges Abwägen zwischen Selbständigkeit, Sicherheit
und Abhängigkeit. Es geht um Williams‘ Lebenswerk, das von 16
Konstrukteurs- und Fahrertiteln gekrönt ist. Doch die
Partnerschaften sind längst zu Zweckgemeinschaften geworden,
wo sich potente Investoren die Konditionen eines
Mitspracherechts vertraglich fixieren. Williams hat die Lektion
gelernt: „Wenn man einen Titel gewinnen will, wie wir das bis
2004 anpeilen, muss man eine Einheit sein“, sagt er.
Reibungsverluste verhindern, so wie es Ferrari vorgemacht hat.


Patrick Head dagegen steht dem Deal skeptischer gegenüber.
Der 56-Jährige will sich nicht noch mehr in Abhängigkeiten
begeben. Ihm bereitet es Unbehagen, dass BMW auch erwägt,
Williams aus dem Namen des Formel-1-Teams zu streichen.
Head ist nicht nur Technikchef bei Williams, er ist zudem mit 30
Prozent an dem Unternehmen des Firmengründers Frank
Williams beteiligt, besitzt ein Vetorecht.
Aber auch die Zukunft von BMW-Motorsportdirektor Berger ist
weiter ungewiss. Sein Fünfjahres-Vertrag läuft im Oktober 2003
aus. Der Österreicher will sich Anfang des Jahres entscheiden:
„Ich will einfach mal in Ruhe nachdenken.“
Artikel erschienen am 9. Dez 2002
__________________
Gruß, Chaplin
always look on the bright side of life
Fat Lady
Userpage von Chaplin
Mit Zitat antworten