Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 06.12.2002, 20:53     #1
Hermann   Hermann ist offline
Senior Guru
  Benutzerbild von Hermann

Threadersteller
 
Registriert seit: 03/2001
Beiträge: 8.175

Aktuelles Fahrzeug:
E63 645Ci, E36 318i Cabrio, E39 523i Touring und Piaggio
Dokumentation: 50 Jahre Automobilproduktion im Werk München

Die besondere Faszination des Unternehmens BMW wird durch eine über achtzigjährige Geschichte geprägt.

Diese Geschichte findet ihren Ursprung in den 20er Jahren mit der Errichtung des Werkes München. Die Meilensteine in der Geschichte dieser traditionsreichen Produktionsstätte sind im folgenden dargestellt.


Die 20er Jahre

Am 20. Mai 1922 genehmigt eine außerordentliche Hauptversammlung der Bayerischen Motorenwerke AG den Verkauf des Motorenbaus, der Aluminiumgießerei und ihres Firmennamens an die Bayerische Flugzeugwerke AG (BFW). Seit dieser Transaktion hat BMW seinen Stammsitz an der Lerchenauer Straße östlich des heutigen Olympiaparks in München.

Im Jahre 1923 wird das erste BMW Motorrad, das Modell R 32, gefertigt. Mit diesem Modell wagt das Unternehmen für Flug- und Einbaumotoren den Sprung zum Anbieter von Straßenfahrzeugen.

Bis zum Ende der 20er Jahre dehnt sich das BMW Werk in Milbertshofen deutlich aus. So vergrößert sich das Werksareal von 140.000 m2 auf rund 216.000 m2, während die überbaute Fläche um mehr als das Zweieinhalbfache erweitert wird. Im Norden dominiert nun eine Motorrad-Einfahrbahn das Werksgelände.


Die 30er Jahre

Seit den 30er Jahren stellt BMW neben den Reihenmotoren und V-Motoren für Flugzeuge auch Sternmotoren her. Die ersten Baumuster sind Lizenzbauten, ab 1934 läuft der erste von BMW entwickelte große Sternmotor vom Band, der BMW 132 (verbaut unter anderem auch in der Junkers Ju-52). In immer neuen Varianten wird dieses Triebwerk bis 1945 in München gebaut.

Die Motorrad-Jahresproduktion erreicht 1935 erstmals 10.000 Exemplare.

Im Dezember 1938 läuft das hunderttausendste BMW Motorrad vom Band.

Erstmalig wird im gleichen Jahr ein Werksarzt eingestellt. Ein Jahr später wird in der ehemaligen Werksleitervilla ein „Gesundheitshaus“ und eine Kinderkrippe eingerichtet.


Die 40er Jahre

Der Doppelstern-Motor BMW 801 wird 1940 im Werk München entwickelt und hier sowie in zwei weiteren Fertigungswerken bis Kriegsende in rund 30.000 Einheiten gefertigt.

In den Kriegsjahren1939 bis 1945 gehen dem Werk große Teile der Stammbelegschaft durch Einberufung zur Wehrmacht verloren. Weil die von BMW produzierten Motorräder und Flugmotoren für die Kriegsführung unersetzbar sind, werden ab 1941 zur Arbeit gezwungene Fremdarbeiter im Werk München eingesetzt.

Schon im Dezember 1941, im wesentlichen aber während des Jahres 1942, wird der Motorradbau von München in das BMW Werk Eisenach verlagert. Im Werk München sollen Kapazitäten für den Motorenbau frei werden.

Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes wird ein Teil der Werkseinrichtung als Reparaturleistung von den Alliierten beschlagnahmt. Bis ins Jahr 1947 kann die Arbeit auf den verbliebenen Maschinen mit einer Notproduktion wieder aufgenommen werden. Das Werk München fertigt in dieser Zeit unter anderem Ackergeräte, Fahrräder und Töpfe.

Im Dezember 1948 beginnt die Serienfertigung der BMW R 24, des ersten BMW Fahrzeugs der Nachkriegszeit. Die Maschine ist nach Vorgaben der Alliierten auf 250 ccm Hubraum begrenzt. Das erste vom Band laufende Motorrad wird unter der Belegschaft verlost.


Die 50er Jahre

Das erste in München ab 1952 gefertigte Automobil wird auf der IAA 1951 der Öffentlichkeit vorgestellt. Der neue BMW 501 ist im wesentlichen eine technische Weiterentwicklung des Vorkriegsmodells BMW 326, dass noch im Werk Eisenach produziert wurde.

Die Motorradproduktion im Werk München erreicht im Jahre 1953 mit 30.000 gefertigten Exemplaren pro Jahr einen ersten Höhepunkt. Wegen der „Motorradkrise“ brechen die Absatzzahlen in den folgenden Jahren wieder zusammen, die Belegschaft des Werks München muss um die Arbeitsplätze fürchten.

1955 beginnt die Produktion der BMW Isetta. Der Erfolg des Motocoupés sichert Arbeitsplätze in München. Bisher in der rückläufigen Motorrad-Produktion eingesetzte Mitarbeiter können zur Isetta-Fertigung überwechseln.


Die 60er Jahre

Mit dem BMW 1500 geht Mitte 1962 das erste Modell der „Neuen Klasse“ in Produktion. Die sportlich ausgelegten, viertürigen Mittelklassewagen legen den Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg von BMW.

Ende August 1965 wird das hunderttausendste Fahrzeug der „Neuen Klasse“ gefertigt. Bis zu diesem Zeitpunkt hat das Werk München seit der Wiederaufnahme der Produktion 1948 knapp über eine dreiviertel Million Automobile und Motorräder gefertigt.

Mit der zweitürigen Modellreihe vom BMW 1600-2 bis zum 2002 werden die 60er Jahre zur erfolgreichsten Dekade in der bisherigen Geschichte des Unternehmens. Von 1966 bis 1977 werden in München insgesamt 850.000 Fahrzeuge dieser Modellreihe gefertigt.

In den Jahren 1968 und 1969 beginnt die Verlagerung von Teilen der Produktion aus Milbertshofen nach Dingolfing und Berlin. In Dingolfing werden im ehemaligen Werk der Firma GLAS zunächst Komponenten für die Automobil- und Motorradfertigung produziert. Nach 46 Jahren läuft die BMW Motorradproduktion in München aus. BMW Motorräder kommen seitdem nur noch aus Berlin. Dort läuft im September 1969 die Serienproduktion an.


Die 70er Jahre

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Produktion in München ist das Jahr 1975. Für die erste 3er Reihe werden im Werk München die Fertigungsanlagen neu erstellt. Mit der Umstellung können die Fahrzeuge erstmals schon in früher Phase kundenspezifisch gefertigt werden.

Im Jahre 1977 läuft die Produktion der großen Sechszylinder (2500, 2800, 2.8 L , 3.0 S, 3.0 Si, 3.0 L und 3.3 Li) aus. Von 1968 bis 1977 wurden von ihnen im Werk München insgesamt über 220.000 Einheiten gefertigt. Die BMW Werksstruktur wird somit bereinigt: Aus dem Werk München kommen zukünftig alle Variante der 3er Reihe sowie die Benzinmotoren für alle BMW Automobile.

1978 verlässt das fünfhunderttausendste Automobil der 3er Reihe das Werk München.

In den Jahren 1978 und 1979 werden die BMW Werke an die neue Produktionsstruktur angepasst. Das Werk München bekommt mit einer Reihe von Um- und Neubauten ein neues Gesicht. Den Umbauten fällt unter anderem auch das 1934 errichtete Südtor an der Dostlerstraße zum Opfer.


Die 80er Jahre

Mit der Ausdehnung des BMW Werkeverbundes wird die BMW Produktion schrittweise dezentralisiert. 1980 werden die Kompetenzen der Werksleitungen dieser Entwicklung angepasst: Neben der technischen Werksleitung erhält das Werk München nun auch einen kaufmännischen Werksleiter.

Am 20. Juli 1981 muss das „Stammgebäude des Werks“, das Gebäude 11, den Strukturmaßnahmen im Werk weichen. 1913 hatte Gustav Otto dieses Gebäude für die damaligen Otto Werke, einer der Vorläuferfirmen der BMW AG, errichten lassen.

Im Juni 1983 findet das erste Nachbarschaftsfest am Standort München-Milbertshofen statt. Über 70.000 Gäste kommen zum „Fest der Nationen“.

Obwohl die Entwicklungsabteilungen seit dem Jahre 1986 Schritt für Schritt im neuen Forschungs- und Ingenieurszentrum zusammengefasst worden sind, können wegen der Lage der Fabrik in der Stadt die angestrebten Produktionsziele nur durch Optimierung und Automatisierung der Fertigungsabläufe erreicht werden.


Die 90er Jahre

Für das Münchner Werk mit seiner zentralen Lage in der Stadt ist vor allem der Dialog mit den unmittelbaren Nachbarn sehr wichtig. Aus diesem Grund richtet BMW 1994 ein Nachbarschaftsforum ein. Gegenstand der Kommunikation ist in erster Linie das Werk mitten in der Stadt und die umweltfreundliche Produktion.

Seit 1999 wird der neue BMW Z8 in einer in das Werk München integrierten Manufaktur montiert. BMW präsentiert mit diesem Traumauto auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt ein Modell aus der Liga der absoluten Sportwagen.


Das Neue Jahrtausend

Im März 2000 wird im Werk München das Integrierte Motorenlager „IMOLA“ in Betrieb genommen. Grundlage dieser neuen Lagerkapazität ist eine ausgeklügelte Motorenlogistik. IMOLA ermöglicht eine optimale Kundenorientierung und Termintreue bei den Motorenlieferungen.

Die Auszeichnung als „Bestes Automobilwerk in Europa“ und damit der Plant Award in Gold geht 2001 an das Werk München. Das Ergebnis der Studie des US-amerikanischen Marktforschungsinstitutes „J.D. Power and Associates“ über die Qualität der Automobilwerke bescheinigt erneut das erstklassige Qualitätsniveau der BMW Produktion.

Heute befindet sich in München neben der Konzernzentrale, von der aus die weltweiten Aktivitäten der BMW Group gesteuert werden und dem Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) auch das BMW Stammwerk. Hier fertigen rund 10.000 Mitarbeiter aus über 50 Nationen die 3er Reihe als Viertürer und compact, die Sechs-, Acht- und Zwölfzylinder-Ottomotoren, die Hochleistungsmotoren für BMW M-Fahrzeuge sowie den Achtzylinder-Dieselmotor und montieren den Z8. Insgesamt verlassen rund 200.000 Neuwagen pro Jahr das Werk. Werkzeuge und Pressteile werden ebenfalls von München an Werke aus dem BMW Werkeverbund geliefert.
__________________
Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
Mit Zitat antworten