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Alt 30.11.2002, 19:08     #1
Georg   Georg ist offline
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Großer Preis der USA - 27.-29. September 2002 - VORSCHAU

Nachdem das BMW WilliamsF1 Team in Monza zwar Stärke gezeigt, aber keine Punkte geerntet hat, soll dies beim Großen Preis der USA am 29. September besser werden. Die Formel 1 reist zum vorletzten Lauf der Saison 2002 zu einer der berühmtesten Rennstrecken der Welt, nach Indianapolis. Das dort beheimatete 500-Meilen-Rennen zählt zu den Kronjuwelen des Motorsports, genau wie die 24 Stunden von Le Mans oder der Grand Prix von Monaco. Die Formel 1 startet in Indianapolis auf einer eigens für sie geschaffenen Strecke, die das legendäre Oval teilweise einbezieht. Juan Pablo Montoya fühlt sich besonders wohl dort: Er hält den Formel-1-Rundenrekord und gewann 1999 die Indy 500 als erster Neuling seit 1966.

Juan Pablo Montoya:
Ich freue mich auf mein nächstes Rennen in Indy. Der ‘Brickyard’, wie die Strecke früher wegen ihrer Ziegelsteinpiste genannt wurde, ist ein guter Kurs mit viel Rhythmus. Eine gute Fahrzeugbalance ist entscheidend. Sentimental betrachtet bedeutet mir diese Rennstrecke etwas mehr. Als ich in der CART-Serie fuhr, war mein Team in Indianapolis zu Hause und ist es bis heute. Ich habe gute Erinnerungen an diese Zeit, ganz abgesehen von meinem Sieg bei den Indy 500. Ich werden viele alte Freunde wiedersehen, und wir werden so viel Spaß wie möglich haben. Der Speedway sollte auch sportlich gut für uns sein. Die Strecke ist sehr schnell. Die Strategie kann auch mitentscheidend sein. Ich denke, die Strecke gehört zu jenen, auf denen man am besten überholen kann. Dafür sorgt die lange Gerade, und speziell die erste Kurve eingangs des Oval-Abschnitts ist eine gute Stelle zum Überholen. Man muss dem Vordermann am Ende der Geraden richtig nahe kommen, dann kann man es versuchen. Kein Zweifel: Das wird für uns ein sehr interessantes Wochenende.

Ralf Schumacher:
In Monza hat jeder gesagt, dass das unsere letzte Chance auf einen Sieg in dieser Saison sein würde, aber schon dort war ich der Meinung, dass unser Auto auch in Indianapolis sehr gut sein müsste. Und nach den beiden Ausfällen in Italien wird unsere Leistung in den USA umso genauer beobachtet werden. Der lange Vollgas-Anteil in der Steilwand-Kurve kommt unserem Motor entgegen, allerdings wird es sehr schwer werden, den Kompromiss zu dem winkligen Infield zu finden. Ich werde schon ein paar Tage früher in die USA reisen, um mich zu akklimatisieren und dann frisch und ausgeruht zu versuchen, gemeinsam mit dem BMW WilliamsF1 Team die Scharte von Monza auszuwetzen.

Sam Michael (Chief Operations Engineer, WilliamsF1):
Indianapolis ist komplett anders als jede andere F1-Strecke. Nach der längsten Geraden folgt ein Labyrinth ohne eine einzige schnelle Kurve. Zwei Kurven des Ovals gehören zur Formel-1-Strecke, aber dort wird Vollgas gefahren, weshalb man sie zur Geraden rechnet. Bei der Fahrzeugabstimmung kommt es vor allem auf gute Traktion ausgangs der langsamen Kurven an sowie auf Stabilität beim Bremsen. Was die Reifen angeht, werden wir von Michelin wettbewerbsfähige Mischungen haben. Wir hatten gute Reifen in Monza und waren enttäuscht, daraus kein Kapital schlagen zu können, weil wir technische Probleme mit unserem eigenen Paket bekamen. Indianapolis verlangt maximalen Anpressdruck im Infield und gleichzeitig minimalen Luftwiderstand für die Gerade. Wir werden sicher einige Flügelvarianten zu sehen bekommen. Dank der guten Überholmöglichkeiten wird auch die Rennstrategie ein sehr interessantes Thema.

Mario Theissen (BMW Motorsport Direktor):
Indianapolis hat einerseits die längste Volllastpassage mit 23 Sekunden am Stück im Oval, andererseits ein kurvenreiches Infield. In Summe führt das mit knapp über 50 Prozent, das ist der Wert von 2001, zu keinem besonders hohen Volllastanteil, für die Motorbelastung ist aber die lange Dauer-Volllast entscheidend. Im Qualifying werden wir erneut unsere neue Ausbaustufe des P82 mit über 19.000 Umdrehungen pro Minute fahren. Über den Renneinsatz ist noch keine Entscheidung gefallen, die Dauererprobung ist noch nicht vollständig abgeschlossen.

Zahlen und Fakten
· 2002 wird in Indianapolis der dritte Große Preis der USA ausgetragen. Die Formel 1 kehrte im Jahr 2000 in die Vereinigten Staaten zurück. Damals gewann Michael Schumacher im Ferrari, 2001 siegte Mika Häkkinen (McLaren-Mercedes).
· Das BMW WilliamsF1 Team blieb in Indianapolis bisher ohne Punkte. 2001 schied Ralf Schumacher kurz nach Rennhalbzeit durch einen Dreher aus, Montoya wurde durch ein Hydraulikproblem gestoppt. Qualifiziert hatten sich die beiden als Dritter bzw. Vierter.
· Der erste Grand Prix der USA fand 1959 in Sebring statt und wurde von Bruce McLaren auf Cooper Climax gewonnen. 1960 wechselte die Formel 1 nach Riverside, im Folgejahr dann nach Watkins Glen, wo bis 1980 insgesamt 20 WM-Läufe durchgeführt wurden. Von 1976 bis 1983 trat die F1 zusätzlich acht Mal zum Grand Prix USA-West in Long Beach an. Die Achtziger sahen außerdem zwei F1-Rennen in Las Vegas, eins in Dallas und sieben in Detroit. Von 1989 bis 1991 war Phoenix Austragungsort des GP USA. Insgesamt starteten Formel-1-Fahrzeuge bisher 45 Mal in den USA.
· WilliamsF1 gewann fünf Mal in den USA: 1980 Alan Jones, Watkins Glen; 1981 Jones, Las Vegas und Long Beach; 1984 Keke Rosberg, Dallas; 1985 Rosberg, Detroit.
· Nelson Piquet siegte 1984 beim GP USA in Detroit mit einem Brabham BMW.
· Die Rennstrecke von Indianapolis hat für Montoya eine ganz besondere Bedeutung. Im Jahr 2000 schrieb der Kolumbianer Motorsportgeschichte, als er beim legendären 500-Meilen-Rennen auf Anhieb siegte. Seit 1966 (Graham Hill) hatte niemand mehr diesen Klassiker im ersten Anlauf gewonnen.
· Montoya könnte der erste Pilot werden, der in Indianapolis das 500-Meilen-Rennen und den GP gewinnt. Vier Fahrer haben bislang die Indy 500 und einen US GP auf anderen Kursen gewonnen: Jim Clark, Graham Hill, Emerson Fittipaldi und Mario Andretti.
· Die Formel-1-Rennstrecke von Indianapolis ist 4,192 km lang. Das 73-Runden-Rennen führt über eine Gesamtdistanz von 306,016 km. Die Piste bezieht Teile des beim 500-Meilen-Rennen genutzten Ovals mit ein, gefahren wird allerdings in entgegengesetzter Richtung, im Uhrzeigersinn.
· Auf dem 1822 Meter langen Oval-Teilstück fährt die Formel 1 etwa 23 Sekunden lang mit Vollgas. Danach biegt sie ins mit 13 Kurven gespickte Infield ab.
· In Kurve 13 der Formel-1-Strecke, das ist Kurve 1 des 2,5-Meilen-Ovals, sorgt zum ersten Mal beim GP USA eine neue Schutzbarriere für erhöhte Sicherheit. Die SAFER (Steel And Foam Energy Reduction) genannte, Energie absorbierende Barriere vor den Betonmauern wird im Oval von Indianapolis seit Mai in allen vier Kurven eingesetzt.
· Der Reifenverschleiß wird als relativ niedrig eingestuft. Die klassische Rennstrategie ist ein einziger Boxenstopp zwischen der 36. und der 52. Runde.
· Den Rundenrekord hält seit 2001 Montoya, der den Kurs in 1.14,448 Minuten (202,707 km/h) umrundete. Die Trainingsbestzeit fuhr im vergangenen Jahr Michael Schumacher in 1.11,708 min (210,453 km/h).
· Das Rennen wird um 13.00 Uhr (20.00 Uhr in Deutschland) am Sonntag, dem 29. September, gestartet.
· Indianapolis, Hauptstadt des US-Bundesstaates Indiana, hat etwa 800.000 Einwohner. In der Umgebung (Marion County) leben rund 1,6 Mio. Menschen. Indianapolis wurde 1821 gegründet. Geplant auf dem Reißbrett, sind die kreisförmig um das Zentrum verlaufenden Hauptstraßen charakteristisch für die Stadt, daher ihr Spitzname „circle city“. In der heute zwölftgrößten Stadt der USA haben sich verschiedene Universitäten angesiedelt. Die Verbindungen von Indianapolis nach Deutschland sind vielschichtig. Köln ist Partnerstadt. Deutsche Auswanderer, die sich um 1840 in Indianapolis nieder gelassen haben, prägten das Stadtbild. Einige ihrer Nachkommen sind Mitglieder des ältesten Männerchors der USA.
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