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Alt 01.08.2008, 10:27     #1
Martin   Martin ist offline
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BL-
Quartalsbericht und Rede von Dr. Norbert Reithofer

Quartalsbericht Q2 2008 als PDF-Download:


Quartalsbericht Q2 2008



Rede von Dr. Norbert Reithofer
Vorsitzender des Vorstands der BMW AG
Telefonkonferenz Zwischenbericht zum 30. Juni 2008


1. August 2008

Meine Damen und Herren,

ich werde heute auf folgende Punkte eingehen:

1. Wie haben wir uns operativ verbessert?
2. Welche Ziele setzen wir uns?
3. Wie reagieren wir auf die aktuellen Herausforderungen?
4. Wie sichern wir unsere Zukunft?

Sie haben unsere ad hoc Meldung gelesen.

Wie Sie wissen, hat sich das globale Umfeld in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert.

Trotzdem hat sich die BMW Group im ersten Halbjahr 2008 operativ verbessert.

1. Wir haben die weiter stark gestiegenen Rohstoffkosten und Währungsbelastungen kompensiert.
2. Wir haben unsere Funktionskosten gesenkt. Darunter verstehen wir die proportionalen Fertigungskosten, Fixkosten und Abschreibungen.
3. Auch bei den Materialkosten haben wir uns verbessert.
4. Die Qualität unserer Fahrzeuge ist weiter gestiegen. Entsprechend sind unsere Gewährleistungskosten gesunken.

Allerdings wurde unser Konzernergebnis im 1. Halbjahr zusätzlich belastet.

Der Markt für Gebrauchtwagen erholt sich in Nordamerika langsamer als erwartet. Daraus resultieren weitere Risiken. Wir haben unsere zusätzliche Vorsorge zur Absicherung von Restwert- und Kreditrisiken auf insgesamt 695 Millionen Euro erhöht.

Vor diesem Hintergrund liegt unser Konzernergebnis vor Steuern im ersten Halbjahr 2008 mit rund 1,24 Milliarden Euro um 35,2 Prozent unter dem Vergleichswert von 2007.

Die tatsächliche Leistungskraft eines Unternehmens spiegelt sich in den operativen Kennzahlen wider.


Eine einfache Rechnung:

• Wir haben zusätzliche Risikovorsorge in Höhe von 695 Millionen Euro getroffen.

• Wir hatten einen außerordentlichen Aufwand für Personalmaßnahmen von 107 Millionen Euro.

• Zudem enthielt das Vorjahres-Ergebnis einen positiven Rolls-Royce Sondereffekt in Höhe von 61 Millionen Euro.

Berücksichtigen Sie diese Faktoren und Sie sehen:

Unser Konzernergebnis ist gegenüber dem ersten Halbjahr 2007 um rund 190 Millionen Euro gestiegen. Die Umsatzrendite im Konzern liegt bereinigt bei über 7 Prozent.

Rechnet man auch die zusätzlichen Belastungen durch die gestiegenen Rohstoffpreise von 152 Millionen Euro heraus – hat sich das Ergebnis um rund 340 Millionen Euro verbessert.

Fest steht: Die BMW Group ist und bleibt ein leistungsstarkes Untenehmen!


Damit bin ich beim zweiten Punkt:
Welche Ziele verfolgen wir?

• Unsere langfristigen Wachstumsziele für das Jahr 2012 im Rahmen der Strategie Number ONE bleiben unverändert. Das heißt: Eine EBIT-Marge im Segment Automobile von 8 bis 10 Prozent und eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von mehr als 26 Prozent.

• Für 2010 haben wir uns ein Zwischenziel gesetzt. Dann schlagen sich die strategischen Maßnahmen spürbar im Ergebnis nieder, so dass wir im Konzern eine Umsatzrendite von mindestens 6 Prozent erreichen wollen. Die entsprechende EBIT-Marge im Segment Automobile läge dann bei knapp 6 Prozent oder mehr.

• Für das Geschäftsjahr 2008 wollen wir im Konzern eine Umsatzrendite von mindestens 4 Prozent erreichen. Im Segment Automobile streben wir eine EBIT-Marge von knapp 4 Prozent oder mehr an.


Diese Ziele wollen wir erreichen trotz starker exogener Einflüsse.

• Die Preise für die meisten Rohstoffe explodieren nahezu:

o Der Ölpreis pro Barrel hat sich seit Sommer 2007 um 73 Prozent erhöht. Allein im zweiten Quartal 2008 stieg er gegenüber dem ersten Quartal 2008 um 26 Prozent.
o In weniger als zehn Jahren hat sich der Preis pro Barrel Rohöl verzehnfacht.
o Ähnlich die Entwicklung der Stahlpreise: In den letzten 12 Monaten stieg der Preis um 60 Prozent. Zum Ende des zweiten Quartals 2008 wurde Stahl im Vergleich zum ersten Quartal 2007 um knapp 30 Prozent teurer.

• Die Krise an den internationalen Finanzmärkten birgt weiter Risiken für die globale Konjunktur. Ein Ende der angespannten Situation ist nicht in Sicht.

• Währungseffekte aus Dollar, Yen und Britischem Pfund werden unser Ergebnis weiter belasten.

• Energie wird immer teurer. Denken Sie an Gas und Strom. Das weltweite Konsumklima kühlt sich ab. Das betrifft vor allem die USA, Europa und Japan.

• Die Pkw-Neuzulassungen in den reifen Märkten werden weiter sinken. Auch wir sind von dieser Entwicklung tangiert.

• Das politische Umfeld für Mobilität ist alles andere als hilfreich. Die CO2-Bestimmungen in den Ländern divergieren stark. Hier in Deutschland führt die fehlende Klarheit über eine künftige CO2-basierte Kfz-Steuer bei vielen Kunden zum Aufschub einer Kaufentscheidung.


Damit komme ich zum dritten Punkt: Wie reagieren wir auf die verschlechterte Gesamt-Situation?

Wir ergreifen zusätzliche Maßnahmen.
Wir richten unser U.S. Geschäft neu aus.

Das heißt:

• Erstens: Wir steuern gezielt unsere Absatz-Entwicklung. Jetzt ist nicht die Zeit für reines Volumenwachstum. Aktives Management des Absatzvolumens ist gefragt. Wachstum darf nicht zu Lasten der Profitabiliät gehen. Das heißt: Im laufenden Jahr werden wir weniger Fahrzeuge in den USA verkaufen als im Vorjahr. Wir tun dies, ohne unsere Marktposition in den USA zu gefährden. Fahrzeug-Kontingente aus dem Dollarraum leiten wir zum Teil in nachfragestarke Märkte um. Das gilt auch für Fahrzeuge, die wir in den USA produzieren.

• Zweitens: Wir stimmen unsere weltweiten Produktionskapazitäten stärker auf wichtige Absatzmärkte ab. Die Werke werden noch flexibler auf Nachfrage-Schwankungen reagieren – nach oben wie nach unten.

• Drittens: Wir justieren unser Preis-Volumen-Gerüst. Dazu zählen auch Preiserhöhungen. Wir beginnen damit 2008 für den U.S. Markt. Diese Korrektur wird auch noch das Jahr 2009 in Anspruch nehmen. Wir werden stärker nachfrageorientiert produzieren. Unser Vorteil: Unser kundenorientierter Vertriebs- und Produktionsprozess erlaubt eine schnelle Umstellung.


Wir setzen unsere Strategie Number ONE weiter um.

• Die Funktionskosten konnten wir im ersten Halbjahr 2008 um 2,4 Prozent senken.

• Auch die Materialkosten pro Fahrzeug konnten – bereinigt um die Kosten für EfficientDynamics – verringert werden.

• In der Strategie hatten wir angekündigt, vom Dollar unabhängiger zu werden. Der Ausbau der Produktionskapazitäten in den USA und China ist in vollem Gange. Auch die Erhöhung des Einkaufsvolumens im NAFTA Raum kommt voran. Hier stehen demnächst wichtige Entscheidungen an, die uns helfen werden.

• Wir prüfen weiterhin Kooperationsmöglichkeiten mit Blick auf Skaleneffekte.

• Darüber hinaus bauen BMW und MINI ihr Geschäft mit Ersatzteilen und Zubehör aus. Bereits ab 2010 erwarten wir daraus einen Ergebnis-Zuwachs in 3-stelliger Millionen-Höhe.

• Wir stellen auch geplante Fahrzeug-Projekte zur Disposition, wenn sie Marktentwicklungen, internen Renditezielen oder den Bedürfnissen der Kunden nicht mehr voll entsprechen.

• Beim Personalabbau liegen wir im Plan. Mittlerweile haben wir den Personalstand in der BMW Group verglichen mit Ende 2007 um 1.500 Mitarbeiter zurückgeführt. Betrachtet man das Segment Automobile separat, dann sind es hier fast 1.700. Die Zahl der Zeitarbeitskräfte haben wir seit September 2007 um 4.000 reduziert: Hier haben wir den größten Teil der Wegstrecke von 5.000 schon hinter uns.

• Wir werden mit den Arbeitnehmervertretern über die freiwilligen übertariflichen Zusatzleistungen verhandeln.


Ich komme zu Punkt 4:
Wie investieren wir in unsere Zukunft?

Als erster Hersteller haben wir in Kraftstoff sparende Technologien investiert. Wir haben früher als andere nachgedacht und entschieden:

• Bis heute ist über eine Milliarde Euro an F+E-Mitteln in EfficientDynamics geflossen.

• Rund 900 Euro kostet der Einsatz der Maßnahmen pro Fahrzeug im Durchschnitt.


• Darüber hinaus haben wir in den letzten drei Jahren fast 250 Millionen Euro in die Entwicklung von Hybrid-Antrieben investiert.


Sie sehen: Wir haben unsere Investitionen bewusst nicht zugunsten kurzfristiger Profitabilität heruntergefahren.

Heute sind wir mit EfficientDynamics führend.

• Über 1,1 Millionen BMW und MINI Fahrzeuge mit verbrauchsreduzierenden Maßnahmen fahren bereits auf den Straßen.

• Ins Modelljahr 2009 gehen wir mit 23 BMW und 5 MINI Modellen, die maximal 140 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren.


• Mit der Markteinführung des neuen BMW 7er setzen wir ab Herbst auch im Segment der Luxus-Limousinen neue Maßstäbe. Ein BMW 7er mit rund 7 Liter Verbrauch ist derzeit unschlagbar.

• Ein Kunde in Deutschland spart bei uns im Durchschnitt einen Liter Kraftstoff auf 100 km im Vergleich zu den Fahrzeugen unserer Wettbewerber.



EfficientDynamics ist der Wachstumstreiber der BMW Group.

• Wir haben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres den Automobil-Absatz weltweit um 4,7 Prozent gesteigert.

• Für das Jahr 2008 stehen wir weiterhin für einen neuen Höchstwert beim Absatz auf Group-Ebene.

Unsere Erfahrung ist: Wo eine strenge CO2-Gesetzgebung existiert, profitieren wir gegenüber den Wettbewerbern:

• In Europa verfügt die Mehrzahl der Staaten über eine CO2-basierte Kfz-Steuer. Wir haben im ersten Halbjahr 2008 in einem rückläufigen Markt im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 7,6 Prozent zugelegt.

• In Frankreich gelten besonders hohe CO2-Anforderun-gen. Wir haben im ersten Halbjahr fast 20 Prozent mehr Autos ausgeliefert.


In einer aktuellen Studie hat die FH Gelsenkirchen den CO2-Ausstoß der Fahrzeugflotten und Einsparpotenziale durch kleine Modelle oder innovative Technik untersucht. BMW liegt als einziger deutscher Hersteller im Spitzenbereich, unter den ersten Drei.

Mit EfficientDynamics werten wir auch unsere künftigen Gebrauchtwagen auf. Wer sich in einigen Jahren einen Gebrauchtwagen kauft, wird sehr genau auf Verbrauchswerte und Effizienz achten.

Wir entwickeln Mobilität weiter.

• 2009 bringen wir mit dem X6 den ersten BMW Hybrid. Den neuen BMW 7er werden wir ebenfalls als Hybrid anbieten.

• Auch künftige Fahrzeugkonzepte wie der BMW X1 und der PAS stehen gleichermaßen für Freude am Fahren und hohe Effizienz. Das gilt natürlich auch für die Modellüberarbeitung von BMW 3er Limousine und Touring, die ab 20. September in den Handel kommt.


• Noch in diesem Jahr fahren 500 MINI Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb auf den Straßen. Das ist der nächste konsequente Schritt auf dem Weg hin zu einer emissionsfreien Mobilität. Wir wollen damit elektrisch angetriebene Mobilität deutlich näher an das heute gewohnte Fahrerlebnis heran bringen. Und, wir sind der erste Hersteller, der so früh mit der Lithium-Ionen-Technologie in einem reinen Elektrofahrzeug in Kleinserie geht.

• Ein weiterer Schritt soll ein echtes „Mega City Car“ sein. Im Rahmen von project i entwickeln wir solche neuen Mobilitätskonzepte. Wir werden Sie dazu auf dem Laufenden halten.


Lassen Sie mich noch einmal betonen:

Operativ hat sich die BMW Group im ersten Halbjahr 2008 verbessert. Und: Wir stehen für Zukunft.

Wir sind überzeugt: Wir werden aus dieser Phase der Veränderung gestärkt hervor gehen. Wir werden unsere Vision verwirklichen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
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