Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 28.11.2008, 18:37     #1
Martin   Martin ist offline
BMW-Treff Team
 

Threadersteller
 
Registriert seit: 11/2002
Ort: 72336-Balingen
Beiträge: 19.709

Aktuelles Fahrzeug:
E89

BL-
Waldorfschüler arbeiten im BMW Werk München mit Industrierobotern

München. Die elfte Klasse der Rudolf-Steiner-Schule Salzburg kommt im Herbst traditionell nach München, um drei Wochen lang in der Frühschicht im Karosseriebau des BMW Werks zu arbeiten, heuer bereits zum sechzehnten Mal in Folge.

Für die Schüler bringt dieses Praktikum viele neue und wertvolle Lebenserfahrungen, die zur Persönlichkeitsbildung beitragen: Sie erleben die Welt der Technik und den Alltag der Mitarbeiter, was tiefe Eindrücke hinterlässt. Der Wechsel vom Schulbetrieb in eine völlig neue Erfahrungswelt eröffnet ihnen auch völlig neue Handlungsmöglichkeiten: Hier werden sie an Arbeitsleistungen gemessen sowie mit Pünktlichkeit, anderen Sozialformen und der Frage nach der persönlichen Leistungsfähigkeit konfrontiert. "Erst durch die Konfrontation mit diesen Anforderungen merken die Schüler, dass sie diesen gewachsen sind - oder eben nicht. Im Rückblick führt diese Erfahrung dann immer zu einem Motivationsschub entweder direkt in Richtung Technik oder zu der Entscheidung für das Gegenteil", so die begleitenden Lehrer. "Die Frage nach dem `Was will ich wirklich?´ findet durch solche Erfahrungen eine Antwort."

Die Schüler selbst schätzen einerseits das Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird, wenn sie weitgehend selbständig im normalen Produktionsprozess mitarbeiten dürfen, andererseits die vielen Möglichkeiten im Werk. Denn neben dem umfangreichen Produktionseinsatz, bei dem sie roulierend in vielen Bereichen des Karosseriebaus mitarbeiten, erhalten sie selbstverständlich eine Sicherheitsunterweisung und einen Überblick über den gesamten Produktionsprozess. Außerdem können sie unter Anleitung der Profis selbst einen Roboter programmieren. Ein Ausflug in die BMW Welt und das BMW Museum sind natürlich auch vorgesehen.

Bei BMW betreut die Schüler Peter Oswald, seit vielen Jahren Meister im Münchener Karosseriebau, mit großem Engagement. "Für die Schüler ist dieses Praktikum etwas ganz anderes als ihre gewohnte Lebenswelt. Beim gemeinsamen Mittagessen merke ich, dass sie eine sehr hohe Sozialkompetenz und ein umfangreiches Wissen in vielen Bereichen wie z.B. Geschichte mitbringen. Aber was sie hier sehen und erleben, ist natürlich neu für sie."

Nach drei Wochen im Karosseriebau haben die Schüler viele Erfahrungen gesammelt. Was wird Ihnen besonders gut im Gedächtnis bleiben?

- "Dass sich die Mitarbeiter im Karosseriebau wirklich für uns interessieren und so hilfsbereit sind. Sie gehen auf alle Fragen ein und freuen sich richtig, dass wir da sind!"

- "Ich habe aus dem Sommerurlaub ein paar Worte Türkisch mitgebracht - das hat gleich für große Begeisterung gesorgt."

- "Dass es Mitarbeiter gibt, die ein Baby zu Hause haben, um drei Uhr morgens aufstehen, um rechtzeitig zur Frühschicht bei BMW zu sein, und nebenbei noch für das Abitur lernen!"

- "Ich habe sehr schnell große Achtung vor der Leistung der Menschen bekommen, die diese Arbeit jeden Tag machen. Mein Bewusstsein dafür hat sich schon enorm verändert."

- "Dass die Mitarbeiter froh sind, dass ihnen harte Arbeiten von den Robotern abgenommen werden, die Arbeit im Karosseriebau immer noch sehr anstren-gend ist, es den Mitarbeitern bei BMW aber anscheinend sehr gut geht."

- "Dass das eigentlich Anstrengende das Warten zwischen den einzelnen Handgriffen, bis die Roboter ihre Arbeit getan haben, ist."

Thematisiert werden natürlich auch die Roboter, die heute aus dem Karosseriebau nicht mehr wegzudenken sind: Auf der einen Seite empfinden die Schüler die Technik als "mega-krass" und spannend, andererseits auch als beängstigend, die Bewegungen als allzu menschenähnlich.

Aber das Praktikum regt auch ganz andere Überlegungen an. Die Schüler stellen sich derzeit auch die Frage, was der Hintergrund einer Person zur eigenen Persönlichkeit beiträgt: Wie wird man als Waldorfschüler angesehen? Muss man eigentlich immer die Schule repräsentieren und kann man nie nur man selbst sein? Kann man diese zweite Haut nicht abstreifen?

Aus Sicht der Schule ist der Aufenthalt bei BMW der praktische Teil des Faches Wirtschaftsgeographie, die Arbeit an den Maschinen angewandte Mathematik, die ihre Entsprechung in der Vektorgeometrie der elften Klasse findet. Die Waldorfschule blickt aber auch auf die persönliche Entwicklung der Schüler und erhofft sich daraus zu Recht einen Anstoß für die Persönlichkeitsbildung und die Berufswahl der Schüler

Weitere Informationen zur Schule finden Sie unter http://www.waldorf-salzburg.info , Informationen zum BMW Werk München unter www.bmw-werk-muenchen.de
Userpage von Martin
Mit Zitat antworten