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Alt 21.11.2006, 18:08     #5
Hermann   Hermann ist offline
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Legenden um eine Legende.

Der erste war Lord Snowdon: Ihm, einem Freund von Alec Issigonis, gebührt die Ehre, den MINI Classic in der Londoner Society salonfähig gemacht zu haben. Als einer der ersten Käufer fegte er, begeistert von den kompakten Abmessungen und dem hervorragenden Handling, durch die britische Hauptstadt. Als Ehemann von Prinzessin Margaret machte er seinen Einfluss geltend, dass Issigonis die Chance bekam, seiner Schwägerin Queen Elizabeth den Kleinwagen vorzuführen. Als sie persönlich neben Issigonis Platz nahm und sich eine Runde durch den großen Park von Schloss Windsor chauffieren ließ, hatte der MINI Classic den Durchbruch geschafft.

Nobeltrimm: Im „Wickerwork“-Look.

Nicht lange nach Lord Snowdon kam Peter Sellers, einer der großen englischen Schauspieler, in den frühen 60er Jahren auf den Geschmack des MINI Classic. Er begründete einen neuen Trend, indem er den ursprünglich spartanischen Kleinwagen innen fein ausstatten ließ und dies äußerlich durch einen Karosserieüberzug mit dem Aussehen eines Korbgeflechtes dokumentierte. Dieses Design gefiel Jahre später wiederum dem monegassischen Regenten so gut, dass sich Rainier von Monaco ebenfalls einen MINI Classic im sogenannten „Wickerwork“-Trimm anfertigen ließ.

Peter Sellers Faible für den MINI Classic ging freilich noch weiter: Er ließ sich nicht nur eines seiner Lieblingsautos mit einer am Dach angeschlagenen Heckklappe ausrüsten, sondern beschenkte über die Jahre auch seine Lebensgefährtinnen mit sehr individuell veredelten MINI Classics. Das Beispiel machte Schule und es ist nicht bekannt, ob die 20 000 Pfund Sterling, die ein arabischer Liebhaber in seinen MINI Classic investierte, die Spitze der Individualisierung war.

Für Einsteiger: Niki Lauda begann auf einem MINI Classic.

Nach seiner sportlichen Blitzkarriere, die in dem Sieg bei der Rallye Monte Carlo 1964 gipfelte, diente der MINI Classic zahllosen Rennfahrern als Einstiegsauto. Darunter waren auch einige, die später zu Weltruhm kamen. Einer von ihnen heißt Niki Lauda. In einem Interview erinnerte er sich: „Der Cooper S hatte ein phantastisches Image bei meinesgleichen, das war zwei, drei Jahre zuvor durch die Monte Carlo-Siege ausgelöst worden. Ich sehe noch die Bilder vor mir mit den tausend Scheinwerfern und den Lederriemen an der Motorhaube. Dass ein derartiges Auto Monte Carlo gewinnen konnte, das war einfach riesig. Und als ich das Auto dann selbst hatte, war Platz genug für meine Begeisterung. Es ließ sich so leicht, so problemlos fahren, so direkt und so schnell, es war herrlich.“ Kurz darauf gewann Lauda sein erstes Bergrennen auf seinem MINI Classic, der Rest seiner Karriere ist Legende.

Der Star: Drei MINI Classic erledigten den „Italian Job“.

Niemand weiß, wie oft der MINI Classic in Film und Fernsehen als Komparse oder Staffage eingesetzt wurde. Aber er ist eines der ganz wenigen Automobile, die auch Hauptrollen spielten. So in dem 1969 mit Michael Caine gedrehten Klassikers „The Italian Job“. Der Streifen drehte sich praktisch nur um ein Thema, nämlich eine wilde Verfolgungsjagd mit drei Mini Cooper durch die italienische Stadt Turin. Gleich nach der Filmpremiere legte Rover eine Sonderserie auf, die wie die Filmstars dekoriert waren und auch den Filmtitel trugen.

Der Über-MINI: Twini mit zwei Motoren.

Und der MINI Classic war natürlich ein willkommenes und teils exzessiv bearbeitetes Tuning-Objekt: Sechszylinder- oder Turbomotoren fanden sich unter der Haube, brettharte Fahrwerke, es gab nichts, was es nicht gab. Die Krönung allerdings schuf Alec Issogonis selbst: 1963 hatte er auf der Basis eines Moke Prototyps den Twini gebaut – mit zwei Motoren. Vorn arbeitete ein Vierzylinder mit 950 Kubikzentimetern Hubraum, im Heck trieb ein 850er Basismotor zwei Achswellen zu den Hinterrädern an. John Cooper übernahm die Weiterentwicklung und stellte einen MINI Classic mit zwei 1275er Motoren auf die Räder, die zusammen rund 180 PS entwickelten. Dieses Auto war wiederum die Vorlage für einen Renn-Twini, den BMC auf der Targa Florio, dem berühmten Rundstreckenrennen auf Sizilien einsetzen wollte. Der zweimotorige Renner erreichte zwar hervorragende Rundenzeiten, doch nach kurzer Distanz fiel der hintere Motor aus und der Über-MINI blieb sieglos.
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Viele Grüße Hermann

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