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Alt 20.01.2009, 11:40     #9
Martin   Martin ist offline
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E89

BL-
Boxenstopp in Hinwil.

Als die Verantwortlichen entschieden, das Team auszubauen, beinhaltete dieser Beschluss auch die Vergrößerung der bestehenden Fabrik in Hinwil. Es ging darum, Platz für zusätzliche Maschinen und Prüfstände sowie für die neuen Mitarbeiter zu schaffen.

Die Planung des Anbaus begann im Oktober 2005, bereits Anfang Februar erfolgte die Baueingabe. Im Juli 2006 konnte mit den Aushubarbeiten begonnen werden. Ab Herbst 2007 waren die ersten Arbeitsplätze bezugs¬bereit. Der Erweiterungsbau wurde direkt an das seit 1992 bestehende Gebäude angegliedert, wodurch die Fläche von ursprünglich 6.900 Quadrat¬meter auf 15.600 Quadratmeter (ohne Windkanal) wuchs.

Die Konzeption dieses auch optisch attraktiven Baus unterlag streng praktischen Gesichtspunkten. Er ist so ausgelegt, dass kurze Wege und optimale Arbeitsabläufe gewährleistet sind. Effizienz hat Priorität. So verbindet beispielsweise eine geschlossene Brücke den Windkanal mit jenem Bereich, in dem das Konstruktionsbüro untergebracht ist.

Im Erdgeschoss befindet sich die Lastwagen-Halle. Daneben ist Platz für große Produktionsanlagen, wie etwa die Portalfräsmaschine. Ebenfalls hier untergebracht sind die mechanische Fertigung sowie die Autoklaven. Die Erodiermaschinen, die Qualitätskontrolle und das Warenlager befinden sich im ersten Stock.

Optisch interessant ist der zweite Stock gestaltet, in dessen Mitte die Formel-1-Rennwagen gewartet werden. Dieser Teil ist als Atrium ausgebildet, so dass die Rennwagen auch vom dritten Stock aus zu sehen sind. In der zweiten Etage sind zudem die Kohlefaserabteilung, der Fahrzeugaufbau, die Hydraulikabteilung sowie das Rapid Prototyping untergebracht. Darüber befinden sich die Administration, das Konstruktionsbüro sowie die Elektronik¬abteilung.


Der Windkanal: Herr der Lüfte

Direkt neben dem Neubau steht der hochmoderne Windkanal, der im Frühjahr 2004 in Betrieb genommen wurde. Das 65 Meter lange, 50 Meter breite und 17 Meter hohe Gebäude besticht besonders durch seine mit Glas verkleidete Fassade. Hier befinden sich die Arbeitsplätze hoch qualifizierter Spezialisten. Neben den Aerodynamikern sind dies Modelldesigner und Modellbauer, CFD-Ingenieure sowie andere Mitarbeiter der Aerodynamik¬abteilung.

Die Technik der Anlage ist auf dem neuesten Stand. Das bezieht sich auf alle relevanten Faktoren wie Windgeschwindigkeit, Größe der Testsektion und der Modelle, Dimensionen der „Rolling Road", „Model Motion System" sowie die Datenerfassung.

Der Windkanal ist als geschlossener Kreislauf ausgeführt, der eine Gesamt¬länge von 141 Metern und einen maximalen Rohrdurchmesser von 9,4 Metern hat. Das Gewicht aller Stahlelemente beträgt inklusive Ventilatorgehäuse 480 Tonnen. Der einstufige Axialventilator mit Rotorblättern aus Karbon nimmt bei Volllast eine Leistung von 3.000 kW.

Das Kernstück jedes Windkanals ist die Testsektion. Sowohl deren Querschnitt als auch die Länge der rollenden Straße sind besonders großzügig ausgelegt und bieten damit optimale Voraussetzungen für genaue Resultate. Gearbeitet wird mit60-Prozent-Modellen.

Damit die Testobjekte nicht nur frontal, sondern auch leicht schräg bis zu einem Winkel von maximal zehn Grad angeströmt werden können, lässtsich die gesamte Messplattform drehen. Diese ist mit einem rotierenden Stahlband ausgerüstet, das die Relativbewegung zwischen Fahrzeug und Straße simuliert und synchron mit der Luftströmung läuft. Unter dem Rollband sind Wägezellen angebracht, mit welchen die Radlasten gemessen werden.

Über die Technik hinaus wurde bei der Konzeption des Windkanals auch dem Erscheinungsbild große Beachtung geschenkt. Die mit Glas verkleideten Fassaden unterstreichen seine Einmaligkeit als Kombination von Industriebau und Eventgebäude. Was von außen als homogene Halle erscheint, besteht tatsächlich aus zwei klar abgetrennten Gebäudeelementen: dem eigentlichen Windkanal und einem Trakt mit Arbeitsräumen und einer Eventplattform, wo Partner und Sponsoren Veranstaltungen in einem einzigartigen Ambiente durchführen können. Die Galerie im ersten Stock bietet 150 Personen Platz.

Dieser Bereich ist durch eine Glaswand vom technischen Teil getrennt, so dass der optische Bezug erhalten bleibt, die Lärmemissionen des Windkanals aber wirkungsvoll abgehalten werden.



Supercomputer Albert3.

Im Dezember 2006 hatte das BMW Sauber F1 Team den Supercomputer Albert2 vorgestellt. Bereits diese Anlage für CFD-Berechnungen basierte auf Intel-Technologie (bestehend aus Prozessoren, Hauptplatine, Chipset und Servergehäuse). Das BMW Sauber F1 Team hatte sich aus Effizienzgründen frühzeitig für eine Kombination aus Windkanal und Simulation entschieden und auf den Bau eines weiteren Windkanals verzichtet.

Albert2 verfügte über 256 Knoten mit je zwei lntel®Xeon® 5160 Dualcore Prozessoren (zwei Rechnerkerne pro Prozessor). Daraus ergaben sich total 1.024 Prozessorkerne. Eine Ergänzung um 32 Knoten auf insgesamt 288 Knoten bzw. 1.152 Prozessorkerne erfolgte kurze Zeit später.

Seit Frühjahr 2008 ist nun die jüngste Ausbaustufe, Albert3, in Betrieb. 384 Knoten, ausgerüstet mit lntel®Xeon® E5472 Quadcore Prozessoren (vier Rechnerkerne pro Prozessor) und zugehöriger Intel-Technologie kamen zu der bisherigen Anlage hinzu, sodass Albert3 über insgesamt 4.224 Prozessorkerne verfügt. Der Arbeitsspeicher wuchs auf 8.448 GByte, und die maximale Rechenleistung auf 50,7 TFIops. Das sind 50.700.000.000.000 Rechenoperationen pro Sekunde.

Der Supercomputer wurde, wie seine Vorgänger auch, von der Schweizer Firma Dalco entwickelt. Als CFD-Software wird Ansys-Fluent eingesetzt.

Genutzt werden die technischen Möglichkeiten von Albert3 für Analysen im Bereich der Aerodynamik. Mit seiner Hilfe berechnen die Spezialisten Teile für den Formel-1 -Rennwagen. Dabei werden Gitternetz-Modelle verwendet, die oft aus mehr als 100 Millionen Zellen bestehen. CFD (Computational Fluid Dynamics) spielt insbesondere eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Front- und Heckflügeln sowie auch bei der Motor- und Bremskühlung.

Sowohl in der Weiterentwicklung von Hardware und Software als auch im Einsatz dieser Werkzeuge leistet die Formel 1 Schrittmacherdienste für die Automobilindustrie. Die computergestützte Strömungssimulation steht nicht in Konkurrenz zur Arbeit im Windkanal, sondern ergänzt diese. „Ein großer Vorteil von CFD liegt darin, dass man die Luftströmung visuell darstellen kann und dadurch versteht, warum ein Teil besser ist als ein anderes", erklärt Willem Toet, Leiter Aerodynamik.
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