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Alt 25.11.2002, 01:01     #1
Carsten   Carsten ist offline
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Aktuelles Fahrzeug:
BMW

S-
Technik und Entwicklung des Formel BMW

Ein BMW von der Niere bis zum Auspuff.
Beim Design des neuen Formel BMW ist es erstmals gelungen, eine Formel-Fahrzeugnase mit optischer Anlehnung an die BMW Niere zu bauen: Die Befestigung des Frontflügels ist in der Form dieses traditionellen Stilelementes gehalten. Die kalifornischen BMW Tochter Designworks/USA arbeitete bei der Gestaltung eng zusammen mit den Entwicklungs-Ingenieuren von BMW in München und der Firma Mygale in Frankreich. Mygale, seit zwölf Jahren im Chassisbau von Formelfahrzeugen tätig und am französischen Grand-Prix-Kurs Magny-Cours ansässig, übernimmt die Produktion und die Montage der Fahrzeuge.

BMW Motorsport Direktor Mario Theissen erklärt: "Wir haben uns von Anfang an vorgenommen, das sicherste Auto in diesem Segment der kleinen Formelfahrzeuge zu bauen. In dieses Ziel haben wir viel investiert und uns dabei erstens den Anforderungen für die deutlich stärkeren Formel-3-Fahrzeuge gestellt und zweitens Erkenntnisse aus unserem Formel-1-Engagement eingebracht. Das Projekt war in der Entwicklung hochinteressant."

Der Formel BMW erfüllt alle Kriterien, die ab 2002 von den Formel-3-Autos gefordert werden, dazu gehören auch die verschärften Crashtest-Anforderungen. Im Detail lauten diese: Beide Überrollbügel - einer vor der Cockpitöffnung, einer unmittelbar hinter dem Fahrerkopf - werden statisch mit 12 Kilonewton (kN) seitlich, 45 kN längs und 60 kN von oben belastet. (10 kN entsprechen einer Belastung mit ca. einer Tonne.) Die Fahrzeugnase wird einmal frontal mit 36 km/h gecrasht, wobei auf den Fahrer maximal 25 g einwirken dürfen. Hierbei lag die Deformation deutlich unter dem maximal Zulässigen. Seitlich wird die Fahrzeugnase 30 Sekunden lang mit 30 kN belastet, wobei an ihr und im Umfeld keinerlei Schäden auftreten dürfen. Das Monocoque wird seitlich im Bereich der Beckengurte, des Tanks und in der Mitte zwischen Vorderachse und hinterem Überrollbügel mit je 20 kN für 30 Sekunden belastet. Nach einer Frist von einer Minute muss die maximale Verformung weniger als einen Millimeter betragen. Für diese Tests standen die entsprechenden BMW Anlagen in München zur Verfügung.

Das neue Formel-3-Reglement für 2002 verlangt auch, dass alle Cockpits hinten und seitlich mit einem Kopfschutz aus einem von der FIA zugelassenen, energieabsorbierenden Schaumstoff ausgestattet sein müssen. Ein dünner Überzug aus Verbundmaterial verleiht dem Schaumstoff die nötige Steifigkeit. Der Kopfschutz soll verhindern, dass der Kopf des Fahrers mit Teilen der Fahrzeugstruktur in Kontakt kommt. Dieser energieabsorbierende Schaumstoff ist im Falle eines Unfalls der erste Punkt, an dem der Fahrerhelm anschlägt.

Das gesamte Cockpit ist eine aus Kohlefaser und Kevlar gefertigte Zelle, deren Innenraummaße am Korpus, im Bein- und im Fußraum ebenfalls dem F3-Reglement 2002 entsprechen bzw. diese Vorgaben sogar übertreffen. Die Cockpitöffnung, nicht nur wichtig zum komfortablen Ein- und Aussteigen, sondern vor allem ein Sicherheitsaspekt bei einer eventuellen Bergung, wurde sogar noch größer gestaltet.

An der Fahrzeugfront und im Heck, hinter dem Getriebe, verfügt das Auto über Knautschzonen, die bei einem Aufprall Energie absorbieren. Diese Crashstrukturen bestehen aus Carbonfaser-Verbund mit Aluminium-Honeycomb-Einlage.

Spezialentwicklung BMW Rescue Seat.
Für den Formel BMW wurde von BMW Motorsport in München ein neuer Sitz entwickelt. Wie auch in der Formel 1 mittlerweile üblich, können Fahrer auch aus einem Formel BMW mitsamt ihrer Sitzschale gehoben werden, was vor allem bei eventuellen Wirbelverletzungen wichtig ist. Die Kohlefaser-Sitzschale ist direkt auf dem Monocoque angebracht und verfügt über ein spezielles Gurtsystem, das es ermöglicht, den Fahrer bei einer Rettung fest mit dem Sitz zu vergurten. Diese Gurte sind unabhängig von den Sicherheitsgurten, die während der Fahrt getragen werden und sind immer im Auto. So ist beim BMW Rescue Seat sichergestellt, dass die Gurte im Falle eines Falles sofort parat sind. Um Risiken in Sachen Verfügbarkeit und Montage auszuschließen, verzichtete man auch auf die zum Beispiel in der Formel 1 übliche Schiene, mit der bei einer Rettung der Kopf des Fahrers stabilisiert wird. Der BMW Rescue Seat verfügt über eine fest installierte hohe Kopfstütze, die bis zur Unterkante des Überollbügels reicht und somit über dem Helm abschließt. Die Konstrukteure haben weitreichende Vorsorge getroffen: Die Sitzschale des Formel BMW ist so geformt, dass der Fahrer sogar an ihr festgeschnallt einer Computertomographie unterzogen werden kann, sie passt in eine CT-Röhre. Der Sitz ist eine Weltneuheit auf dem Gebiet der Sicherheitstechnik.

Ein anderes aus der Formel 1 bekanntes Sicherheitssystem sind die Radhalteseile. Die gleichen Seile, die das BMW WilliamsF1 Team verwendet, sollen auch beim Formel BMW die Räder bei einem Unfall am Fahrzeug halten. Diese Seile haben einen Kern aus Cylonfasern und eine Umhüllung aus Kevlargewebe. Jedes hält einer Kraft von 50kN stand, das entspricht etwa fünf Tonnen. Beim Formel BMW sind die Hinterräder einfach gesichert, die Vorderräder sogar mit zwei Seilen pro Radaufhängung.

Ein gesundes Maß an Abstimmungsmöglichkeiten.
Das Fahrwerk des Formel BMW bietet einen Monodämpfer vorn und zwei Dämpfer hinten, alle drei sind in Zug- und Druckstufe einstellbar. Die Anlenkpunkte der Dreieckslenker sind fest definiert, um die Abstimmungsmöglichkeiten überschaubar zu halten. Wären sie höhenverstellbar wie etwa in der Formel 1, würde dies zusätzlichen Testaufwand provozieren. Die Dreieckslenker sind zu Gunsten der Aerodynamik innerhalb der Karosserie mit eingepressten Lagern aufgehängt und in Form von Flügelprofilen gestaltet. Der Sturz wird durch Distanzscheiben, sogenannte Shims, variiert.

Zur Reduzierung der ungefederten Massen sind die Radträger aus Magnesium gefertigt. Für die Verzögerung sorgen vorn und hinten Zweikolben-Bremssättel und schwimmend gelagerte Bremsscheiben mit 254 mm Durchmesser. Die einteiligen Aluminiumfelgen mit Zentralverschluss messen 8x13 Zoll vorn und 10x13 Zoll hinten. Die vorgeschriebenen Einheitsreifen sind vorn 200 mm und hinten 220 mm breit.

Technische Daten Formel BMW ADAC als PDF
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"Multiple exclamation marks, he went on, shaking his head, are a sure sign of a diseased mind."
Terry Pratchett

Geändert von Georg (02.12.2002 um 18:26 Uhr)
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