Thema: 3er / 4er allg. Diesel Vs Benziner
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Alt 05.07.2002, 13:59     #24
gmo   gmo ist offline
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Aktuelles Fahrzeug:
E91 330d
Hi,

will hier mal nur auf das Fahrverhalten eingehen und Kosten, Fehler-
anfälligkeit und andere Ideologien beiseite lassen (war ja sowieso nicht gefragt).

In der Regel werden moderne Diesel-Fahrzeuge durch die Übersetzung
(Getriebe/Achse) so abgestimmt, daß am Hinterrad etwa gleich viel
Drehmoment wie bei einem Benziner mit ähnlicher Leistung anliegen (iss so).

Und nur das Drehmoment am Hinterrad(!) zählt für das Beschleunigungsempfinden
(nicht das am Motor). Zum Beispiel sollte man mal den 330D mit 325i (beide E46 '02)
miteinander vergleichen. Eine einfache Methode um D gegen B zu vergleichen
ergibt die Faustformel "Drehmoment Diesel * (4500/6500)" da geht nämlich genau
der Faktor ein, der zum Ausgleich des dieseltypisch schmäleren Drehzahlbandes
benutzt wird.
Das heißt. der so errechnete Drehmomentwert stellt einen "normierten" Wert dar,
der nun direkt zum Vergleich mit einem Benziner herangezogen werden kann.

Das wäre für den 330D dann ca. 270Nm, also ein (virtueller) E46er BMW Benziner mit
270Nm würde in etwa so fahren wie der 330D (-> etwas bulliger als der 325i aber
schwächer als der 330i).
So damit haben wir erst mal das "gewaltige" Diesel-Drehmoment entmystifiziert.
(-> das Thema muß wirklich zum x-ten Mal diskutiert werden, da die meisten es
immer noch nicht verstanden haben :-)

Nun noch zum Verlauf der Drehmomentkurve und dem daraus resultierenden Fahr-
verhalten. Die moderenen Turbomotoren produzieren schon bei recht niedrigen
Drehzahlen das volle Drehmoment, was dann auch recht lange ansteht.
Im Vergleich zum (turbolosen) Benziner ist deshalb bei niedrigen Drehzahlen ein
wenig mehr Dampf ("wenig" bezieht sich auf das normierte Drehmoment) vorhanden.

Im weiteren Drehzhalbereich kommen Benziner und Diesel dann in ungefähr gleich,
danach hat der Benziner in höheren Drehzahlen ein wenig mehr zu bieten.

Da Endgeschwindigkeit und die Zeit, um sie zu erreichen, ja mit der Maximalleistung
zu tun haben, sollte nicht so viel Unterschied zwischen 325i und 330D sein.
Der 325i hat dennoch eine bessere Endgeschwindigkeit, weil seine Leistung am Ende
nicht so stark abfällt wie beim 330D (um´s mal vereinfacht und nur grob auszudrücken).

Noch zu erwähnen wäre die Anfahrschwäche, die bei Turbomotoren ab Leerlaufdrehzahl
bis ca 1300 U/min (bei 330D) geht -> die Kraft in diesem Bereich hängt nun auch stark
vom Hubraum ab, so daß der 330D dort noch annehmbar ist (der 320D aber deutlich
schwächelt).
Ein Benziner geht in diesem Low-Drehzahlbereich noch ein wenig besser, läßt danach aber
beim weiteren Aufbau des Drehmoments keine Urgewalten verspüren, was ihn dann
insgesamt "untenrum" lahmer als den Diesel erscheinen läßt.

Noch ein Unterschied zum turbinenlosen Motor ist der "Gummiband-Effekt" des
Turbo-Diesels, der durch das Ansprechverhalten des Laders charakterisiert ist
(heißt auch Turboloch). Ist heutzutage nicht mehr dramatisch, dennoch braucht´s einen
Augenblick bis die Reaktion auf Gaspedalbewegungen von low nach high erfolgt.

Hier mal die "naturgetreue" Beschreibung eines praktischen Fahrmanövers aus geringer Drehzahl im 2. Gang bis zum "Roten" durchbeschleunigt.

für 330D:
> los geht´s ... Drehzahl 800 U/min
> Pedal Richtung Ölwanne ... na, das sollen 3l sein,
> Drehzahl steigt ... 1300 U/min ... oh, jetzt passiert was
> guuut, der Druck in der Magengegend :-) ..., die nadel schießt weiter gegen Rot
> 3000 U/min ... das hört ja gar nicht mehr auf ... 3500 U/min ... doch, leider
> die Kraft läßt etwas nach ... 4000 U/min, na sollte langsam mal schalten ...
> aber bis 4500 U/min schaftt er´s auch noch locker :-)

für 325i:
> wir zählen 800 U/min ...
> auch hier mal ein öliges Fußbad nehmen... hey wie der spritzig auf´s Pedal reagiert
> Drehzahl steigt ... 1300 U/min ... nix was einen aus der Fassung bringen kann ...
> es geht normal weiter ... der Mumm nimmt zu ... 2000 U/min ...
> wie lang muß ich denn noch warten ... 2500 U/min, an also so langsam kommt Fahrt auf
> 3000 U/min jetzt fängt´s erst richtig an ... nun will die nadel rot sehen
> leichtes Kribbeln im Magen ... es drückt konstant bis 6000 U/min
> na die 500 legen wir noch drauf, dann schalten wir ... schade ...

Also die Fahrbeschreibung für den 330D sollte recht gut hinkommen, ob´s jetzt beim
325i genau so abläuft, kann ich mich nicht mehr genau erinnern -> aber vielleicht kann
ja mal ein Eigner dazu was sagen.

Als Fazit kann sich nun jeder raussuchen, was zu seinem Fahralltag am Besten passt, wobei
das Ausbeschleunigen "feindlicher" Fahrzeuge und der absloluten Hochgeschwindigkeits-
rausch (derzeit) nur mit einem Benziner erreicht werden kann.
Aber jedem der sich diesen Ansprüchen unterwirft, empfehle ich doch eher einen Lear-Jet
... da hat man wenigstens noch ein paar Reserven.

Wer sich nun immer noch nicht den Unterschied der beiden Konzepte vorstellen kann,
sollte entweder das Autofahren ganz aufgeben oder ausgiebig Probefahren ...


- GMo -