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Alt 20.01.2009, 12:09     #19
Martin   Martin ist offline
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Mario Theissen - BMW Motorsport Direktor.

Analytiker mit Emotionen.


Lebenslauf Mario Theissen als PDF

Er jubelte in der Boxengasse, herzte Teammitglieder, vergoss mit ihnen Freudentränen und genoss die Champagnerdusche, bis die Garderobe vom Hemdkragen bis zur Socke gesättigt war. Es braucht einiges, um Prof. Dr¬ing. Mario Theissen coram publico derart bewegt zu erleben. Der Doppelsieg des BMW Sauber F1 Teams beim Großen Preis von Kanada am 8. Juni 2008 war ein guter Anlass.

„Das war eine unbeschreiblich emotionale Situation", blickt er zurück, „und eine fantastische Bestätigung für die harte Aufbauarbeit, ein Meilenstein. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, 2008 unseren ersten Sieg einzufahren. Damit hatten wir uns weit aus dem Fenster gelehnt. Denn in der Formel 1 kann die kleinste Unwägbarkeit noch in der letzten Kurve vor dem Ziel die beste Vorbereitung zunichte machen."

Theissen scheut sich nicht, ambitionierte Ziele zu definieren. Für deren Erreichen die Voraussetzungen zu schaffen, ist seine Aufgabe - von der Technik über das Personal bis hin zu kritischen Entscheidungen am Einsatzort. Am Ende ist er in seiner Funktion als BMW Motorsport Direktor derjenige, der für alle Automobil-Rennsportprojekte des Hauses gerade steht. Ob Nachwuchsförderung in den Formel BMW Serien, Tourenwagen-und Sportwagen-Engagements oder eben das Formel-1-Projekt. Er hat diese Herausforderung gesucht, er hat das seit 2006 bestehende BMW Sauber F1 Team auf Kiel gelegt.

Bei aller Leidenschaft für den Sport dominiert Sachlichkeit seinen Führungsstil. Glamour, Prominenz und Fahrerlager-Smalltalk haben ihn gewiss nicht in die Formel 1 gezogen. Das sind ungeliebte Nebengeräusche, die keine Reibungsverluste verursachen dürfen. Theissen ist Techniker und Analytiker. Glück und Pech sind für ihn keine Argumente. Fortschritt oder Stagnation, Aus¬oder Unfälle - alles hat Ursachen, aus denen man lernen kann und muss.

Das technische Interesse am Motorenbau und die berufliche wie private Begeisterung für den Motorsport begleiteten ihn durch sein Maschinenbau-Studium und führten ihn anschließend direkt zu BMW. Seit 1977 gehört er zum Unternehmen, in der Motorenberechnung hatte er seine erste Anstellung. Später kamen Managementaufgaben hinzu.

1999 ergab die Verschmelzung seiner Begeisterung für den Sport, die Technik und komplizierte Managementaufgaben seinen Traumberuf: Seit April jenen Jahres ist er BMW Motorsport Direktor. Zunächst leitete er die Rennsportengagements des Unternehmens gemeinsam mit Gerhard Berger. Der BMW Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans 1999, gegen eines der stärksten Felder in der Geschichte dieses Marathons, bleibt ihm unvergesslich.

Seit Oktober 2003 füllt Mario Theissen, promovierter Maschinenbau-Ingenieur und seit 2005 Honorarprofessor, die Position des BMW Motorsport Direktors alleine aus.

Seine Laufbahn bei BMW hat ihn durch verschiedene Positionen an verschiedenen Standorten geführt. Über den Tellerrand zu schauen und in einer vernetzten Welt zu leben, ist für ihn beherrschbarer Alltag. Er hat ein Büro in München und eines in Hinwil.

Flexibilität verlangt auch sein Privatleben. „Mit nicht immer ganz so beherrschbaren Prozessen", wie er schmunzelnd zugibt. Die Familie Theissen hat ihr Basislager in München. Während er pendelt und seine drei Kinder Ausbildungsjahre im Ausland absolvieren, hält seine Frau Ulrike die Fäden zusammen. Für ihn ist sie die Liebe seines Lebens und die Familie sein kostbarstes Gut.

Zeit ist in diesem Leben Luxus. Entsprechend rar sind auch die Stippvisiten in seiner alten Heimat. Mario Theissen wuchs in Monschau in der Eifel auf. „Die Menschen dort sind rau wie das Klima, aber herzlich, standfest und geradlinig", sagt er. Monschau liegt nicht nur malerisch, sondern auch auf halbem Weg zwischen dem Nürburgring und Spa. Beide Traditionsrennstrecken waren favorisierte Ausflugsziele in der Jugend.

Mit 13 Jahren kaufte er sich sein erstes eigenes Auto: einen Fiat 500 für hundert Mark. Es diente vor allem Erprobungszwecken, ehe es mit der Volljährigkeit durch ein für die Straße zugelassenes Fahrzeug abgelöst wurde. Zum Basteln kommt er heute nicht mehr, aber Sport ist für ihn „ein tägliches Grundrecht". An freien Wochenenden läuft er zwölf Kilometer durch die Natur, morgens sind es fünf, oder er besucht das Fitnesscenter für BMW Motorsport-Mitarbeiter, das auf seine Initiative hin schon vor Jahren in München eingerichtet wurde.

Geändert von Martin (20.01.2009 um 13:54 Uhr)
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