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Alt 30.11.2002, 19:26     #1
Georg   Georg ist offline
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Rückblick - Formel BMW ADAC Meisterschaft 2002 (23.11.02)

Ergebnisse und Statistik zur Formel BMW ADAC Meisterschaft 2002

Grandiose Debütsaison des Formel BMW. Großes Starterfeld, guter Sport, moderne Technik.
München. Das gefiel auch Bernie Ecclestone: Eine professionell organisierte Serie mit leidenschaftlichen Positionskämpfen, hochmodernen Formelfahrzeugen und Sicherheitstechnik, die im Detail sogar die Formel 1 aussticht. Der Brite, Vizepräsident des Automobil-Weltverbandes FIA, verfolgte die im Rahmen der Formel 1 auf dem Nürburgring ausgetragenen Läufe Nummer sieben und acht der Formel BMW ADAC Meisterschaft. Und Ecclestone ließ es sich nicht nehmen, dem Sieger persönlich zu gratulieren. Von den 20 Läufen an zehn Wochenenden war der Auftritt im Juni vor der imposanten Formel-1-Kulisse von über 100 000 Zuschauern zweifelsohne der Saisonhöhepunkt. Aber auch die übrigen Rennen der 140 PS starken Monoposti fanden vor großem Publikum statt: im Rahmen des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM). Zu den DTM-Veranstaltungen kamen durchschnittlich 54 300 Zuschauer.

Rosberg siegt aus dem Stand.
Der spätere Meister Nico Rosberg, Sohn des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Keke Rosberg, begann die Saison mit einem Doppelsieg. Es waren die ersten zwei von neun Triumphen für den Finnen. Der zu Saisonbeginn noch 16-Jährige setzte sich in Hockenheim bei der Premiere der Formel BMW im Feld von 28 Teilnehmern aus neun Nationen durch.

Beim Auftakt im Badischen machte auch bereits Maximilian Götz auf sich aufmerksam. Der 16-Jährige aus Uffenheim kletterte als Dritter auf das Siegerpodest. „Maxi“ Götz erzielte im späteren Saisonverlauf drei Siege, wurde hinter Nico Rosberg Meisterschaftszweiter und gewann überlegen die Rookie-Wertung für Fahrer, die nie zuvor ein Automobilrennen bestritten haben.

Sowohl Maximilian Götz als auch der Zweitplatzierte des Rookie-Cups, der Däne Christian Bakkerud, erhalten von BMW und ADAC 50 000 Euro Förderung für ihr nächstjähriges Formel BMW Budget. Nico Rosberg wurde für seine Meisterleistung mit einer Formel-1-Testfahrt im WilliamsF1 BMW FW24 belohnt.

Bei der zweiten Saisonveranstaltung mussten die jungen Piloten zwei Regenrennen meistern. Der erste Lauf im belgischen Zolder brachte einen weiteren Sieger hervor: Der Ire Michael Devaney erzielte im ersten Lauf am Samstag seinen einzigen Saisonsieg. Am Sonntag hieß der Sieger wieder Nico Rosberg.

Bei den folgenden Läufen fünf und sechs auf dem anspruchsvollen Sachsenring war Maximilian Götz nicht zu schlagen. Saisonrennen Nummer sieben im Rahmen der Formel 1 auf dem Nürburgring gewann der Österreicher Hannes Neuhauser, der sich bei dieser Gelegenheit über die Glückwünsche von Ecclestone und auch von Formel-1-Ass Juan Pablo Montoya freuen durfte. Im zweiten Lauf am Sonntag Vormittag vor dem Grand Prix hatte erneut Nico Rosberg die Nase vorn. „Er hat das wichtigste Rennen der Saison gewonnen“, stellte Vater Keke Rosberg stolz fest.

Insgesamt sah die erste Saison der Formel BMW acht verschiedene Sieger. Auf dem Norisring gewann Alexander Margaritis (Bonn), der allerdings nur wenige Gastspiele in der Meisterschaft gab.

Zur Saisonhalbzeit war Nico Rosberg unangefochtener Tabellenführer. In den folgenden Läufen rückte ihm die Konkurrenz allerdings näher. Der Augsburger Thomas Holzer, der wie Alexander Margaritis bereits in der Vorgängerserie der Formel BMW Erfahrung gesammelt hatte, siegte bei den Rennen elf und zwölf auf dem EuroSpeedway Lausitz. Und auch bei Lauf Nummer 13 auf dem Nürburgring musste Nico Rosberg den Sieg einem anderen überlassen, diesmal gewann der Österreicher Reinhard Kofler. Erst im zweiten Rennen des Nürburgring-Wochenendes schaffte Nico Rosberg seinen fünften Saisonsieg.

Beim nächsten Auslandsgastspiel der Formel BMW auf dem A1-Ring in Österreich erzielte Maro Engel (Monaco) seinen einzigen Saisonerfolg, ehe am Sonntag Rookie Maximilian Götz seinen dritten Sieg feierte. Bei noch vier ausstehenden Läufen, zwei im holländischen Zandvoort und zwei beim Finale in Hockenheim, war der Titelkampf noch offen.

38 Punkte betrug Nico Rosbergs Vorsprung auf Maximilian Götz, und mit einem Doppelsieg brachte er den Titel vorzeitig unter Dach und Fach. Sein Rivale war dem Finnen am Samstag noch dicht auf den Fersen gewesen und als Zweiter ins Ziel gefahren. Am Sonntag warf ihn aber ein Fahrfehler auf Platz zehn zurück. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man als Meister über die Ziellinie fährt“, gab Nico Rosberg glücklich zu Protokoll. Und der Seriensieger ruhte sich keineswegs auf seinen Lorbeeren aus: Beim Finale in Hockenheim glänzte er mit seinen Saisonsiegen acht und neun.

Kecker Rosberg.
Nico Rosberg macht sein Meisterstück.
Er hat die blonde Mähne und die Statur vom Vater – und das Talent wohl auch: Nico ist unverkennbar ein Rosberg. Der Spross von Keke Rosberg, Formel-1-Weltmeister von 1982, hat der Formel BMW ADAC Meisterschaft 2002 mit neun Siegen und vier weiteren Podiumsplatzierungen in 20 Läufen seinen Stempel aufgedrückt. Er sicherte sich den Titel bereits zwei Rennen vor Saisonende. Nico Rosberg kam am 27. Juni 1985 in Wiesbaden zur Welt, in der Heimat seiner Mutter Sina. Vier Tage vorher hatte sein Vater für WilliamsF1 in Detroit seinen vorletzten Grand-Prix-Sieg erzielt. Der Junior wuchs in Monte Carlo und in Ibiza auf – in einem internationalen Umfeld, in dem Prominenz alltäglich ist, und auf einer Insel, auf der Kartfahren schon damals Volkssport war. Als Neunjähriger bekam Nico sein erstes eigenes Kart, mit elf Jahren gewann er seinen ersten Titel in der Minime-Klasse der französischen Meisterschaft. Anschließend fuhr er zwei Jahre lang in der italienischen Juniorenklasse, wo er Zweiter wurde. Zwischendurch startete er siegreich in Nordamerika und machte in der Kart-Europameisterschaft mit Polepositions in Portugal und Frankreich auf sich aufmerksam. 1999 wurde er Zweiter in der europaweit ausgetragenen Formel A, mit 15 Jahren hatte er die Königsklasse des Kartsports erreicht: Er startete in der Formel Super A. Dort blieb der bis dahin gewohnte Erfolg aus. „Wir hatten während der Saison das Chassis gewechselt“, erklärt Nico Rosberg, „das hat aber nichts gebracht.“ Beeindrucken konnte er 2001 nur bei Regenrennen, wenn die Fahrkunst mehr zählt als das Material. So zum Beispiel bei der WM in Kerpen. Im letzten Lauf duellierte er sich rundenlang mit Michael Schumacher und wurde Dritter hinter dem Formel-1-Weltmeister. „Wir haben uns gegenseitig überholt und richtig gekämpft“, schwärmt der junge Rosberg, „es war toll von Michael, gegen uns anzutreten, ein Riesenspaß.“ 2002 wurde Nico Rosbergs erste Saison im Automobilsport. Mühelos schaffte er den Wechsel und dominierte in der Formel BMW. Er wirkt routiniert und selbstbewusst, spricht vier Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch – und legte bereits kurz vor seinem 17. Geburtstag die Abiturprüfung ab. Nur einmal kam ihm 2002 seine Lässigkeit abhanden: Als er nach dem Finale in Hockenheim von BMW als Lohn für seine Leistung eine Formel-1-Testfahrt mit einem WilliamsF1 BMW FW24 bekam. Da musste sich der kecke Rosberg erst einmal setzen und versuchte vergeblich, seine Freudentränen hinter der blonden Mähne zu vergraben.

Gute Schule.
Fahren allein genügt nicht – umfassende Ausbildung für den Nachwuchs. München. Seitdem bereits 19-Jährige Formel 1 fahren, ist eine frühzeitige Ausbildung wichtiger denn je. Die Förderung von BMW und ADAC setzt deshalb an dem Punkt an, an dem Teenager dem Kart entwachsen. Bereits 15-Jährige können an den Lizenzlehrgängen im BMW Racing Centre an der Rennstrecke von Valencia (ESP) teilnehmen. Im Sommer 2002 absolvierten 46 Teilnehmer solch einen zweitägigen Lehrgang, der mit der Prüfung zur Junior-Lizenz endet.

Die 23 talentiertesten dieser 46 Teilnehmer wurden zum Sichtungslehrgang eingeladen. Neben 14 Deutschen waren zwei Österreicher, zwei Schweizerinnen, ein Amerikaner, ein Belgier, ein Chinese, ein Italiener und ein Spanier dabei. Bei der Sichtung wurden ihre Leistungen auf dem Circuit de la Comunitat erneut gründlich unter die Lupe genommen, denn es ging um viel: Die besten Acht des Sichtungslehrgangs, alle im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, erhalten 50 000 Euro Förderung für die kommende Saison der Formel BMW ADAC Meisterschaft.

„Unsere Nachwuchsförderung“, erklärt BMW Motorsport Direktor Mario Theissen, „beinhaltet neben der finanziellen Unterstützung eine intensive Ausbildung und ein Coaching vor und während der Saison. Dies umfasst die Bereiche Fahrzeugbeherrschung und -technik, Sport-Management, Sportrecht, Public Relations und Medien, Rhetorik, Motorsport-Marketing, Englisch sowie kontinuierliche Fitnessbetreuung. Damit wollen wir unseren Junioren eine solide Basis für eine Rennsportkarriere bieten.“

Die Fahrer werden professionell bewertet, Chefinstruktor ist BMW Werksfahrer Jörg Müller. Neben den Rundenzeiten sind auch Lernerfolg und Alter des Fahrers wichtige Kriterien.

Die acht Förderkandidaten für 2003 sind:
Gachnang, Natacha 27.10.1987 Aigle, CHE
Hemkemeyer, David 21.07.1985 Rinkerode, DEU
Josten, Mario 25.08.1987 Hückelhoven, DEU
Rast, Rene 26.10.1986 Steyerberg, DEU
Rigon, Davide 26.08.1986 Lugo di Vicenza, ITA
Sanden, Helmut 04.02.1985 Mechernich, DEU
Vettel, Sebastian 03.07.1987 Heppenheim, DEU
Wassermann, Christopher 22.10.1985 Spielberg, AUT


Die BMW Talentförderung im Formelsport begann 1991 mit der Vorläuferserie „Formel Junior“. In dieser Klasse lernte unter anderem Ralf Schumacher das Rennsport-ABC. Bis zu ihrer Ablösung durch die Formel BMW ADAC Meisterschaft im Jahr 2002 schafften mehr als 40 Fahrer aus dieser Serie den Aufstieg in die Formel 3.

Ein BMW von der Niere bis zum Auspuff.
Nicht nur das Ausbildungsprogramm, auch das Fahrzeug hat neue Maßstäbe in der Nachwuchsförderung gesetzt. Der Formel BMW wird von einem 140 PS starken Motor aus dem BMW Motorrad K 1200 RS angetrieben. Der Viertakt-Reihen-Vierzylinder hat ein geringes Gewicht und ermöglicht durch seine liegende Position eine günstige Schwerpunktlage. Als Serientriebwerk ist der Motor preiswert und zuverlässig, für seinen Rennsporteinsatz wurden Ansaug- und Abgastrakt sowie das elektronische Motormanagement modifiziert. Für die Kraftübertragung sorgt ein sequenzielles Hewland-Sechsgang-Renngetriebe, das dem Standard der Formel 3 entspricht.

Bei der Entwicklung des Kohlefaser-Chassis hatte neben hervorragenden Fahreigenschaften der Sicherheitsaspekt Priorität. Der Formel BMW erfüllt sämtliche Sicherheitsanforderungen, welche der Automobilsport-Weltverband FIA an die deutlich stärkeren Formel-3-Fahrzeuge stellt und wurde den entsprechenden statischen und dynamischen Crashtests unterzogen. Ein eigens von BMW entwickelter Sicherheitssitz, der Fors (Formel-Rettungssitz), bietet besonderen Schutz und erlaubt zudem die Rettung des Fahrers mitsamt der Sitzschale. Um die Wirbelsäule nach einem Unfall keinen weiteren Belastungen auszusetzen, kann ein Fahrer sogar in der Sitzschale einer Computer-Tomographie unterzogen werden.

Die Energie absorbierenden Crash-Strukturen an der Fahrzeugnase und im Heck tragen weiter zur passiven Sicherheit sowie zu einer hohen Torsionssteifigkeit bei, welche präzise Fahrzeugabstimmungen erlaubt. Auch mit der Aerodynamikabstimmung müssen sich die jungen Talente auseinandersetzen, Front- und Heckflügel sind beim Formel BMW einstellbar. Dass der Monoposto zur BMW Familie gehört, sieht man ihm an der Nasenspitze an: Eine stilisierte BMW Niere dokumentiert Markenidentität.

Großes internationales Interesse.
Mit Fahrern aus neun Ländern war das Starterfeld in der Debütsaison der Formel BMW auffallend international besetzt, und das Interesse im Ausland geht noch darüber hinaus: Eine Formel BMW Meisterschaft im asiatischen Raum ist für die Saison 2003 in Planung.
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Geändert von Georg (01.12.2002 um 19:48 Uhr)
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