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Alt 27.11.2002, 23:20     #1
Carsten   Carsten ist offline
BMW-Treff Team
 

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Großer Preis von Deutschland - 26.-28. Juli 2002 - Vorschau

Gerade einmal vier Tage liegen zwischen dem Großen Preis von Frankreich und dem ersten Trainingstag zum Großen Preis von Deutschland - das bedeutet logistische Klimmzüge für den Formel-1-Tross. Die vier Trucks und die beiden Motorhomes des BMW WilliamsF1 Teams werden Dienstag bis Sonnenaufgang in Hockenheim anrollen. Die Mannschaft muss die Vorbereitung der beiden FW24 diesmal in nur zwei statt der sonst üblichen sechs Tage bewältigen - teils noch in Zentralfrankreich, teils schon im Badischen.

Im vergangenen Jahr hatte das Team beim Heimrennen von BMW ein Traumergebnis erzielt: Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher belegten die erste Startreihe. Der Kolumbianer stellte einen Rundenrekord auf, der Deutsche gewann das Rennen. Nach einem umfangreichen Umbau ist der Hockenheimring inzwischen nicht mehr das, was er war: ein extremer Motorenkurs.

Juan Pablo Montoya:
Der Umbau macht den Hockenheimring für alle schwer einschätzbar. Die meisten Fahrer und Ingenieure waren noch nicht dort, und es wird interessant zu sehen, wer damit aus dem Stand wie gut klar kommt. Ehe ich was zu dem Kurs sage, möchte ich ihn mir erst gründlich anschauen. Das werde ich wohl am Donnerstag tun, sobald ich vor Ort bin. Ralf und ich haben gerade eine ziemlich anstrengende Zeit. Nicht nur, dass diesmal lediglich drei Tage Zeit sind bis zum Dienstantritt am Donnerstag in Hockenheim, wir haben am Dienstag und Mittwoch auch noch Marketing-Verpflichtungen.

Ralf Schumacher:
Wenn ich mir die neue Streckenführung anschaue, dann kommt schon ein bisschen Wehmut auf. Immerhin bin ich der letzte Sieger auf dem alten Hockenheimring, das kann mir keiner mehr nehmen. Auf jeden Fall ist das jetzt nach dem Umbau eine bessere Strecke als vorher: Man hat Überholmöglichkeiten in der zweiten Kurve nach Start und Ziel sowie in der Bremszone vor der Spitzkehre gelassen. Das ist super für die Zuschauer und auch für uns Fahrer. Rein visuell ist es eine Strecke, die mehr Abtrieb erfordert, aber den haben wir ja. In den Jahren zuvor hatte man in Hockenheim immer ein kleines Problem damit, dass man viel Anpressdruck für das Motodrom brauchte, aber weniger für die langen Geraden. Das ist jetzt sicherlich einfacher geworden. Besonders schön finde ich, dass die Strecke auch nach den Umbauten noch zu den richtig schnellen Kursen zählt.

Sam Michael (Chief Operations Engineer, WilliamsF1):
Die Veränderungen des Hockenheimrings verlangen grundlegend andere Aerodynamik- und Fahrwerks-Abstimmungen als wir dort früher eingesetzt haben. Desgleichen werden sich Reifenwahl und Strategie verändern. Am Auto selbst werden wir nur sehr wenige Veränderungen vornehmen, schon wegen der extrem kurzen Pause zwischen den GP von Frankreich und Deutschland.

Die neue Streckenführung mit vielen langsamen Kurven scheint viel Abtrieb zu verlangen. Allerdings gibt es noch immer zwei oder drei schnelle Kurven und eine lange Gerade. Eine gute Traktion wird wichtig sein, um in niedrigen Gängen aus langsamen Passagen zu beschleunigen. Wir werden am Freitag im Training viel Arbeit haben. Die Bremskapazitäten sind eine weitere Größe, die dabei untersucht werden muss. Die Strategie ist völlig offen. Allerdings haben wir einige Simulationen durchgeführt und uns ein Bild gemacht. Überholmanöver sollten vor der neuen Haarnadelkurve möglich sein.

Mario Theissen (BMW Motorsport Direktor)
Wir weinen den langen Waldgeraden des alten Hockenheimrings schon ein paar Tränen nach. Motorleistung war dort nun einmal das A und O, so kam unsere Überlegenheit im Vorjahr zu Stande. Im vergangenen Jahr betrug der Volllastanteil 68 Prozent, jetzt werden es laut unserer Simulationen nur noch 60 Prozent sein. Anders ausgedrückt: 2001 fuhren unsere Fahrer 66,8 Sekunden pro Runde Vollgas, jetzt werden es wohl noch 47 Sekunden sein. Sie erreichten im Wald einen Top-Speed von 357 km/h. Nun wird die Höchstgeschwindigkeit am Ende der Parabolika erreicht werden und bei 313 km/h liegen. Kurzum: Bei dem neuen Lay-out ist nun ein stimmiges Gesamtpaket mehr gefordert als schiere Power. Aber wir haben uns im Vergleich zum Vorjahr auch in allen Bereichen weiterentwickelt und sehen unserem Heimspiel durchaus zuversichtlich entgegen.

Zahlen und Fakten
· WilliamsF1 hat bis dato acht Siege in Hockenheim erzielt. Den ersten im Jahr 1979 - damals gewann Alan Jones die zweite der bis heute 108 Siegestrophäen für die Mannschaft. Von der Poleposition startete in Hockenheim insgesamt ebenfalls acht Mal ein Auto aus dem Hause WilliamsF1.
· 2001 feierte das BMW WilliamsF1 Team in Hockenheim einen unvergesslichen Erfolg: Erstmals starteten beide Autos aus der ersten Reihe. Juan Pablo Montoya sicherte sich mit einer Runde in 1.38,117 Minuten seine erste Formel-1-Poleposition. Im Rennen erzielte Ralf Schumacher vor heimischem Publikum den damals dritten Saisonsieg für das Team. Montoya hatte 22 Runden lang in Führung gelegen und mit 1.41,808 Minuten einen Rundenrekord aufgestellt, fiel dann jedoch aus. Eine defekte Tankanlage hatte zu einer sehr langen Standzeit an der Box geführt, daraufhin streikte wenig später der Motor.
· Zu seinem 70-jährigen Jubiläum präsentiert sich die Rennstrecke von Hockenheim in neuer Form und mit neuem Namen: Der "Hockenheimring Baden Württemberg" hat nun nicht mehr die berühmten langen Waldgeraden, an denen keine Zuschauer Platz hatten, sondern neue Abschnitte. Wo es früher in den Wald ging, biegt das Feld nun scharf rechts ab (zweite Kurve nach Start und Ziel) in die extrem lang gezogene Highspeed-Linkskurve "Parabolika". Sie mündet in eine Spitzkehre, die mit maximalem Lenkradeinschlag im ersten Gang durchfahren und wahrscheinlich Schauplatz von Ausbremsmanövern werden wird. Nach der Haarnadel führt eine Rechts-Links-Rechts-Kombination zurück auf bekanntes Terrain - das berühmte Motodrom mit seiner einzigartigen Stadionatmosphäre.
· Die Umbauten haben eine Runde in Hockenheim von bisher 6,815 Kilometer auf 4,489 Kilometer verkürzt. Die Formel 1 fährt nun 67 statt bisher 45 Runden.
· Der neue Kurs bietet eine um mehr als 40.000 Sitzplätze erhöhte Zuschauerkapazität.
· Der Umbau kostete inklusive der neu gestalteten Verkehrsanbindung und Wiederaufforstungsmaßnahmen ca. 62 Millionen Euro. 15 Millionen Euro davon steuerte das Bundesland bei, was auch mit der Streckenumbenennung honoriert wird.
· Am 29. Mai 1932 wurde als Eröffnungsveranstaltung auf dem damaligen - nicht asphaltierten - Dreieckskurs das erste Motorradrennen gestartet. 1938 wurde die Strecke zum ovalförmigen "Kurpfalzring" umgebaut. 1957 wurde erneut modernisiert und auch das Motodrom gebaut. Am 2. August 1970 fand der erste Formel-1-GP statt, es siegte Jochen Rindt. 1977 wurde der Große Preis von Deutschland dauerhaft ins Badische verlegt, lediglich 1985 kehrte er noch einmal auf den Nürburgring zurück.
· Das Rennen wird am Sonntag, dem 28. Juli 2002, um 14.00 Uhr gestartet.
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