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Alt 06.12.2006, 18:15     #2
Hermann   Hermann ist offline
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Rückblick – Porträt: Formel BMW Deutschland.

Rückblick: Formel BMW Deutschland 2006.

Der letztjährige Gewinner des Formel BMW Weltfinales, Marco Holzer (Bobingen), drückte dem ersten Rennwochenende der Formel BMW Deutschland 2006 seinen Stempel auf. Er machte dort weiter, wo er in Bahrain aufgehört hatte und feierte zwei Siege beim Saisonauftakt in Hockenheim. Zum Titelgewinn sollte es für Holzer jedoch nicht reichen. Die Meisterehren sicherte sich jener Fahrer, der ihm schon zu Saisonbeginn als Zweiter im Nacken saß: Christian Vietoris (Gerolstein). Bereits nach dem dritten Lauf auf dem Lausitzring übernahm der Nachwuchspilot die Meisterschafts-Führung – und gab sie bis zum Schluss nicht wieder ab. In 17 von 18 Saisonrennen fuhr Vietoris in die Punkteränge.

Dabei sammelte er 16 Podiumsplatzierungen und neun Siege. So war der Titelkampf bereits nach 15 Läufen zu Gunsten von Vietoris entschieden. „Diese Saison war der Wahnsinn“, meinte der 17-Jährige, nachdem er in Zandvoort als Meister feststand. Für das Team von Josef Kaufmann Racing war es nach dem Vorjahreserfolg von Nicolas Hülkenberg der zweite Champion-Titel in Folge. BMW Motorsport Direktor Mario Theissen sagte: „Christian Vietoris hat neun von 18 Rennen der Formel BMW Deutschland gewonnen. Er ist verdient Formel BMW Deutschland Meister geworden.“

Doch war es nicht nur die beeindruckende Leistung von Champion Vietoris, die 2006 für Aufsehen sorgte: Zahlreiche weitere junge Fahrer begeisterten die Zuschauer der Formel BMW Deutschland. Allen voran Mika Mäki (FIN), Stefano Coletti (MCO), Nick de Bruijn (NLD) und Martin Ragginger (AUT), die neben Holzer und Vietoris für die weiteren Siege 2006 sorgten. In der Rookie-Wertung lieferten sich Jens Klingmann (Heidelberg) und Philipp Eng (AUT) bis zum Saisonfinale auf dem Hockenheimring ein packendes Duell. Das glücklichere Ende hatte Klingmann für sich, der sich mit 24 Punkten Vorsprung den Titel als bester Neueinsteiger sicherte.

Ohnehin genoss die Formel BMW Deutschland in der abgelaufenen Saison großes Interesse. Sieben Veranstaltungen fanden im Rahmen der DTM statt, in Oschersleben traten die Talente im Rahmen der Tourenwagen-WM an. Der Highlight für viele der Teilnehmer war der Auftritt der Serie im Rahmen des Formel-1-GP auf dem Nürburgring. Dort stand Vietoris beide Male ganz oben auf dem Treppchen.

Sieger Formel BMW Deutschland 2006.

Für Christian Vietoris war die Formel BMW Saison 2005 noch lange nicht vorbei, als das letzte Rennen absolviert war. Im Gegenteil: Im Winter legte der 17. der vergangenen Meisterschaft noch einmal richtig los und sorgte früh für die optimale Vorbereitung auf das Jahr 2006. „Mein Schwerpunkt lag auf dem Ausdauertraining. Ich bin sechs Mal pro Woche mindestens eine Stunde Laufen gegangen“, meint Vietoris, der eine kaufmännische Ausbildung im elterlichen Unternehmen absolviert. Neben dem körperlichen Training bildete er sich auch in Sachen Renntaktik weiter. Gemeinsam mit den Teamchefs Josef und Lars Kaufmann vertiefte er sich stundenlang in die Datenanalyse. Sein akribisches Vorbereitungsprogramm auf die jeweiligen Rennen setzte Vietoris 2006 auch an der Strecke fort: Am Abend vor den Läufen schwang sich der amtierende Meister auf sein Fahrrad und radelte die Strecke ab. Die Schlüsselstellen notierte er auf einem „Spickzettel“. Den holte er dann kurz vor dem Rennen noch einmal hervor, um sich die zentralen Punkte genau einzuprägen. Eine Taktik, die sich letztlich als perfektes Erfolgsrezept herausstellte. Schließlich landete Vietoris in nahezu jedem Rennen auf dem Podium und sicherte sich vorzeitig den Meistertitel. Darüber hinaus eignete sich der 17-Jährige eine ganz besondere Entspannungstechnik an: Wurde es einmal gar zu hektisch, sah man ihn beim Jonglieren hinter dem Teamzelt. Diese Fertigkeitbeherrscht er beinahe genauso meisterhaft wie das Rennfahren. Beim DELL Formel BMW Weltfinal in Valencia konzentrierte er sich jedoch voll und ganz auf seine Arbeit im Cockpit. Mit Erfolg: Vietoris gewann und darf im kommenden Jahr einen Formel-1-Test absolvieren.

Als Jens Klingmann (Leimen) bei seinem Heimrennen auf dem Hockenheimring den Rookie-Cup der Formel BMW Deutschland unter Dach und Fach brachte, hatte er bereits zehn Jahre Motorsport-Erfahrung gesammelt. Doch ist Klingmann keineswegs der älteste Rookie-Cup-Sieger in der Geschichte der erfolgreichsten Nachwuchsrennserie der Welt. Der Gymnasiast aus Baden-Württemberg saß schon als fünfjähriges Kindergarten-Kind im Rennkart, mit dem er zum Entsetzen seiner Großeltern durch Tiefgaragen und über Bauernhöfe raste. Der Grund für seine ungewöhnliche Kurswahl? Klingmann fürchtete sich vor der Rennstrecke.

Heute kann der Elftklässler über seine damalige Angst nur lachen. Denn mittlerweile sind Klingmanns Wettkampfbahnen hochmoderne Rennstrecken auf denen unter anderem auch die Formel 1 gastiert. Sein Ziel ist daher die Königsklasse des Motorsports. „Das wäre natürlich die Erfüllung meines Traumes“, sagt Klingmann. Dass er das Zeug zum erfolgreichen Piloten hat, hat der 16-Jährige bereits bewiesen. In 18 Saisonläufen zählte Klingmann 15 Mal zu den schnellsten drei Rookies. Auch in der Gesamtwertung konnte der Fahrer vom Team Eifelland Racing vier Podiumsplatzierungen feiern.
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Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist

Geändert von Hermann (06.12.2006 um 18:17 Uhr)
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