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Alt 22.11.2006, 14:18     #1
Hermann   Hermann ist offline
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BMW FIA WTCC Saisonrückblick 2006

BMW und Andy Priaulx machen Double in der WTCC perfekt.

FIA WTCC – Fahrerwertung 2006 als PDF

FIA WTCC – Herstellerwertung 2006 als PDF


Andy Priaulx (GBR) vom BMW Team UK ist der alte und neue Tourenwagen-Weltmeister. In einem packenden Saisonfinale in Macau setzte sich der 32-Jährige gegen acht weitere Konkurrenten durch, die vor den beiden abschließenden Läufen ebenfalls noch die Chance auf den Fahrertitel hatten. Priaulx sicherte sich damit nach seinem WM-Triumph im Vorjahr zum zweiten Mal in Folge den Meistertitel in der FIA World Touring Car Championship (WTCC). Er ist zugleich der erste zweimalige Weltmeister im Tourenwagensport. Auch 1987, als erstmalig ein WM-Titel in dieser Disziplin vergeben wurde, gewann in Robert Ravaglia (ITA) ein BMW Pilot. Hinter Priaulx, der 73 Punkte sammelte machte BMW Team Germany Pilot Jörg Müller (Hückelhoven) als WM-Zweiter den Doppelerfolg perfekt. Auch den Herstellertitel konnte BMW verteidigen. Insgesamt errang die Marke mit dem neuen BMW 320si WTCC 254 Punkte und sicherte sich so den Spitzenplatz in der Herstellerwertung mit 19 Punkten Vorsprung auf SEAT.

BMW Motorsport Direktor Mario Theissen sagt: „Es ist für BMW ein großer Erfolg, zum dritten Mal in Folge den Herstellertitel gewonnen zu haben. Wir haben mit dem BMW 320si WTCC ein komplett neu entwickeltes Fahrzeug an den Start geschickt, das uns auf Anhieb den WM-Titel beschert hat. Gratulation an Andy Priaulx zur Titelverteidigung. Er hat in diesem Jahr erneut bewiesen, dass er im Tourenwagensport das Maß aller Dinge ist. Fünf Siege in dieser Meisterschaft zu feiern, ist eine herausragende Leistung.“

Starkes Gesamtergebnis der BMW Länderteams.

Erneut schickte BMW in der Saison 2006 drei Länderteams an den Start, die in der Königsklasse des Tourenwagensports um Punkte und Siege kämpften. Das BMW Team UK – RBM war für den Einsatz von Priaulx’ Auto verantwortlich. Einmal mehr erwies sich die eingespielte Mannschaft von Teamchef Bart Mampaey (BEL) als unbezwingbar. Beim Saisonfinale auf dem „Guia Circuit“ von Macau betreute RBM zusätzlich den BMW 320si WTCC von Jan Magnussen (DEN). Auch das BMW Team Germany – Schnitzer Motorsport kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Jörg Müller gewann vier WM-Läufe und belegte in der Fahrerwertung mit nur einem Punkt Rückstand auf den Weltmeister Platz zwei. Sein Teamkollege Dirk Müller (Burbach) feierte in Magny-Cours einen Sieg und wurde mit 54 Zählern WM-Sechster.

Beide Schützlinge von Teamchef Charly Lamm (Freilassing) hatten beim Showdown in Macau noch Titelchancen. Alessandro Zanardi (ITA) vom BMW Team Italy-Spain – ROAL Motorsport sorgte auch in der abgelaufenen Saison für zahlreiche „magische Momente“. In Istanbul feierte der beinamputierte Rennfahrer am Steuer eines modifizierten BMW 320si WTCC seinen zweiten Sieg in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft und stand insgesamt drei Mal auf dem Podium. Mit 26 WM-Punkten belegte Zanardi den elften Platz im Klassement. In der ersten Saisonhälfte war Marcel Costa (ESP) der zweite Fahrer vom BMW Team Italy-Spain unter der Regie von Teamchef Roberto Ravaglia. In Curitiba übernahm Duncan Huisman (NLD) das Auto von Costa. Schnell fand sich der Routinier zurecht und fuhr in Valencia und Macau jeweils als Zweiter auf das Treppchen. Huisman steuerte insgesamt 22 Punkte zum guten Gesamtergebnis der BMW Länderteams bei.

Gelungenes Debüt des BMW 320si WTCC.

In der Tourenwagen-Weltmeisterschaft 2006 waren die BMW Länderteams erstmals mit dem neuen BMW 320si WTCC unterwegs, der von BMW Motorsport in München auf Basis des gleichnamigen Serienmodells entwickelt wurde. Binnen neun Monaten entstand ein Fahrzeug, das sich von Beginn an als konkurrenzfähig erwies. Bereits beim WTCC-Saisonauftakt in Monza sicherte sich Priaulx die Poleposition und den Sieg im ersten Lauf. Im Verlauf des Jahres folgten acht weitere Triumphe. Mit dem Gewinn beider WM-Titel 2006 tritt dieses Fahrzeug auf Anhieb in die Fußstapfen seiner erfolgreichen Vorgänger der BMW 3er Reihe. Insgesamt stehen für BMW bis heute 24 EM-Titel im Tourenwagensport zu Buche. Auf WM-Niveau gingen bislang alle Titel nach München.

Mit dem 320si hat BMW seine Philosophie des Kundensports auch in dieser Saison fortgesetzt. Private Teams haben die Möglichkeit, ein Rennsport-Kit des BMW 320si WTCC zu erwerben und damit in insgesamt acht Meisterschaften weltweit nach Super2000- bzw. Super Production Reglement um Siege zu kämpfen. Die Nachfrage nach dem wohl sportlichsten Vertreter der neuen BMW 3er Reihe ist groß. Bislang wurden über 20 Rennsport-Kits an Kundenteams aus der ganzen Welt ausgeliefert.

Spannung bis zum letzten Rennen.

In ihrer zweiten Saison hat die WTCC 2006 Motorsport-Fans rund um den Globus begeistert. Nicht zuletzt aufgrund der Handicap-Gewichte und der umgekehrten Startreihenfolge im zweiten Rennen veränderte sich das Kräfteverhältnis im Saisonverlauf mehrfach und neun Piloten konnten sich beim Finale noch Hoffnungen auf den Titelgewinn machen. „Die Tourenwagen-WM ist weiter auf dem Vormarsch“, resümiert Theissen. „Das öffentliche Interesse ist ebenso gestiegen wie die Teilnehmerzahl. Ich erwarte, dass dieser Trend weitergeht. Die Rennen sind extrem spannend. Deshalb sind die Chancen gut, dass die Serie noch viel mehr Fans gewinnt, als sie schon heute hat.“

Die Rennen der FIA World Touring Car Championship im Überblick:

Monza.


Wie im Vorjahr beginnt die Tourenwagen-WM auch 2006 in Monza. Der neue BMW 320si WTCC besteht seine Feuertaufe bravourös: Titelverteidiger Andy Priaulx sichert sich auf dem „Autodromo Nazionale di Monza“ die Poleposition und gewinnt das ersten Rennen souverän. Dirk Müller sammelt als Vierter ebenso WM-Punkte wie Alessandro Zanardi, der Siebter wird. Der zweite Lauf des Jahres verläuft hingegen für die BMW Länderteams nicht nach Plan: Bereits in der dritten Runde scheiden Priaulx und Dirk Müller aus, wenig später müssen auch Marcel Costa und Jörg Müller das Rennen nach Kollisionen aufgeben. Alessandro Zanardi liefert sich auf Rang zwei einen harten Kampf mit dem Führenden Augusto Farfus (BRA/Alfa). Doch das Überholmanöver des BMW Team Italy-Spain Piloten in der vorletzten Runde missglückt, und auch er scheidet aus. Priaulx ist nach dem Saisonauftakt als Dritter der bestplatzierte BMW Pilot in der Fahrerwertung.

Magny-Cours.

In Magny-Cours zeigen sich die BMW Länderteams in starker Form. Zwei Doppelsiege und insgesamt 37 WM-Zähler stehen nach diesem Wochenende für das Quintett zu Buche. Dirk Müller gewinnt den ersten Lauf auf dem „Circuit de Nevers“ vor seinem Teamkollegen Jörg Müller. Auch im zweiten Rennen auf der 4,411 Kilometer langen Strecke erweist sich der BMW 320si WTCC als Maß aller Dinge: Nach seinem achten Rang in Lauf eins feiert Priaulx von der Poleposition seinen zweiten Saisonsieg. Jörg Müller kommt abermals als Zweiter ins Ziel. Damit verlässt BMW die französische Provinz als Spitzenreiter in der Herstellerwertung, Priaulx übernimmt bei den Fahrern Rang eins. Allerdings hat das gute Abschneiden für den BMW Team UK Piloten auch eine unliebsame Konsequenz. Beim Heimspiel in Brands Hatch muss er 70 Kilogramm Ballast zuladen.

Brands Hatch.

Dirk Müller ist erfolgreichster BMW Pilot bei der Premiere der WTCC in Brands Hatch. Der Deutsche sieht im zweiten Lauf als Sechster die Zielflagge und gewinnt damit drei Punkte. Lokalmatador Priaulx hat Pech: Im ersten Lauf fährt er zwar auf nasser Strecke erneut auf Platz acht und startet von der Poleposition ins zweite Rennen. Beim Re-Start nach an eine Safety-Car-Phase verliert er jedoch in Führung liegend die Kontrolle über sein Auto, rutscht ins Kiesbett und muss sich als Achter mit einem WM-Punkt zufrieden geben. Kein weiterer BMW Fahrer kann auf der Insel punkten.

Oschersleben.

Beim Heimspiel in Oschersleben kehrt BMW in die Erfolgsspur zurück. Priaulx sichert sich in der „Motorsport Arena“ nicht nur die zweite Poleposition des Jahres, sondern münzt sie in seinen dritten Saisonsieg um. Im ersten Lauf verweist er seinen Markenkollegen Dirk Müller auf den zweiten Rang. Als Siebter verschafft sich Jörg Müller eine glänzende Ausgangsbasis für das zweite Rennen – und nutzt sie. Bereits am Start eroberte er die Führung und gab sie bis zum Ende nicht mehr ab. Nach Priaulx und Dirk Müller ist er der dritte BMW Pilot, der 2006 einen WM-Lauf für sich entscheidet. Obwohl er in Oschersleben sieglos bleibt, ist Dirk Müller der erfolgreichste Fahrer des Wochenendes und macht in der WM einen Sprung nach vorn. Er fährt als Dritter auch in Lauf zwei auf das Podium. Priaulx kommt zwar nur als Zehnter ins Ziel, übernimmt aber mit nun 33 Punkten wieder die Gesamtführung. Dirk Müller ist Dritter. In der Herstellerwertung liegt BMW wieder vor SEAT.

Curitiba.

Auch im Verlauf des ersten Übersee-Wochenendes der WTCC im brasilianischen Curitiba bleibt Priaulx seiner neuen Marschroute treu: Er beendet den ersten Lauf als Achter und triumphiert im zweiten Rennen. Dank seines vierten Saisonerfolgs festigt er den Spitzenplatz in der Weltmeisterschaft. Erstmals in diesem Jahr kann auch Zanardi auf dem Siegertreppchen feiern. Der BMW Team-Italy-Spain Pilot startet zwar als Letzter in das erste Rennen, zeigt aber eine beeindruckende Aufholjagd, die mit Platz drei im letzten Lauf der ersten Saisonhälfte belohnt wird. Duncan Huisman, der erstmals für Costa zum Einsatz kommt, verpasst die Punkteränge ebenso wie Dirk Müller. Jörg Müller sammelt als Siebter in Lauf zwei WM-Zähler. BMW belegt bei den Herstellern mit 126 Punkten Platz zwei.

Puebla.

Priaulx ist in Puebla der erste WTCC-Pilot, der mit dem maximalen Handicapgewicht von 80 Kilogramm antritt. Allerdings gerät das Geschehen auf dem „Autodromo Miguel E. Abed“ zunächst in den Hintergrund. Gefährliche Risse im Asphalt sorgen für Diskussionen. Nach Ausbesserungen an der Strecke finden die WTCC-Läufe elf und zwölf wie geplant statt. Dirk Müller beweist trotz der schwierigen Bedingungen in Mexiko kühlen Kopf und fährt zwei Mal in die Top-Sechs. Seine acht gewonnen WM-Punkte bringen ihn in der Fahrerwertung wieder näher an die Spitze heran. Neben Dirk Müller nimmt auch Priaulx als Siebter im zweiten Rennen Punkte mit – und das, obwohl er mit dem höchsten Ballast im Feld vom letzten Platz startet.

Brünn.

In Brünn wollen die BMW Länderteams die Führung in der Fahrer- und der Herstellerwertung zurückerobern – und erfüllen diese Mission. Auf dem „Automotodrom Brno“ sichert sich Jörg Müller im ersten Lauf den zweiten Sieg 2006. An seinem 37. Geburtstag gewinnt der BMW Team Germany Fahrer vor Zanardi, der seinerseits sein bestes Saisonergebnis feiert. Aber auch Priaulx erringt im ersten Rennen als Fünfter vier wertvolle WM-Punkte. Für den 32-Jährigen kommt es im zweiten Lauf noch besser. Er wird Zweiter und fährt zum fünften Mal in diesem Jahr auf das Podest. Aber auch die anderen BMW Hoffnungsträger im Titelkampf punkten: Jörg Müller wird Vierter und rundet so seine starke Vorstellung in Brünn ab, Dirk Müller belegt Platz fünf. Da seine direkten Konkurrenten um die WM-Führung ohne Punkte bleiben, setzt sich Priaulx mit nun 58 Zählern an der Spitze der Fahrerwertung ab. Sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten James Thompson (GBR/SEAT) beträgt neun Zähler. Jörg Müller und Dirk Müller befinden sich auf den Plätzen vier und sechs ebenfalls weiter in Schlagdistanz. Auch in der Herstellerwertung liegt BMW (170) wieder mit einem Punkt Vorsprung auf SEAT in Führung.

Istanbul.

Auf der Grand-Prix-Strecke von Istanbul erleben die Zuschauer nicht nur zwei völlig unterschiedliche Läufe, sondern auch einen strahlenden Alessandro Zanardi. Der Fahrer vom BMW Team Italy-Spain macht bereits im Qualifying auf sich aufmerksam und sichert sich kurz bevor der Regen einsetzt den zweiten Startplatz – und zugleich das beste Quali-Ergebnis seiner WTCC-Laufbahn. Auch im ersten Rennen läuft es für den Routinier gut. Er überholt am Start Rickard Rydell (SWE/SEAT) und verteidigt die Führung bis ins Ziel. Sein Jubel über den zweiten Triumph in einem WM-Rennen ist überschwänglich. Huisman macht als Fünfter das starke Gesamtergebnis der Mannschaft von Teamchef Roberto Ravaglia perfekt und gewinnt erstmals in diesem Jahr WM-Punkte. Als Vierter kann sich auch Dirk Müller über einen erfolgreichen ersten Lauf freuen. In der Pause zwischen den beiden Rennen fegt ein Gewitter mit heftigen Regenfällen über den „Istanbul Speed Park“ hinweg. Kurve neun steht kurzzeitig komplett unter Wasser. Nach einer langen Startverzögerung erringt Dirk Müller als Siebter zwei Punkte, sein Teamkollege Jörg Müller wird Achter. Ein Wochenende zum Vergessen erlebt hingegen Priaulx, der zum zweiten Mal ein Handicapgewicht von 80 Kilogramm an Bord hat. In beiden Rennen verhindern Kollisionen ein gutes Ergebnis. Dennoch bleibt er in der Fahrerwertung vorne, während BMW wieder SEAT den Vortritt lassen muss.

Valencia.

Die beiden letzten WTCC-Läufe der Saison auf europäischem Boden wirbeln die WM-Wertung noch einmal kräftig durcheinander. Spitzenreiter Priaulx scheidet nach einem Zusammenstoß mit Gabriele Tarquini (ITA/SEAT)) in Rennen eins bereits in der ersten Kurve aus. Überraschend fährt Privatfahrer Luca Rangoni (ITA) im BMW 320si WTCC vom Proteam Motorsport als Zweiter auf das Treppchen. Dahinter nehmen Jörg Müller als Sechster und der Siebtplatzierte Huisman Punkte mit. Dieses Duo ist es auch, das dem zweiten Lauf seinen Stempel aufdrückt. Jörg Müller überquert zum dritten Mal in dieser Saison als Sieger die Ziellinie, Huisman freut sich dahinter über seine erste Podestplatzierung 2006. Rangoni vervollständigt als Dritter den BMW Dreifach-Triumph. Auf Rang sieben gewinnt Dirk Müller zwei Punkte. Priaulx verbessert sich vom 23. noch auf den achten Platz. In der Fahrerwertung übernimmt Farfus mit 60 Zählern die Führung, dahinter folgen Priaulx und Jörg Müller punktgleich auf den Positionen zwei und drei. Dirk Müller hat als Sechster mit 53 Zählern ebenfalls noch Chancen auf den Titel. Insgesamt neun Fahrer können beim Saisonfinale in Macau noch Weltmeister werden. Nach einem weiteren Führungswechsel liegt BMW (221) in der Hersteller-WM nun zehn Punkte vor SEAT.

Macau.

Im Verlauf des letzten Rennwochenendes des Jahres beweist Priaulx einmal mehr seine Klasse. Im Qualifying erreicht er wie schon 2005 die Bestzeit – und hat als Pole-Sitter die bestmögliche Ausgangslage für den ersten Lauf. Im ersten Rennen nutzt er diesen ersten „Matchball“ eindrucksvoll um und erringt einen Start-Ziel-Sieg ein. Dirk Müllers Titeltraum zerplatzt schon in der ersten Runde, als er von hinten angeschoben wird und sich daraufhin mit Rang 14 zufrieden geben muss. Jörg Müller wird hingegen Sechster und sitzt dem Titelverteidiger weiter im Nacken. Gleiches gilt für Farfus, der Fünfter wird. Huisman fährt als Zweiter zum zweiten Mal in dieser Saison auf das Podium. Von neun Piloten haben nur noch drei die Chance auf den Titel. Das zweite Rennen ist ein echter Thriller. Priaulx muss bei einem Sieg von Jörg Müller mindestens Sechster werden, um den Titel erneut zu erringen. Und der Fahrer vom BMW Team Germany macht es dem Champion nicht leicht: Jörg Müller verbessert sich am Start vom dritten auf den ersten Platz und verteidigt die Führung bis ins Ziel. In einem turbulenten Rennen, das mehrere Runden lang von einer Safety-Car-Phase unterbrochen wird, hält Priaulx jedoch dem Druck stand und kommt als Fünfter ins Ziel. Diese vier Punkte genügen, um Jörg Müller in der WM-Wertung mit einem Punkt Vorsprung auf Rang zwei zu verweisen. Farfus scheidet früh aus und kann Priaulx den Titel ebenfalls nicht streitig machen. In der Herstellerwertung setzt sich BMW noch einmal deutlich von SEAT ab und feiert mit insgesamt 254 Punkten und einem Vorsprung von 19 Zählern den Gewinn des Herstellertitels.

Porträt: Tourenwagen-Weltmeister Andy Priaulx.

Andy Priaulx ist nicht bloß ein schneller Fahrer. Er ist auch ein Taktiker. Und das selbst während des Rennens. Blitzschnell kann der 32-Jährige seine Strategie den Gegebenheiten auf der Strecke anpassen und auf veränderte Situationen reagieren. Auf diese Weise gelang es ihm 2005, in 16 von 20 WTCC-Läufen Punkte zu sammeln. Diese Konstanz wurde am Ende mit dem Tourenwagen-Weltmeistertitel belohnt. Die abgelaufene Saison nahm Priaulx mit einer neuen Taktik in Angriff. Ihm war klar, dass er aufgrund des erhöhten Zusatzgewichts von bis zu 80 Kilogramm darum gehen würde, mit geringem Ballast so viele Punkte wie möglich zu sammeln und voll auf Sieg zu fahren.

Bereits beim Saisonauftakt in Monza setzte der Pilot von der Kanalinsel Guernsey sein Vorhaben in die Tat um. Er fuhr im neuen BMW 320si WTCC auf die Poleposition und sicherte sich den Sieg im ersten Rennen. Insgesamt vier weitere Triumphe in Magny-Cours, Oschersleben, Curitiba und Macau folgten. Nicht selten machte sich Priaulx dabei die umgekehrte Startreihenfolge im zweiten Rennen zunutze. Es galt, mit mittlerweile mehr Zusatzgewicht an Bord den achten Platz im ersten Lauf zu sichern, um dann von der Poleposition in Rennen zwei das Tempo zu diktieren. So entwickelte sich Priaulx 2006 vom konstanten Punktesammler zum Seriensieger. Kein Pilot gewann mehr Läufe als der Fahrer vom BMW Team UK.

Priaulx kann auf eine Bilderbuch-Karriere im Tourenwagensport zurückblicken. 2002 bestritt er in der Britischen Tourenwagenmeisterschaft (BTCC) seine erste komplette Saison und feierte auf Anhieb einen Sieg sowie drei Polepositions. Im folgenden Jahr startete er mit einem BMW 320i erstmals für das BMW Team Great Britain in der Europameisterschaft. Bis zuletzt kämpfte er um den Titel und beendete die Saison schließlich auf dem dritten Platz. 2004 folgte der Titelgewinn in der FIA ETCC, ein Jahr später beerbte er Robert Ravaglia als Tourenwagen-Weltmeister.

Wenn er nach dem Training oder nach dem Qualifying zu seiner RBM-Mannschaft in die Box zurückkehrt, sieht Priaulx seine Arbeit noch lange nicht als erledigt an. Stundenlang brütet er mit seinem Renningenieuren und Teamchef Bart Mampay über den Telemetriedaten. Akribisch arbeitet er daran, das Auto noch besser zu machen. Dieser Aufwand hat sich auch 2006 gelohnt: So war das Team schon früh in der Lage, den BMW 320si so abzustimmen, dass Priaulx auch mit viel Handicapgewicht schnelle Zeiten erreichen konnte. Ein unschätzbarer Vorteil.

Abschalten kann Priaulx nur im Kreise seine Familie. Seine Frau Joanne ist bei den meisten Rennen dabei und freut sich über jeden Sieg ihres Mannes als wäre es sein erster. „Aber selbst, wenn ich mit meiner Frau zuhause sitze und wir aufs Meer blicken“, sagt Priaulx, „grübele ich manchmal über Verbesserungen an meinem Auto nach.“ Das macht den Tourenwagen-Weltmeister aus.

Porträt Andy Priaulx als PDF

Porträt: BMW Team UK – RBM.


Das BMW Team UK – RBM stellt in Andy Priaulx zum zweiten Mal in Folge den Tourenwagen-Weltmeister. Einmal mehr hat die eingeschworene Mannschaft von Teamchef Bart Mampaey gezeigt, dass sich auch ein Team, das nur ein Auto an den Start schickt, in der FIA World Touring Car Championship ganz vorne stehen kann. RBM ist im Verlauf der vergangenen Jahre immer stärker geworden und hat Erfahrungen gesammelt, die das Team in erstklassige Ergebnisse auf der Rennstrecke ummünzen konnte.

Sein Debüt in einer offiziellen FIA Tourenwagenmeisterschaft feierte das im belgischen Mechelen beheimatete RBM-Team 2002 im Rahmen der ETCC. Damals waren Mampaeys Ingenieure für den Einsatz von Fredrik Ekbloms (SWE) BMW 320i verantwortlich, der die Fahnen vom BMW Team Belgium vertrat. Ein Jahr später stieß Priaulx zum Team, das fortan unter dem Banner von BMW Team Great Britain um Punkte und Siege kämpfte. Und das mit großem Erfolg: Bereits in seinem Debüt-Jahr gewann Priaulx drei EM-Rennen. 2004 setzte er sich die europäische Tourenwagen-Krone auf und ließ 2005 mit dem BMW Team UK den WM-Triumph folgen.

Teamchef Mampaey hat seinen Rennstall binnen kürzester Zeit an die Spitze des internationalen Tourenwagensports geführt. Der Erfolg des Belgiers kommt nicht von ungefähr. Sein Vater Julian betrieb in den 70er und 80er Jahren das Juma Racing Team, das mit BMW unter anderem drei Mal bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps siegte. Mampaey junior war immer dabei und lernte früh, wie ein Rennstall geführt werden muss, um erfolgreich zu sein. 1998 feierte er mit dem RBM-Team in Spa seinen ersten großen Erfolg. Nach weiteren Stationen in der FIA GT-Meisterschaft, der American Le Mans Series, Schnitzer Motorsport und Ravaglia Motorsport schickte Mampaey 2002 schließlich sein eigenes ETCC Team ins Rennen.

Der Zusammenhalt und das freundschaftliche Verhältnis unter den Teammitgliedern ist eine der Stärken von RBM. Das weiß auch Priaulx. „Unter keinen Umständen hätte ich die Erfolge der vergangenen Jahre ohne diese Jungs erreichen können“, meint er. „RBM hat die Messlatte für die anderen Teams sehr hoch gelegt. Nur mit einer starken Mannschaft im Rücken kann man in der WTCC Erfolg haben.“

Priaulx und Mampaey bilden ein perfektes Gespann. Beide sind akribische Arbeiter, die erst dann zufrieden sind, wenn alle Probleme behoben und alle Herausforderungen erfolgreich gemeistert wurden. Dass diese Herangehensweise Früchte trägt, hat das BMW Team UK – RBM in der abgelaufenen Saison einmal mehr unter Beweis gestellt.

Porträt: BMW Team UK – RBM als PDF

Vom sportlichen Serienmodell in die WTCC: der BMW 320si.


Der BMW 320si WTCC hat seine Feuertaufe in der Tourenwagen-WM mit Bravour bestanden. Mit diesem von BMW Motorsport auf Basis des gleichnamigen Sondermodells entwickelten Rennwagen konnten die BMW Länderteams sowohl den Fahrer- als auch den Herstellertitel verteidigen. Die Motorsport-Version setzt auf einem Serienfahrzeug auf, das den Ingenieuren eine exzellente Ausgangsbasis für die Entwicklung des Tourenwagens geboten hat. „Das Grundkonzept, das dem BMW 320si zugrunde liegt, eignet sich hervorragend dafür, dieses Auto auch auf der Rennstrecke einzusetzen“, sagt BMW Motorsport Direktor Mario Theissen.

Dank des hochdrehenden Vierzylinder-Motors, der bis zu 8 000 U/min erreicht, einer kurzen Hinterachsübersetzung (4,10) und dem M Sportfahrwerk mit 18-Zoll-Mischbereifung lässt sich der BMW 320si schon in der Serienversion sehr sportlich bewegen. Den rund 40 Mitarbeitern von BMW Motorsport, die an der Entwicklung des neuen WTCC-Rennwagens beteiligt waren, ist es gelungen, die Fahreigenschaften des Autos für den Einsatz auf der Rennstrecke noch einmal zu verbessern.

Detailverbesserungen für den Renneinsatz.

Das Auto weist im Vergleich zu seinem erfolgreichen Vorgänger, dem BMW 320i, eine deutlich höhere aerodynamische Effizienz auf. Zugleich verfügt das Weltmeister-Auto von 2006 über ein breiteres und strafferes Fahrwerk. Eine Herausforderung für die Ingenieure war die Anpassung der Hinterachse des BMW 320si für den Einsatz auf der Rennstrecke. Die Fünf-Lenker-Achse weist gegenüber der Serienversion eine vergrößerte Spurweite und einen vergrößerten Radsturz auf. Es wurde ein neuer Hinterachs-Stoßdämpfer entwickelt, der eine fünffache Dämpferverstellung ermöglicht. Zudem konnten die Achsträger und bestimmte Anlenkpunkte optimiert werden.

Neuerungen gab es auch bei der Pedalerie. Im BMW 320si WTCC bedienen die Piloten das Fahrzeug über eine stehende Pedalerie, die fest auf einer Platte im Fußraum montiert ist. Diese ist je nach Größe des Fahrers verstellbar. Auf diese Weise konnte der Schwerpunkt des Autos weiter abgesenkt werden. Naturgemäß spielt darüber hinaus die Gewichtsreduzierung bei der Entwicklung eines Rennwagens eine bedeutsame Rolle. Allein drei Kilogramm haben die Ingenieure in diesem Zusammenhang durch den Einsatz einer neuen Frontscheibe, die aus dem Spezial-Kunststoff Makrolon gefertigt wird, gewonnen.

Sicherheit im Cockpit, Innovation beim Getriebe.

Der BMW 3er gilt als äußerst sicheres Auto – und der 320si legt die Messlatte noch einmal höher. Das gilt sowohl für die aktive als auch die passive Sicherheit. Hinzu kommen jene Elemente, die das Reglement für die Rennversion vorschreibt. So wird auch im BMW 320si eine Stahl-Sicherheitszelle eingesetzt. Dabei profitierte BMW Motorsport bei der Entwicklung davon, dass es als Berechnungsinstitut für Sicherheitszellen von der FIA zertifiziert ist. Außerdem sind die Fahrer durch weitere Komponenten wie den Sicherheitssitz, den Head-and-Neck-Support (HANS), Crash-Pads in den Türen und Energie absorbierende Schäume geschützt. 2006 starteten die BMW 320si mit einem für den Renneinsatz optimierten Fünfgang-Getriebe mit H-Schaltung und mechanischem Sperrdifferenzial. Mit Hilfe von integrierten Dehnmessstreifen am Schalthebel wird dabei ein Kraftsignal ermittelt. Je nach individueller Konfiguration dieses Quick-Shift-Systems erfolgte beim Gangwechsel eine Zündausblendung, die das Kuppeln unnötig macht.

Neuentwicklungen für den Erfolg auf der Strecke.

Im BMW 320si WTCC kommt erstmalig ein CAN Bus System zum Einsatz. Darüber kontrolliert das neu entwickelte Leistungssteuergerät POWER400 alle Aktuatoren im Auto, wie z. B. Licht, Wischer, etc. Die herkömmliche Relais- und Sicherungstechnik entfällt. Eine erhebliche Gewichtsersparnis, geringere Fehleranfälligkeit und leichtere Bedienung sind die Resultate dieser Neuerung. Vorteile hinsichtlich variabler Schaltzeiten und der Motorkennfeld-Umschaltung versprechen sich die Ingenieure vom neuen Motorsteuergerät ECU404, einer weiteren Eigenentwicklung von BMW Motorsport. Auch die Software und die Bedienoberfläche dieses Geräts stammen von den Experten in München. Die Karosserie des BMW 320si WTCC entstand im BMW Werk Regensburg. Nur einen Steinwurf von den Fertigungsanlagen für die Serienproduktion entfernt werden die Rohkarossen für den Einsatz in der WTCC vorbereitet. Im Verlauf des Entwicklungsprozesses erhielt BMW Motorsport tatkräftige Unterstützung von den Ingenieuren aus der Serienfertigung. So trugen die Nutzung des Windkanals, des Pendelprüfstands zur Ermittlung des Fahrzeugschwerpunkts und des Getriebeprüfstands maßgeblich zur raschen Entwicklung bei.

Der BMW P45 Motor.

Der Zweiliter-Vierzylinder-Motor mit dem Namen BMW P45 ist das kraftvolle Herz des BMW 320si WTCC. Er ist leichter und kürzer als sein Pedant mit sechs Zylindern und bietet bei der vom Reglement vorgeschriebenen Höchstdrehzahl von 8 500 U/min ein weitaus günstigeres Drehmoment, ohne jedoch an Leistung zu sparen. Der BMW P45 Motor leistet etwa 275 PS und bewegt sich damit auf demselben Niveau wie sein Vorgänger. Der Motor ist weiter hinten im Fahrzeug angeordnet, was wiederum die Schwerpunktlage des BMW 320si verbessert.

Synergien auch im Motorenbau.

Auch hinsichtlich des Motors setzt der BMW 320si auf dem sportlichen und innovativen Serienkonzept auf. Der N45 Motor, der im Sondermodell 320si für 173 PS bei 7 000 U/min sorgt, ist das erste Serienaggregat mit Zylinderkopfhaube und integrierter Ölabscheidung aus Karbon. Beim Design griffen die Motorenentwickler auf eine konventionelle Ventilsteuerung mit zwei oben liegenden Nockenwellen, Schlepphebeln und vier Ventilen pro Zylinder zurück. Durch den Entfall zahlreicher bewegter Bauteile garantiert der Ventiltrieb sowohl im Editionsmodell als auch im Renneinsatz eine hohe Steifigkeit und Präzision selbst bei hohen Drehzahlen.

Nach Modifikationen durch die Ingenieure von BMW Motorsport wurde das Aggregat auf den modernen Prüfständen im BMW Werk München auf Herz und Nieren geprüft. Anschließend musste sich das Fahrzeug auf dem Rollenprüfstand bewähren. Dort wurden die mechanischen Leistungsverluste des Antriebsstrangs bestimmt. Anhand der gesammelten Daten arbeiteten die Ingenieure an weiteren Detailverbesserungen.

Wie der Serienmotor wird auch der BMW P45 in Landshut gegossen. Sein Zylinderkopf ist eine komplette Neukonstruktion. Die Gussrohlinge dafür entstehen in der Landshuter Formel-1-Gießerei. Computergesteuerte Werkzeugmaschinen bearbeiten die Ein- und Auslasskanäle sowie die Brennräume mit höchster Präzision und Oberflächengüte. Dies führt zusammen mit den größeren Ventilen und den angepassten Flanschkonturen auf der Ein- und Auslassseite für die optimale Gemischbildung. Spezielle Zündkerzen leiten schließlich, von Einzelzündspulen gesteuert, die Verbrennungsvorgänge ein. Formel-1-Technologie verbirgt sich aber auch in anderen Motorkomponenten, wie zum Beispiel den Schlepphebeln. Sie werden nach einem Verfahren beschichtet, das speziell für die BMW Formel-1-Motoren entwickelt wurde.
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Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
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