Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 24.01.2007, 19:53     #16
Hermann   Hermann ist offline
Senior Guru
  Benutzerbild von Hermann

Threadersteller
 
Registriert seit: 03/2001
Beiträge: 8.175

Aktuelles Fahrzeug:
E63 645Ci, E36 318i Cabrio, E39 523i Touring und Piaggio
Sebastian Vettel.

Kinderüberraschung.

Lebenslauf und Statistik. (PDF)


Auf den ersten Blick wirkt Sebastian Vettel eher wie ein Chorknabe denn wie ein knallharter Rennfahrer. Er hat dieses unschuldige Engelsgesicht, das ihn noch jünger als seine 19 Jahre erscheinen lässt. Der Eindruck täuscht. Vettel ist schnell und entschlossen. Als er im Sommer 2006 in die Formel 1 kam, hat ihn das Fahrerlager wie eine frische Brise dankbar eingesogen. Er machte Geschichte als jüngster Teilnehmer eines GP-Wochenendes, als ihn das BMW Sauber F1 Team am 25. August – ein paar Wochen nach seinem 19. Geburtstag – als Freitagsfahrer vor dem Großen Preis der Türkei einsetze. Ein anderer Rekord: Noch nie hat sich jemand so schnell einen F1-Strafzettel eingehandelt wie der Heppenheimer. Es dauerte nur neun Sekunden, und schon war er dran wegen Überschreitens des Tempolimits in der Boxengasse.

An jenem Freitag eroberte er die Formel 1 als Tagesschnellster im Sturm. Diejenigen, die den jungen Deutschen schon länger beobachtet hatten, waren nicht erstaunt ob dieses rasanten Aufstiegs. Seine Selbsteinschätzung über die Bedeutung dieser Rundenzeit blieb ehrlich: „Es wirkt logisch, zu denken, der schnellste Fahrer sei der beste. Aber es ist auch ein wichtiger Bestanteil des Freitagsprogramms, mit wenig Sprit und neuen Reifen zu fahren. Meine Aufgabe ist es, dem Team möglichst viele Informationen zu liefern. Wenn ich mich für top hielte, weil ich unter diesen Bedingungen vorn war, würde ich mir etwas vormachen. Am ersten Tag war fast immer einer der Freitagsfahrer Schnellster. Das sagt eigentlich alles.“

Frühe Siege.

Seit Vettel Helm und Overall trägt, gewinnt er Rennen. 1995 holte er seinen ersten Kart-Sieg in der Bambini-Klasse in Wittgenborn. 2001 wurde er europäischer und deutscher Junior-Kart-Meister, gewann außerdem die prestigeträchtigen Kartrennen in Monaco und Paris-Bercy, und als er 2003 in den Formelsport wechselte, gehörte er gleich wieder zum Kreis der Sieger. Er war 15 Jahre alt, als er seine erste Saison in der Formel BMW ADAC Meisterschaft begann. Am Ende des Jahres war er 16, Sieger des Rookie-Cups und Zweiter im Gesamtklassement.

2004, in seinem zweiten Jahr in der BMW Nachwuchsserie, holte er den Titel und stellte eine Rekordbilanz auf, die so schnell niemand überbieten wird: 18 Siege in 20 Rennen, 15 Polepositions, 16 schnellste Rennrunden, 387 von 400 möglichen Punkten. BMW erkannte sein Potenzial und nahm ihn, gemeinsam mit Red Bull, unter Vertrag. Für 2005 stand Vettels Aufstieg in die Formel 3 Euro Serie auf dem Programm.


Er ergänzte seine Vita um einen weiteren Rookie-Titel und wurde Fünfter der Meisterschaft. Sechs Mal stand er auf dem Podium – am Norisring, auf dem Nürburgring, in Zandvoort, auf dem EuroSpeedway Lausitz und in Hockenheim. Am 27. September 2005 ließ ihn BMW in Jerez erstmals einen Formel-1-Rennwagen steuern. Zum Saisonende stellte er sein Talent noch beim härtesten aller F3-Rennen unter Beweis: Er wurde Dritter in Macau.

2006 stellten sich in der Formel 3 die ersten Siege ein, Vettel gewann in Hockenheim, auf dem Nürburgring und in Barcelona. Allerdings lief in diesem Jahr nicht alles reibungslos. Er bestritt auch Läufe zur leistungsstärkeren World Series by Renault. Er gewann in Misano, hatte aber einen schweren Unfall Ende Juli in Spa. Herumfliegende Trümmerteile trennten ihm fast ein Stück seines Zeigefingers ab. Mehrere Wochen Rennpause drohten, doch Vettel stieg schon eine Woche später beim Formel-3-Masters in Zandvoort wieder ins Auto und schaffte zur Verblüffung seines Teamchefs Platz sechs.

Wenig später änderte sich für Vettel eine Menge. Das BMW Sauber F1 Team hielt nach einem Freitagsfahrer Ausschau, nachdem Robert Kubica ab dem Großen Preis von Ungarn ins Renncockpit befördert worden war. Vettel erhielt eine weitere Testchance, am 5. Juli in Jerez, und nutzte sie, um BMW Motorsport Direktor Mario Theissen davon zu überzeugen, dass er nicht länger suchen müsse. Bei den verbliebenen fünf GP der Saison 2006 machte der Youngster seine Arbeit so gut, dass das Team ihn kurz vor dem Finale in Brasilien als offiziellen Test- und Ersatzfahrer für 2007 bestätigte.

Sinn für Humor.

Während Vettel in Deutschland kein Unbekannter war, wussten die internationalen Formel-1-Journalisten wenig über ihn. Das änderte sich schnell. Ab seinem ersten Auftritt als Freitagsfahrer war der Abiturient Gesprächsthema im Fahrerlager. Die britischen Medien verliebten sich spätestens dann in seinen Humor, als er zugab, ein Fan der in Großbritannien populären TV Comedy „Little Britain“ zu sein, die Beatles als seine Lieblingsgruppe nannte und Monty Pythons „Das Leben des Brian“ zu seinem Lieblingsfilm erklärte. Seine selbstbewusste Art und die Fähigkeit, auch die forschendsten Fragen gestandener Journalisten zu beantworten, brachten ihm Respekt ein. Seine unerhörte Leichtigkeit machte ihn beliebt.

Interview.

Fragen an Sebastian Vettel:

Ab wann war Rennsport ein Thema für Sie?


Als ich dreieinhalb war, habe ich in unserem Hinterhof mit dem Fahren angefangen. Mit fünf Jahren durfte ich auf richtige Kartbahnen. Im März 1995 konnte ich in die Mini-Klasse einsteigen. Die Regel besagte, dass man das in dem Jahr darf, in dem man acht wird.

Fuhren andere Familienmitglieder Rennen?

Meine vier Jahre ältere Schwester Stephanie fuhr auch Kart, das war 1993 und ’94. Meine andere Schwester interessierte sich mehr für Pferde. Stephanie hat dann aufgehört, weil ich so viel fuhr, ständig fahren wollte und quengelte, wenn sie fuhr. Aber sie mag den Rennsport immer noch und kommt, um mir zuzusehen, wenn ich in Europa starte. Mein Vater ist natürlich auch sehr begeistert und hat viele Jahre damit verbracht, mich zu Rennstrecken zu kutschieren.

Wann haben Sie mit Fitnesstraining begonnen?

Das war, als ich zwölf war und von der Mini- in die Juniorklasse umgestiegen bin. Das war physisch ein großer Schritt, weil diese Karts viel mehr Leistung und bessere Reifen hatten. Also habe ich angefangen, mir über meine Fitness Gedanken zu machen. Ich habe mit einer Viertelstunde Laufen am Tag begonnen. Heute ist das etwas anderes. Fitnesstraining gehörte in der Formel BMW ADAC Meisterschaft zur Ausbildung, und als ich zu Red Bull kam, wurde mir auch ein gutes Programm angeboten. Mir ist bewusst, wie wichtig das ist.

Was haben Ihre Schulfreunde über Sie als Rennfahrer gedacht, und sind die anders, seit Sie in der Formel 1 sind?

Als ich in der Formel BMW fuhr, wussten sie nicht viel darüber. Dank Michael Schumacher ist die Formel 1 in Deutschland natürlich ein Thema. Da wissen alle genau, was passiert und fragen mich, wie es läuft. Aber sie behandeln mich nicht anders als früher. Ich habe in der Schule nie viel über die Rennerei gesprochen. Wenn ich gefragt wurde, habe ich erzählt, was ich tue. Aber ich habe keine große Sache daraus gemacht.

Hat Ihr Formel-1-Einstieg 2006 den Titel in der Formel 3 Euro Serie gekostet?

Definitiv nicht. Ich habe einige Fehler gemacht, und das war es dann. Ich war aggressiv unterwegs, um zu Paul di Resta aufzuholen. Und wenn du mit 120 Prozent unterwegs bist, passieren solche Dinge. Für mich war mein Fehler in Le Mans der entscheidende. Ich wollte nicht mit so einem großen Punkterückstand zum Finale nach Hockenheim fahren.

Sie sind erst 19, und Sie sind in der Formel 1. Hat sich damit ein Traum erfüllt? Und hatten Sie je einen Plan, wie Ihre ideale Karriere aussehen müsste?

Ja, ich hatte diesen Traum seit meiner Kindheit. Aber ich hatte nie eine Vorstellung, wie sich alles entwickeln könnte oder ob es überhaupt je passieren würde. Ich habe aber noch einen langen Weg zu gehen, um meinen Traum zu realisieren. Das ist jetzt mein Ziel.
__________________
Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist

Geändert von Wolfhart (10.06.2007 um 11:35 Uhr)
Mit Zitat antworten