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Alt 22.10.2008, 11:33     #3
Martin   Martin ist offline
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BL-
Einleitung - Sicherheit als umfassendes Konzept.

Mobilität ist ohne aktive und passive Sicherheit undenkbar. Der motorisierte Straßenverkehr - in allen Wirtschaftsnationen der Welt Transportmittel Nummer eins - hätte ohne Sicherheit seine Spitzenstellung niemals in dieser Form ausbauen können. 2007 war die Zahl der im deutschen Straßenverkehr Getöteten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mit 4.949 so niedrig wie nie zuvor. Ein Trend, der schon lange anhält: In Deutschland - auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung - sank die Zahl der Verkehrsopfer zwischen 1970 und 1990 von 19.193 auf 7.906. Bereits zehn Jahre später unterschritt die Opferzahl für Gesamtdeutschland mit 7.503 Getöteten diese Marke.

Die insgesamt von allen Autofahrern zurückgelegten Kilometer verhielten sich jedoch genau gegenläufig und stiegen nach 1970 von 234,2 Milliarden Kilometer auf 458,5 Milliarden Kilometer 20 Jahre später. Dieser Trend hat sich bis heute weiter fortgesetzt: Während die Zahl der Getöteten im Straßenverkehr jährlich abnimmt, stiegen die Fahrleistungen gleichzeitig auf rund 700 Milliarden Kilometer im vergangenen Jahr an. Kurz gesagt: Der Straßenverkehr war noch nie so sicher wie heute.

Sicherheit im Straßenverkehr ist zuallererst Sicherheit des Menschen. Und damit fällt sie auch in die Verantwortung dessen, der dem Menschen seine motorisierte Mobilität ermöglicht - des Automobilherstellers. Die BMW Group hat sich zu dieser Verantwortung schon immer bekannt. Bis heute wurde jedes Sicherheitssystem in einem Serienauto von Ingenieuren der BMW Group entweder erforscht oder sogar entwickelt, oft sogar in der Rolle eines Pioniers.

Ein paar Beispiele: 1987 kam der BMW 750i als erstes deutsches Fahrzeug mit einer Antriebsschlupfregelung auf den Markt. Vier Jahre später feierte das Xenonlicht Weltpremiere im BMW Flaggschiff. Ab 1997 schützten im 7er Kopfairbags Fahrer und Beifahrer bei Seitenkollisionen - ebenfalls erstmals weltweit. Auch die Aktivlenkung, seit 2004 in die Serienproduktion eingeführt, wurde von der BMW Group als Pionier in die globale Automobiltechnik eingeführt.


BMW Group Sicherheit beginnt beim normalen Fahren und endet erst nach dem Unfall.

Sicherheit ist keine Frage eines einzelnen Systems. Sicherheit kann immer nur als Ganzes entstehen. Deshalb geht das BMW Group Sicherheitskonzept weit über einzelne Details und über passive Sicherheit als solche hinaus. Ganz im Gegenteil: Priorität hat eindeutig die Unfallvermeidung. Die intelligente Vernetzung aller Maßnahmen im Fahrzeug wird als „Integrale Sicherheit" bezeichnet. Sie liefert zukünftig den entscheidenden Beitrag für ein Optimum an Verkehrssicherheit.

Das Augenmerk der BMW Group gilt mittlerweile primär der aktiven Sicherheit -jenem Paket an Maßnahmen, das helfen soll, Unfälle zu vermeiden. Während die Möglichkeiten der passiven Sicherheit auf hohem Niveau angelangt sind, liegt hier noch großes Entwicklungspotenzial, das vor allem durch fahrerunterstützende Systeme, so genannte Fahrerassistenzsysteme, erschlossen wird. Je nach System sind sie in der Lage, den Fahrer während der Fahrt zu unterstützen, vor einem drohenden Verkehrskonflikt zu warnen, hm bei der Entschärfung der Situation zu helfen oder, wenn der Unfall unvermeidbar geworden ist, die Folgen möglichst weitgehend zu reduzieren.

So passt die Aktive Geschwindigkeitsregelung ACC im Normalfall die Geschwindigkeit an ein vorausfahrendes Fahrzeug an. Bremst das vorausfahrende Fahrzeug allerdings sehr stark, alarmieren optische und akustische Signale den Fahrer. Die Auffahrwarnung senkt außerdem die Auslöseschwellen des Bremsassistenten und aktiviert die Bremsbereitschaftsfunktion des DSC. Bremst der Fahrer wird dadurch sofort die maximale Bremsleistung aufgebracht und so wertvoller Bremsweg gewonnen, ein Auffahrunfal verhindert oder in seinem Ausmaß gemindert.


Aufgabenteilung der Assistenzsysteme: Stabilisieren, Manövrieren, Navigieren.

Bei der BMW Group werden Fahrerassistenzsysteme in drei Kategorien unterteilt: Stabilisieren, Manövrieren und Navigieren. Eingreifende Systeme wie die Dynamische Stabilitäts Control (DSC) oder der Wankausgleich Dynamic Drive sorgen für eine Stabilisierung des Fahrzeugs. Systeme wie die Aktive Geschwindigkeitsregelung oder die Spurverlassenswarnung unterstützen den Fahrer beim Manövrieren in bestimmten Verkehrssituationen. Die dritte Gruppe bilden informierende Systeme wie das Navigationssystem oder der Telematik-Dienst BMW ConnectedDrive mit nützlichen aber auch sicherheitsrelevanten Funktionen wie etwa erweiterten Verkehrsinformationen oder einem automatischen Notruf.

Mit diesen Systemen deckt BMW größtenteils den Bedarf ab, den die Europäische Kommission in einer eurobarometer-Studie über den „Gebrauch von intelligenten Systemen in Fahrzeugen" unter den Bürgern der EU ermittelte. Danach schätzt eine deutliche Mehrheit der Europäer Assistenzsysteme als nützlich ein, die meisten möchten sie auch in ihrem nächsten Fahrzeug eingebaut haben.

Der große Vorteil der BMW Group Sicherheitssysteme ist die lückenlose Hilfestellung im gesamten Fahrspektrum: Aktivlenkung oder Abstandsregelung erleichtern das Fahren im Alltagsverkehr. Im Grenzbereich sorgen Systeme der passiven Sicherheit wie zum Beispiel der elektromotorische Gurt-Aufroller im neuen BMW 7er vor. Ist der Point of no Return erreicht, greifen die Systeme ein um die Unfallschwere zu vermindern: der Gurt wird gestrafft, die Scheibenbremsen werden durch Anlegen der Beläge getrocknet und für maximale Verzögerung vorkonditioniert. Die Systeme der passiven Sicherheit sorgen auch für ein sicheres Fahrzeug etwa durch das Auslösen der Sicherheitsbatterieklemme und die Abschaltung der Kraftstoffpumpe.

Und selbst nach dem Unfall endet das Sicherheitskonzept noch nicht: Der Warnblinker schaltet sich automatisch ein und warnt andere Verkehrsteilnehmer. Die Fahrzeugsteuerung schaltet die Innenbeleuchtung ein und öffnet die Zentralverriegelung um die Rettungsmöglichkeiten zu verbessern. Und je nach Fahrzeugausstattung wird parallel über den automatischen Notruf die Rettungsleitstelle alarmiert und mit wichtigen Informationen versorgt.



Basis für die Entwicklung des Sicherheitskonzepts der BMW Group: Die Analyse realer Unfälle.

Die Bedeutung einer Verwendung der Analysen realer Unfälle für die Ausarbeitung des Produktdesigns hat die BMW Group bereits vor über drei Jahrzehnten erkannt. 1976 begann die BMW Unfallforschung Unfälle in der Umgebung des Standorts München zu analysieren. Bald weiteten die Forscher das Untersuchungsgebiet auf ganz Bayern aus. Die bayerische Polizei unterstützte das Vorhaben und meldet bis heute schwere Unfälle an die Unfallforschung, wenn Fahrzeuge der BMW Group involviert sind. Alljährlich werden so zahlreiche schwere Unfälle mit Verletzten ausgewertet, an denen Fahrzeuge der BMW Group beteiligt waren. Spezialisten der Unfallforschung machen sich vor Ort mit modernster Ausrüstung ein detailliertes Bild. So lassen sich sehr genau Rückschlüsse auf den Unfallhergang und dessen Folgen untersuchen. Rund 3.500 Parameter pro Unfall erfassen die Experten dafür, die vom Ausgangsort des Unfalls bis zur Fahrzeugendlage reichen.

Die Forscher bestimmen in der so genannten Pre-Crash-Phase zwei entscheidende Positionen im Unfallgeschehen: Zum einen den so genannten Verkehrskonfliktpunkt, bei dem ein Unfallbeteiligter die unfallursächliche Fehlentscheidung trifft oder auf eine plötzlich entstehende Situation nicht richtig reagiert. Nach amtlicher Statistik ist in Deutschland für annähernd 99 Prozent aller Unfälle menschliches Fehlverhalten Unfallursache - nur im geringen Rest ist ein technischer Mangel, meist die vernachlässigte Wartung wie beispielsweise abgefahrene Reifen oder zuwenig Luftdruck, der Grund.

Zum anderen errechnen die Experten den „Point of no Return", die Position, an dem der Unfall nicht mehr vermieden, aber seine Schwere noch immer verringert werden kann.

Die Erkenntnis aus den Untersuchungen fließt in die Forschung und Entwicklung für die stetige Verbesserung der Sicherheit der BMW Group Fahrzeuge ein.

Eine wesentliche Grundlage ist dabei die Zusammenarbeit mit Münchner Kliniken wie derjenigen der Ludwig-Maximilian-Universität in Großhadern und dem Klinikum Schwabing. Dort werden durch Unfallexperten die Verletzungen der Insassen registriert und analysiert und anschließend verschlüsselt in der Unfalldatenbank der BMW Group erfasst. Diese Datenbasis trägt dazu bei, präzise Auskünfte über die Wirksamkeit der verschiedenen Sicherheitssysteme der Fahrzeuge zu erhalten. Die BMW Group hat damit eine unbestechliche und realistische Grundlage für die Optimierung und Neuentwicklung von Sicherheitssystemen. 2006 dehnte die BMW Group ihr Engagement in Sachen Unfallforschung in die USA aus und erweiterte die bereits bestehende Forschungspartnerschaft mit dem renommierten William Lehman Injury Research Center (WLIRC) der Universität Miami/Jackson Memorial Medical Center um die multidisziplinäre Unfallforschung der BMW Group. Im Rahmen dieser Kooperationen arbeiten BMW Group Ingenieure mit Traumaexperten aus dem medizinischen Bereich zusammen. Diese Teams erstellen biomechanische Unfallanalysen, mit denen die Ursachen von Verletzungen aus Verkehrsunfällen noch exakter festgestellt werden können. Ergebnisse dieser Untersuchungen sind bereits in aktuelle Seriensysteme wie beispielsweise den Erweiterten Notruf eingeflossen.

Jeffrey Augenstein, Direktor des WLIRC, sieht die Zusammenarbeit als sehr gewinnbringend: „In den vergangenen Jahren arbeitete das William Lehman Injury Research Center, das ich die Ehre habe zu leiten, eng mit den BMW Ingenieuren und Wissenschaftlern zusammen. Ziel war es, die spezifischen Kenndaten für die Funktion des Erweiterten Notrufs zu definieren, die heute in vielen BMW Modellen implementiert ist. Ein Hauptergebnis dieser Arbeit war ein Algorithmus, der hilft vorauszusagen, ob bei einem Unfall schwere Verletzungen entstanden sind. Nicht nur den präzisen Ort des Unfalls zu kennen, sondern auch die Wahrscheinlichkeit von ebensbedrohlichen Verletzungen, versetzt die Rettungsdienste in die Lage den Ort des Geschehens sogleich mit der notwendigen lebensrettenden Ausstattung anzusteuern. Wenn Traumabehandlung flächendeckend auf dem Erweiterten Notruf aufbaut, kann das Tausende Leben retten.

BMW hat die Führungsposition in diesen Anstrengungen inne und verdient gewaltiges Ansehen dafür, die Vorkämpferrolle in dieser lebensrettenden Sicherheitsinitiative zu übernehmen. Es war mir einer große berufliche Freude und Ehre mit dem BMW Team zu arbeiten."

Geändert von Martin (22.10.2008 um 12:33 Uhr)
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