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Alt 23.09.2006, 17:06     #62
Hermann   Hermann ist offline
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BMW Sauber F1 Team - GP China - Vorschau

München/Hinwil, 22. September 2006. Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2006 startet zum Endspurt: Noch drei Grands Prix stehen an: China und Japan im Doppelpack (1. und 8. Oktober), und dann fällt 14 Tage später in Brasilien die letzte Flagge für diese Saison.

Die Austragungsorte haben wenig gemeinsam. So beengt es in Japan und Brasilien zugeht, so leicht kann man sich in den Weiten des Shanghai International Circuit verlaufen. Die Anlage am Rande der führenden Industriestadt Chinas ist riesig. Die Streckenführung phantasie- und anspruchsvoll.

Das BMW Sauber F1 Team ist mit den beiden F1.06 in bisher 15 Rennen 13 Mal in die Punkte gefahren und hat in seiner Debütsaison mit zwei Podiumsplätzen die eigenen Erwartungen übertroffen. Mit einem dreitägigen Test in Jerez hat sich die Mannschaft auf die Asien-Einsätze vorbereitet und will dort um weitere WM-Punkte kämpfen.

Sebastian Vettel wird bei den noch verbleibenden drei Saisonrennen jeweils am Freitag für das BMW Sauber F1 Team im Einsatz sein.


Nick Heidfeld:
„Ich trete in diesem Jahr erst zum zweiten Mal in Shanghai an, im vergangenen Jahr musste ich ja verletzungsbedingt pausieren. Schon im ersten Jahr fand ich das aber ein super Erlebnis. Diese Großstadt ist faszinierend. Vor allem die Atmosphäre am Fluss ist phantastisch. Andererseits ist Shanghai aber auch voller Kontraste. Da ist die hypermoderne und wohl am schnellsten wachsende Metropole der Welt auf der einen Seite, und ein paar Meter weiter herrscht bittere Armut, und es gibt nicht einmal Toiletten.

Die Rennstrecke ist imponierend. Obwohl sie so modern ist, hat sie doch wirklich Charakter. Als ich sie zum ersten Mal abgelaufen habe, hatte ich das Gefühl, sie sei schon ewig da. So natürlich wirkt sie. Die erste Kurve nach Start und Ziel ist sehr ungewöhnlich. Man kommt mit hohem Tempo angeflogen, und der Eingang geht auch noch mit Vollgas. Aber dann macht die Kurve kontinuierlich zu, sodass man bis in den zweiten Gang runterschalten muss.“


Robert Kubica:
„Ich freue mich sehr auf das Rennen in Shanghai. Ich werde zum ersten Mal außerhalb Europas für das BMW Sauber F1 Team an den Start gehen. Bislang bin ich nur einmal auf chinesischem Boden Rennen gefahren – in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Macau. Dieser Straßenkurs ist mit Abstand meine Lieblingsstrecke. 2004 und 2005 ist es mir gelungen, dort bei dem legendären Formel-3-Rennen Zweiter zu werden.
Die Streckenführung des Shanghai International Circuit sieht sehr interessant aus, ein paar sehr originelle Kurven charakterisieren den Kurs.

Wenn ich dort das erste Mal fahre, wird mir meine inzwischen größere F1-Rennerfahrung zugute kommen. Es wird mein vierter Grand Prix, und ich hoffe, ihn erfolgreich zu absolvieren.

Die chinesische Mentalität unterscheidet sich sehr stark von unserer europäischen Lebensart, aber ich habe sehr gute Erinnerungen an frühere Aufenthalte und freue mich darauf, wieder dorthin zu reisen. Ich werde schon eine Woche vor der Veranstaltung in Shanghai eintreffen und mich nicht nur mit der Zeitzone und dem Klima, sondern auch mit der Umgebung dieses GP vertraut machen können.“


Sebastian Vettel:
„Beim Stichwort China denke ich an kleine Menschen, die Große Mauer, günstige Elektronik, eine fremde Sprache, eine fremde Kultur und eine Schrift, von der ich keine Ahnung habe. Ich war bisher nur in Hongkong und Macau. In Hongkong roch es manchmal merkwürdig, aber es war schön, die Stadt zu sehen. Es gibt dort einen ‚Walk of Fame’ wie in Hollywood mit den Handabdrücken von Leuten wie Jackie Chan, das war lustig.
Macau ist eine meiner Lieblingsrennstrecken. Aber insgesamt habe ich leider noch nichts von diesem riesigen Land gesehen, in dem so viele Menschen leben. Es wäre schön, einmal über die Grenzen der großen Städte hinauszuschauen.

Die Rennstrecke ist neu und anscheinend schwierig. Ich habe im Fernsehen viele Fahrer gesehen, die viele Fehler gemacht haben. Es gibt eine Hochgeschwindigkeitsgerade, eine weitere Gerade und dann eine Harrnadel. Es wird schwierig, den richtigen Bremspunkt zu finden. Ich freue mich auf viele neue Erfahrungen in China.“


Mario Theissen, BMW Motorsport Direktor:
„Unsere Leistungen bei den zurückliegenden drei Grands Prix haben einen starken Aufwärtstrend gezeigt. Nicks dritter Platz im Qualifying von Monza und die beiden Podiumsplätze – in Ungarn mit Nick und in Italien mit Robert –, sind eindeutig mehr, als wir in unserer ersten Saison erwarten konnten. Es ist für unser Team noch ungewohnt, dem eigenen Fahrer bei der Siegerehrung zuzujubeln. Aber es ist ein tolles Gefühl!

Drei Rennen vor Saisonende rangieren wir auf dem fünften Platz der Konstrukteurs-WM. Auch damit liegen wir vor dem Plan, und es wird nicht einfach werden, diese Position zu verteidigen. Die kommenden Rennstrecken stellen grundlegend andere Anforderungen als Monza, wo wir sehr gut aufgestellt waren. Wir wollen unseren Schwung mit nach Asien nehmen, weiterhin im Qualifying unter die Top-Ten vorstoßen und im Rennen punkten.

Die Dimensionen der Anlage in Shanghai waren auch 2005 beim zweiten Besuch noch extrem beeindruckend. Dass China 2004 einen WM-Lauf bekommen hat, hat allen in der Formel 1 engagierten Unternehmen eine neue Dimension eröffnet. Auch für die BMW Group hat der chinesische Markt riesiges Wachstumspotential: 2005 wurden 36 Prozent verzeichnet, in den ersten acht Monaten 2006 waren es sogar 41 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. BMW hat in China auch eine eigene Produktionsstätte, in der BMW 3er und BMW 5er Modelle hergestellt werden.“


Willy Rampf, Technischer Direktor:
„Shanghai gehört zu jenen Strecken, die durch den Wechsel auf die V8-Motoren besonders hohe Anforderungen an die aerodynamische Effizienz des Autos stellen. Die Strecke erlaubt dank langer Geraden und großzügiger Breite Überholmanöver, vorausgesetzt, man verfügt über eine gute Höchstgeschwindigkeit. Ein zu geringes Abtriebsniveau führt jedoch zu einem Zeitverlust in den vorwiegend langsamen und mittelschnellen Kurven. Wir haben in den vergangenen Wochen besonders intensiv im Windkanal gearbeitet und werden einige Modifikationen am F1.06 haben, die es uns erlauben sollten, unseren positiven Trend fortzusetzen. Eine wichtige Rolle wird dabei auch der dritte Fahrer am Freitag spielen, um eine Abstimmung zu erarbeiten, die sowohl eine gute Qualfying-Performance als auch konstante Rundenzeiten im Rennen erlaubt.“

Zahlen und Fakten:

Strecke/Datum - Shanghai International Circuit/1. Oktober 2006

Startzeit - 14:00 Uhr lokal, 08:00 Uhr Zentraleuropa, 07:00 Uhr UK

Runde/Renndistanz - 5,451 km/305,066 km (56 Runden)

Sieger 2005 - Fernando Alonso (Mild Seven Renault F1 Team), 1:39.53,618 Std

Poleposition 2005 - Fernando Alonso (Mild Seven Renault F1 Team), 1.34,080 Min

Schnellste Runde 2005 - Kimi Räikkönen (West McLaren Mercedes), 1.33,242 Min

Bestehender Rundenrekord - Michael Schumacher (Scuderia Ferrari Marlboro), 1.32,238 Min (2004)

Das BMW Sauber F1 Team belegt nach 15 Rennen mit 33 Punkten den fünften Platz in der Konstrukteurs-WM.


Historie und Hintergrund:
Die Ausmaße der Anlage des Shanghai International Circuit übertreffen alle anderen Formel-1-Rennstrecken – und führen auch zu weiten Fußwegen auf dem Gelände. Der 2004 eingeweihte Kurs entstand binnen 18 Monaten auf 5,3 Quadratkilometern Sumpflandschaft. 40 bis 80 Meter lange Pfähle wurden in den Untergrund geschlagen, mit meterdickem Styropor und schließlich Erde belegt.

Streckenarchitekt war der Aachener Hermann Tilke, der unter anderem auch für die Gestaltung der GP-Kurse in Bahrain, Istanbul und Sepang verantwortlich zeichnet.

Die Fahrzeit vom Zentrum der boomenden Metropole zur Rennstrecke ist schwer kalkulierbar. Die gefahrenen Bestzeiten liegen bei etwas über einer halben Stunde. Abhängig von Hotelwahl und -lage, kann man zur Hauptverkehrszeit auch über drei Stunden unterwegs sein.

Die Streckenführung besteht aus sieben Rechts- und sieben Linkskurven. Die längste Gerade ist nicht bei Start und Ziel, sondern liegt zwischen den Kurven 13 und 14. Diese Vollgaspassage misst gut 1,3 Kilometer.

Das Layout greift das chinesische Schriftzeichen „Shang“ auf, das übersetzt etwa „hoch“ bzw. „über“ bedeutet. In die Architektur der futuristischen Boxengebäude und Tribünen wurden traditionelle chinesische Stilelemente integriert. 200.000 Zuschauer finden Platz.

Shanghai, Hafenstadt und Freihandelszone an der Ostküste nahe der Jangtse-Mündung, ist Chinas Boom-Metropole. Über 18 Millionen Menschen leben im Verwaltungsgebiet Shanghai, über die Hälfte von ihnen innerhalb der geografischen Stadtgrenzen.
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Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
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