Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 18.05.2007, 15:22     #2
Hermann   Hermann ist offline
Senior Guru
  Benutzerbild von Hermann

Threadersteller
 
Registriert seit: 03/2001
Beiträge: 8.175

Aktuelles Fahrzeug:
E63 645Ci, E36 318i Cabrio, E39 523i Touring und Piaggio
Verantwortung und Sicherheit mit Tradition: Die Geschichte des Fahrer-Trainings seit 1977.

„Die optimale Verbindung des besseren Automobils mit dem besseren Fahrer“ zu schaffen, lautete das Ziel, als die BMW Motorsport GmbH in den 1970er Jahren erstmals zur Teilnahme an einer „Fahrerschule“ aufrief. Dieser Anspruch hat auch heute noch Bestand, in ihm drückt sich die umfassende Verantwortung der BMW Group für mehr Sicherheit im Straßenverkehr aus. Die Erkenntnis, dass neben dem Bau besonders sicherer Automobile auch die Förderung des fahrerischen Könnens zu einer Reduzierung des Unfallrisikos beitragen kann, war Auslöser für die Ausschreibung der ersten 15 Lehrgänge für jeweils 20 Teilnehmer, die innerhalb kürzester Zeit ausgebucht waren. Freude am Fahren und Sicherheit im Straßenverkehr sind seitdem bei der BMW Group eng miteinander verknüpft. Seit nunmehr 30 Jahren finden Auto- und Motorradfahrer, die ihr Wissen und ihr Können am Lenkrad perfektionieren wollen, in den umfassenden Trainingsangeboten der BMW M GmbH einen kompetenten Partner.


Als „Geburtsstunde“ des BMW Fahr-Sicherheitstrainings gilt der 22. April 1977. An diesem Tag absolvierten Kunden erstmals Trainingsmanöver mit einem BMW 320i. Sechs Wochen zuvor hatten bereits Beamte der Münchner Polizei auf dem Flughafengelände Oberpfaffenhofen den Lehrgang durchlaufen: eine Generalprobe der besonderen Art, da gerade für Sicherheitskräfte eine professionelle und anspruchsvolle Fahrausbildung schon damals von großer Bedeutung war.

Die Startphase: fundierte Ausbildung als Ziel.

Den Beschluss zur Gründung einer „Fahrerschule“ hatte der BMW Vorstand bereits am 3. Februar 1976 gefasst. Und noch im gleichen Jahr waren die Kontakte für eine professionelle Umsetzung dieses Beschlusses geknüpft. Der damalige Geschäftsführer der BMW Motorsport GmbH, Jochen Neerpasch, und der langjährige Sportsekretär des Automobilclubs von Deutschland (AvD), Börries von Breitenbuch, vereinbarten im August 1976 die gemeinsame Konzeption eines vielseitigen Trainingsplanes.

Von Breitenbuch hatte – gemeinsam mit dem finnischen Rallye-Profi Rauno Aaltonen – zwei Jahre lang Erfahrungen mit der Durchführung von Fahrer-Trainings-Kursen gesammelt. Die anspruchsvolle Methodik des Duos deckte sich in idealer Weise mit dem BMW Anspruch an Professionalität. Die genaue Analyse von Fahrzuständen, die Autofahrern im Alltag Probleme bereiten, wurde um die Vermittlung von Fähigkeiten, die im Motorsport zum Erfolg führen, ergänzt. Dazu zählt die richtige „Linie“ mit Brems-, Ein- und Auslenk-Punkten. Für Neerpasch war es daher nur folgerichtig, Börries von Breitenbuch als Trainingsleiter und Rauno Aaltonen als Chefinstruktor zu gewinnen.

Trainingsplan anno 1977: Ernährungstipps, Dauerlauf, Pannenhilfe.

Die personellen Weichen waren damit gestellt. Was folgte, war die Suche nach einem geeigneten Gelände, die Auswahl und Bereitstellung von Fahrzeugen und die Aufstellung eines Trainingsplans. Bei der Ausarbeitung der Lehrgangsprogramme wurden auch wissenschaftliche Erkenntnisse zugrunde gelegt, beispielsweise die Untersuchungen des Freiburger Sportmediziners Prof. Joseph Keul über Stresssituationen im Automobilsport und im Verkehrsalltag. Entsprechend vielfältig gestaltet sich der Trainingsplan. Vorträge über „Stress am Steuer“ und gesunde Ernährung sowie verkehrspsychologische Lektionen waren vor 30 Jahren fester Bestandteil jedes Lehrgangs. Ebenso gehörten gemeinsame Dauerläufe am frühen Morgen, Fitness-Übungen unter der Leitung eines Diplom-Sportlehrers und ein Pannenhilfe-Kursus zum Trainingsprogramm.

Während die Theorie-Schulung heute stärker auf Technik und Fahrphysik konzentriert ist, haben wichtige Prinzipien des Praxis-Unterrichts wie das Training auf abgesperrten Übungsarealen mit Fahrzeugen von BMW noch heute Bestand. Damit trainieren die Teilnehmer unter einheitlichen Bedingungen und müssen sich bei den Brems- und Schleuderübungen nicht um den Reifen- oder Bremsbelagverschleiß ihrer Fahrzeuge sorgen.


Debütjahr 1977 mit BMW 320i.

Im Debütjahr des Fahr-Sicherheitstrainings wurde eine Flotte von BMW 320i an den Start geschickt. Die 125 PS starken Fahrzeuge der ersten BMW 3er Generation waren mit einem speziell abgestimmten Fahrwerk, einer Differenzialsperre mit 40-prozentiger Wirkung sowie einem Sportschalensitz für den Fahrer ausgestattet. Seitdem hat der Fuhrpark deutlich an Umfang und Vielfalt gewonnen und ist auf mehr als 250 Automobile und 100 Motorräder angewachsen. Derzeit sind hauptsächlich BMW 130i, BMW 330i und MINI Cooper S im Einsatz, bei den M-Trainings zudem BMW M3 und BMW Z4 M Coupé. Für Offroad- und Winter-Trainings stehen darüber hinaus Fahrzeuge mit dem Allradsystem xDrive zur Verfügung. Beim BMW Kompakt-Training und beim BMW Motorrad Fahrer-Training kann auf Wunsch zum Teil auch das eigene Fahrzeug genutzt werden.

Innerhalb weniger Jahre wuchs nicht nur die Nachfrage, sondern auch die Vielfalt im Trainingsangebot rasant an. Schon in den 1980er Jahren nutzten mehr als 2 000 Fahrer die Möglichkeit, ihr fahrerisches Potenzial zu erweitern. In den 1990er Jahren wurde sowohl der Aufbau einer modularen Struktur von Lehrgängen mit unterschiedlich hohen Anforderungen als auch die Internationalisierung des Angebots forciert. Die Idee einer einheitlichen Instruktoren-Ausbildung wurde geboren und ist heute Garant für die international einheitlich hohen Standards der Trainingsangebote.

Stufe für Stufe zum Fahrkönner.

Bereits Mitte der 1990er-Jahre Jahre hatte sich die Systematik von aufeinander aufbauenden Lehrgängen etabliert. Das modular aufgebaute Trainingsprogramm ermöglicht es seither Fahranfängern ebenso wie Routiniers, im Umgang mit ihren Fahrzeugen stetig an Souveränität zu gewinnen, die Wahrnehmung für schwierige Situationen zu schärfen und das Reaktionsvermögen zu steigern. Die einzelnen Trainingsstufen sind so aufeinander abgestimmt, dass die Teilnehmer ihre Fähigkeiten Schritt für Schritt ausbauen und perfektionieren. Das heutige Angebot umfasst 23 BMW Lehrgänge, 4 MINI Trainings und 17 Angebote für Motorradfahrer.


Perfekte Bedingungen auf ausgewählten Flächen und Strecken.

Optimale Übungsbedingungen fanden und finden die Teilnehmer des BMW Fahr-Sicherheitstrainings von Beginn an auf abgesperrten und speziell präparierten Flächen. Zunächst wurden die Übungsparcours auf BMW eigenen Teststrecken sowie auf Flugplätzen abgesteckt. Mit dem Ausbau des Trainingsprogramms kamen weitere Standorte hinzu. Für die Kompakt- und Aufbau-Lehrgänge des BMW und BMW Motorrad Fahrer-Trainings sowie für das MINI Driver Training werden inzwischen ausgewählte Übungsgelände im gesamten Bundesgebiet genutzt. Darüber hinaus bilden mittlerweile internationale Formel-1-Rennstrecken sowie Übungsareale in Österreich und Schweden die Kulisse für Rundstrecken- und Winter-Trainings. Als perfektes Umfeld für intensives Lernen von Beginn an dient seit 1997 vor allem das BMW Fahrer-Trainings-Zentrum (FTZ) auf dem Gelände des Münchner Flughafens.

Am Anfang war der Sport: Vorläufer des Fahrer-Trainings.

Der sichere Umgang mit dem Automobil ist gerade auch im Motorsport der Schlüssel zum Erfolg. Nicht umsonst gilt auf der Rennstrecke ein kontrollierter – und damit sicherer – Fahrstil als wichtigste Voraussetzung für einen Platz in der ersten Startreihe. Und seit jeher vollzieht sich die Suche nach der Ideallinie zunächst bei gemäßigtem Tempo. „Sicherheit vor Schnelligkeit“ lautet die Trainingsmaxime. Unter dem gleichen Motto standen stets auch jene Lehrgänge, die BMW bereits lange vor dem Start des unternehmenseigenen Fahr-Sicherheitstrainings unterstützte. Schon 1958 kündigte BMW einen „Sport- und Rennfahrer-Lehrgang“ auf dem Nürburgring an. Initiiert wurde er vom Gau Hansa-Hamburg des ADAC, prominentester Lehrmeister war der Weltrekordfahrer und Grand-Prix-Sieger Hans Stuck mit einem Sportwagen vom Typ BMW 507.

Damals ging es ausdrücklich um die Förderung des Motorsport-Nachwuchses. Doch der Wunsch nach professioneller Unterweisung war bald auch bei Privatfahrern geweckt. Der Verband der BMW Clubs reagierte darauf mit der Einführung eines Fahrerlehrgangs. Im April 1964 hieß es erstmals „Besser fahren auf BMW“. In dieser „Fahrschule für Fortgeschrittene“, wie es in einer Ausschreibung hieß, wurden die Autofahrer mit den Möglichkeiten und Grenzen der Fahrdynamik vertraut gemacht, um später auch auf der Straße problematische Situationen erkennen und sicher meistern zu können. Mechaniker der BMW AG sorgten für die technische Unterstützung, erfahrene Motorsportler begleiteten die Teilnehmer auf dem Nürburgring, der dazu in mehrere Übungsabschnitte unterteilt wurde. Während des Trainings galt striktes Überholverbot, sportlicher Ehrgeiz war dennoch erwünscht. Allerdings ging bei der Suche nach der Ideallinie „Stil vor Geschwindigkeit“. So vergaben die Instruktoren Noten für das präzise Ansteuern und saubere Durchfahren von Kurven, für wohldosiertes Bremsen und gefühlvolle Spurwechsel.

Rauno Aaltonen: Fachmann für Theorie und Praxis.

Der enge Zusammenhang zwischen sportlicher Leistung und alltäglichem Können wird vor allem vom ersten Chefinstruktor des BMW Fahrer-Trainings verkörpert. Rauno Aaltonen, Rallye-Europameister und mehrfacher Gewinner der Rallye Monte Carlo, besaß schon in den 1970er-Jahren ein einzigartiges Einfühlungsvermögen nicht nur im Umgang mit seinen Fahrzeugen, sondern auch gegenüber seinen Schülern. Zwei Jahre nach dem Start des BMW Fahrer-Trainings fasste er dessen Inhalte auf ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Weise in einem Buch zusammen, das unter dem Titel „Revolution am Steuer“ erschien und innerhalb kürzester Zeit vergriffen war. Darin schreibt Aaltonen über die Motive eines Motorsportlers, Autofahrer für den Verkehrsalltag zu schulen: „Wer gewohnt ist, stets in extremen Situationen zu fahren, besitzt im normalen Verkehr entsprechend mehr Reserven. Reserven, die idealerweise eigentlich jeder Autofahrer in der Hinterhand haben sollte. Und genau dazu möchte ich mit diesem Buch, wie auch mit dem BMW Fahrer-Training beitragen. Wir wollen das System Fahrer/Fahrzeug/Umwelt nicht nur durch gute Autos sicherer machen, sondern auch durch bessere Fahrer.“

Aaltonens „Revolution“ bestand vor allem darin, die Verbindung zwischen fahrphysikalischen Gesetzmäßigkeiten und dem Verhalten eines Automobils auf der Straße verständlich und einprägsam zu erläutern. Anhand eines „Regelkreises“ zeigte er beispielsweise auf, wie sich das Wissen und Können des Fahrers, das Handling und die Leistung seines Fahrzeugs sowie die Umweltbedingungen wie Witterung und Straßenzustand gegenseitig bedingen und beeinflussen. Seine grundlegenden Betrachtungen beeinflussen bis heute den theoretischen Unterricht im Rahmen des BMW Group Fahrerlebnis.

Das Verkehrsgeschehen wandelt sich – und mit ihm das Training.

Die von Rauno Aaltonen in seinem Buch beschriebenen Übungen basieren auf den technischen Voraussetzungen der Fahrzeuge aus den 1970er-Jahren. Das Trainingsprogramm des BMW Group Fahrerlebnis wurde seitdem ständig aktualisiert und orientiert sich an gegenwärtigen Verkehrsverhältnissen und an der Technik moderner Fahrzeuge. Während die aktive und passive Sicherheit der Fahrzeuge erheblich zugenommen hat, blieben andere Risikofaktoren konstant. Ungeduld, das falsche Einschätzen von Bremswegen und die Belastung beim Fahren auf verstopften Hauptverkehrsadern konnte Aaltonen schon damals als Hauptursachen für Unfälle identifizieren. Vor allem die zunehmende Verkehrsdichte stellt Autofahrer heute sogar vor noch weitaus größere Herausforderungen als vor 30 Jahren.

Technik verstehen und beherrschen.

Erleichterung verschafft dagegen die Technik – vorausgesetzt, sie wird adäquat genutzt. In der Frühphase des Fahr-Sicherheitstrainings wurden Bremsmanöver noch unter gänzlich anderen Vorzeichen eingeübt als heute. Die Instruktoren rieten zu einem möglichst kraftvollen Tritt aufs Bremspedal. Dass die Räder dabei die Haftung verloren, wurde in Kauf genommen, weil beim so genannten Stotterbremsen schlichtweg zu viel Zeit und damit Bremsweg verloren ging. Heute gehört ein elektronisch gesteuertes Antiblockiersystem zur Serienausstattung von Fahrzeugen aller Klassen. Der Appell, möglichst intensiv und ohne zu zögern das Bremspedal zu betätigen, hat also immer noch seine Berechtigung. Dank moderner Technik ist das beherzte Manöver inzwischen jedoch deutlich wirkungsvoller. Kürzere Bremswege sind die Folge, das Fahrzeug bleibt dabei trotzdem lenkbar.

Fahrphysik bleibt elementar.

Auch das Eigenlenkverhalten der Fahrzeuge bei forcierter Kurvenfahrt wird heute von Assistenzsystemen beeinflusst, von denen in den 1970er-Jahren noch keine Rede sein konnte. Mit der Einführung der Dynamischen Stabilitätskontrolle (DSC) wird der Tendenz des Fahrzeugs zum Über- beziehungsweise Untersteuern mit radindividuellen Bremseingriffen sowie mit einer Reduzierung des Antriebsmoments frühzeitig entgegengewirkt. Im Trainingsprogramm der BMW Group hat dieses Kapitel dennoch nach wie vor seinen Platz, weil es elementar zum Verständnis fahrphysikalischer Gesetzmäßigkeiten beiträgt. Die Teilnehmer testen die Reaktion des Fahrzeugs sowohl mit ein- als auch mit ausgeschaltetem DSC System. Dabei gewinnen sie aufschlussreiche Erkenntnisse über das dynamische Verhalten des Fahrzeugs und über die Vorzüge moderner Systeme zur Fahrstabilitätsregelung. Innovationen werden auch in Zukunft nicht nur das Sicherheitspotenzial von Fahrzeugen der BMW Group, sondern auch das Trainingsprogramm des BMW Group Fahrerlebnis beeinflussen. Aktuelle Beispiele dafür sind die Dynamic Performance Control sowie eine zusätzliche Funktion für die Dynamische Stabilitätskontrolle, die zu einer weiteren Steigerung der Fahrstabilität, der Traktion und der Agilität beitragen.
__________________
Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist

Geändert von Martin (20.05.2007 um 10:24 Uhr)
Mit Zitat antworten