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Alt 17.02.2008, 11:05     #8
Martin   Martin ist offline
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BL-
Boxenstopp in Hinwil.

Zwei Jahre gaben sich die Verantwortlichen des BMW Sauber F1 Teams Zeit, um den Aufbau des Teams abzuschließen. Dazu gehörte auch die Vergrößerung der Fabrik. Der Erweiterungsbau wurde direkt an das seit 1992 bestehende Gebäude angegliedert, wodurch die Fläche von ursprünglich 6.900 m2 auf 15.600 m2 (ohne Windkanal) wuchs.

So entstand Platz für zusätzliche Maschinen und Prüfstände sowie für die neuen Mitarbeiter. Von 275 im Juni 2005 stieg deren Zahl bis Ende 2007 auf rund 420. Nicht wenige von ihnen arbeiteten bis vor kurzem in angemieteten Büro- und Industrieräumen in der nahen Umgebung.

Die Planung des Anbaus begann im Oktober 2005, bereits Anfang Februar erfolgte die Baueingabe, und Ende Juni erteilten die Behörden die Baubewilligung. Im Juli 2006 konnte mit den Aushubarbeiten begonnen werden. Ab Herbst 2007 waren die ersten Arbeitsplätze bezugsbereit.

Die Konzeption dieses auch optisch attraktiven Baus unterlag streng praktischen Gesichtspunkten. Er ist so ausgelegt, dass kurze Wege und optimale Arbeitsabläufe gewährleistet sind. Effizienz hat Priorität. So verbindet beispielsweise eine geschlossene Brücke das Konstruktionsbüro und den Windkanal.


Im Erdgeschoss befindet sich die Lastwagen-Halle. Daneben ist Platz für große Produktionsanlagen, wie etwa die Portalfräsmaschinen. Diese werden allerdings erst nach Abschluss der ersten Rennen der Saison 2008 umgezogen, weil man bei der Teileproduktion für den F1.08 keinen Zeitverlust in Kauf nehmen will. Ebenfalls im Parterre stehen die Autoklaven, wogegen kleinere Maschinen im ersten Stock Platz finden.

Optisch interessant ist die zweite Etage gestaltet. Dort ist die Kohlefaser-Abteilung untergebracht, und in der Mitte werden die Formel-1-Rennwagen gewartet. Dieser zentrale Teil ist als Atrium ausgebildet, sodass die Renn-wagen auch vom dritten Stock aus zu sehen sind. Dort befinden sich die Administration, das Konstruktionsbüro sowie die Fahrzeug-Elektronik.

Der Windkanal: Herr der Lüfte.

Direkt neben dem Neubau steht der hochmoderne Windkanal, der im Frühjahr 2004 in Betrieb genommen wurde. Das 65 Meter lange, 50 Meter breite und 17 Meter hohe Gebäude besticht durch seine mit Glas verklei-dete Fassade. Hier befinden sich die Arbeitsplätze einer ganzen Reihe von Spezialisten: Neben den Aerodynamikern sind dies Modelldesigner und Modellbauer, CFD-Ingenieure sowie andere Mitarbeiter der Aerodynamik-abteilung. Deren Gesamtzahl stieg von 35 zu Sauber-Zeiten auf nunmehr über 80. Seit Oktober 2006 arbeitet das BMW Sauber F1 Team, genau wie die andern Topteams, im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr.

Die Technik der Anlage ist auf dem neuesten Stand. Das gilt für alle relevanten Faktoren wie Windgeschwindigkeit, Größe der Testsektion und der Modelle, Dimensionen der „Rolling Road“, „Model Motion System“ sowie die Datenerfassung.

Der Windkanal ist als geschlossener Kreislauf ausgeführt, der eine Gesamtlänge von 141 Metern und einen maximalen Rohrdurchmesser von 9,4 Metern hat. Das Gewicht aller Stahlelemente beträgt, inklusive Ventilatorgehäuse, 480 Tonnen. Der einstufige Axialventila¬tor mit Rotorblättern aus Karbon nimmt bei Volllast eine Leistung von 3.000 kW auf und ermöglicht so Windgeschwindigkeiten bis zu 300 km/h. Damit keine störenden Schwingungen auf die Anlage übertragen werden, ist der Axialventilator über Schwingungsdämpfer mit einem massiven Betonsockel gekoppelt.


Das Kernstück jedes Windkanals ist die Testsektion, wo die Objekte dem Luftstrom ausgesetzt werden. Sowohl deren Querschnitt als auch die Länge der rollenden Straße sind in Hinwil besonders großzügig ausgelegt und bieten damit optimale Voraussetzungen für genaue Resultate. Gearbeitet wird vorwiegend mit 60-Prozent-Modellen. Die Aerodynamiker haben jedoch auch die Möglichkeit, Messungen am 1:1-Rennwagen durchzuführen.

Damit die Testobjekte nicht nur frontal, sondern auch leicht schräg bis zu einem Winkel von maximal zehn Grad angeströmt werden können, lässt sich die gesamte Messplattform drehen. Diese ist mit einem rotierenden Stahlband ausgerüstet, das die Relativbewegung zwischen Fahrzeug und Straße simuliert und synchron mit der Luftströmung läuft. Unter dem Rollband sind Wägezellen angebracht, mit denen die Radlasten gemessen werden.

Über die Technik hinaus wurde bei der Konzeption des Windkanals auch dem Erscheinungsbild große Beachtung geschenkt. Das Gebäude beeindruckt nicht bloß durch seine Abmessungen, auch die mit Glas verkleideten Fassaden unterstreichen seine Einmaligkeit als Kombination von Industriebau und Eventgebäude.

Was von außen als homogene Halle erscheint, besteht tatsächlich aus zwei klar abgetrennten Gebäudeelementen: dem eigentlichen Windkanal und einem Trakt mit Arbeitsräumen und einer Eventplattform, wo Partner und Sponsoren Marketingveranstaltungen, Kundenevents oder Seminare in einem einzigartigen Ambiente durchführen können. Die Galerie im ersten Stock bietet 150 Personen Platz.


Aus optischen Gründen liegt die Mittelachse der Windkanalverrohrung mehr als acht Meter über dem Boden. Mit Ausnahme der Messstrecke, die in eine Betonkonstruktion eingebettet ist, „schwebt“ der aus Stahlelementen zusammengefügte Kreislauf in der Halle.

Die beiden Bereiche werden durch eine Glaswand getrennt, sodass der optische Bezug erhalten bleibt, die Lärmemissionen des Windkanals aber wirkungsvoll abgehalten werden.

Im Erdgeschoss fand „Albert²“ Platz. Der Supercomputer des Teams wurde im Dezember 2006 vorgestellt. Die 21 Tonnen schwere Anlage für CFD-Berechnungen basiert auf Intel-Technologie und ist eine der leistungsstärksten in der Formel 1. Albert2 verfügt über 256 Knoten mit je zwei Intel Xeon 5.160 Prozessoren, von denen wiederum jeder zwei Kerne besitzt. Daraus ergeben sich total 1.024 Kerne. Die Kapazität des Hauptspeichers beträgt 2.048 GByte, die maximale Rechenleistung 12.288 GFlops; das sind 12.288.000.000.000 Fließkomma-Operationen pro Sekunde.

Genutzt werden die enormen technischen Möglichkeiten von Albert² für Analysen im Bereich der Aerodynamik. Mit seiner Hilfe berechnen die Spezialisten Teile für den Formel-1-Renner. Dabei werden Gitternetz-Modelle verwendet, die oft aus mehr als 100 Millionen Zellen bestehen. CFD spielt insbesondere eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Front-, Heck- und Zusatzflügeln, sowie auch bei der Motor- und Bremskühlung.

Die computergestützte Strömungssimulation steht nicht in Konkurrenz zur Arbeit im Windkanal, sondern ergänzt diese. „Ein großer Vorteil von CFD liegt darin, dass man die Luftströmung darstellen kann und dadurch versteht, warum ein Teil besser ist als ein anderes“, erklärt Willem Toet, Head of Aerodynamics.


BMW Motorsport Direktor Mario Theissen sagt: „Im Gegensatz zu andern Teams planen wir nicht den Bau eines zweiten Windkanals, sondern werden in Zukunft weiter auf die stetig wachsenden Möglichkeiten im Bereich der Simulation setzen.“ Der kombinierte Einsatz von Versuch und Simulation hat sich bereits 2007 bewährt.
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Geändert von Martin (17.02.2008 um 14:15 Uhr)
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