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Alt 13.05.2006, 11:22     #2
Hermann   Hermann ist offline
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Tradition, Kompetenz, Visionen.

Das BMW Concept Coupé Mille Miglia 2006 wird niemals ein Rennen gewinnen, und dennoch ist der Zweisitzer ein Symbol für den Motorsport, die Rennerfolge der Marke und den Geist, der Ingenieure und Fahrer seit Jahrzehnten zu immer neuen Höchstleistungen bewegt. Mit ihrer einzigartigen Konzeptstudie zeigen die Entwickler und Designer der BMW Group, wie sich traditionelle Werte, modernes Know-how und Visionen zu einem faszinierenden Fahrzeug vereinen lassen. Im Concept Coupé Mille Miglia 2006 konzentrieren sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Automobilbaus. Die Studie dokumentiert, was es für einen Automobilhersteller bedeutet, sich auf historische Stärken zu besinnen, die aktuelle technische Kompetenz zu nutzen und die Möglichkeiten von morgen schon heute zu erschließen.

Das Concept Coupé Mille Miglia 2006 ist weder die Kopie eines erfolgreichen Rennwagens, noch dient es als Vorbote für künftige Serienmodelle. Der Zweisitzer ist vielmehr eine Hommage an die herausragenden Leistungen jener Ingenieure, die BMW schon vor Jahrzehnten zu einer führenden Position im Rennsport und damit auch im Automobilbau verhalfen. In einer Zeit, zu der die Kompetenz eines Herstellers noch sehr viel enger an Erfolge im Rennsport geknüpft war, entstanden Fahrzeuge, die bis heute als Meilensteine für technischen Fortschritt dienen. Die Prinzipien, die damals zum Sieg führten, haben an Gültigkeit nichts verloren. Sie sind noch immer der Antrieb zum Bau besonders dynamischer, attraktiver und erfolgreicher Automobile. Das Concept Coupé zeigt diese Parallelen auf und verdeutlicht zudem, dass die traditionellen Werte auch in der Zukunft Bestand haben werden.

Traditionelle Werte führen zu neuen Erfolgen.

Sportlicher Ehrgeiz, Siegeswille und Kreativität sicherten beispielsweise dem BMW 328 Coupé den Erfolg bei der Mille Miglia 1940. Seine Erbauer hatten die damals fortschrittlichsten Techniken des Automobilbaus auf intelligente Weise genutzt, um das härteste und prestigeträchtigste Straßenrennen der Welt zu gewinnen. Der Zweisitzer erhielt eine in der Mailänder Karosserieschmiede Touring gefertigte Leichtbau-Karosserie auf einem Gitterrohrrahmen. Die Leistung seines 2,0 Liter-Reihensechszylinder-Motors wurde von ursprünglich 80 auf 136 PS gesteigert. Am Ende ging das BMW 328 Mille Miglia Touring Coupé mit Fritz Huschke von Hanstein und Walter Bäumer als Sieger durchs Ziel – mehr als eine Viertelstunde vor dem zweitplatzierten Wagen.

Der Charakter des BMW 328 und seine Erfolge haben die Zeit überdauert. Schließlich wurde der Geschwindigkeitsrekord mit einem Durchschnittstempo von 166,7 km/h nie gebrochen. Und seine Grundeigenschaften – beeindruckende Motorleistung, höchste Effizienz, Leichtbau und optimale Aerodynamik – geben noch immer nicht nur im Motorsport ein Erfolg versprechendes Rezept ab. All das ist Grund genug, um dem BMW 328 und seinen Schöpfern ein Denkmal zu setzen. Der Zweisitzer stand nicht nur Pate für das Design des BMW Concept Coupés, er lieferte auch die Inspiration für den Heritage-Gedanken, der der Studie innewohnt. Von der langen Motorhaube und den großzügig geschwungenen vorderen Radhäusern über das weit zurückversetzte „Greenhouse“ mit seiner geteilten Frontscheibe bis zu den Kotflügeln, die sich über die hinteren Räder wölben und sie vollständig bedecken, wird die stromlinienförmige Karosserie der Rennsport-Legende im Design des Concept Coupés wieder aufgenommen.

Klassische Formen und optimierte Aerodynamik.

Dabei wird die charakteristische Grundform jedoch auf moderne Weise interpretiert. Die schon beim Mille-Miglia-Sieger von 1940 ausgeprägte Aerodynamik wurde weiterentwickelt. Die in der Zwischenzeit gewonnenen Erkenntnisse über die Luftströmung und ihren Einfluss auf den Auftrieb und Abtrieb des Fahrzeugs lieferten dazu neue Möglichkeiten. Bei der Optimierung der Aerodynamik konzentrieren sich die Karosseriegestalter heute besonders auf den Seiten- und den Heckbereich des Fahrzeugs. Ziel ist es, die Luftströmung vollkommen harmonisch und verwirbelungsfrei bis zum Heck zu führen. Erst dort wird ein definierter Strömungsabriss erzeugt. Dabei wird nicht nur der Luftwiderstand effektiv reduziert, sondern zugleich ein hoher Abtrieb generiert, der die Straßenlage und damit die Fahrdynamik des Coupés fördert.

Mit jeweils fünf auch optisch sehr wirkungsvollen Lufteinlässen im Bereich der A-Säulen werden Strömungsbewegungen im Vorderwagen reguliert. Diese Kiemen sind ein traditionsreiches und für Sportwagen typisches Element, das von BMW auch bei aktuellen Modellen gepflegt wird. Beim BMW Concept Coupé erfüllen die in einer sehr schlanken Z-Linie ausgeprägten Schlitze eine doppelte Funktion. Sie führen zum einen die zur Motorkühlung durch die BMW Niere einströmende Luft wieder ab. Zugleich entsteht aber auch ein Unterdruck in den vorderen Radhäusern. Dieser Effekt reduziert die Verwirbelungen an den Radhäuser und verstärkt gleichzeitig den Anpressdruck des Fahrzeugs auf die Straße.

Geringe Verwirbelung, klar definierter Strömungsabriss.

Die vollständige Verkleidung der Hinterräder und das sehr sanft auslaufende Heck sind weitere Gestaltungselemente, die auf traditionellen wie neuesten aerodynamischen Erkenntnissen basieren. In der Summe entsteht so eine umgekehrte Keilform, die unerwünschte Verwirbelungen minimiert und den Strömungsabriss auf eine eng umgrenzte Fläche konzentriert. Verkleidungen am Fahrzeugunterboden und Diffusoren aus Carbon an der Front- und an der Heckschürze sorgen auch in den nicht einsehbaren Bereichen der Karosserie für eine gezielte Luftführung.

Bei der Gestaltung der Karosserie ergänzen sich die funktionalen Notwendigkeiten zur Positionierung von Motor, Antriebsaggregaten und Fahrgastraum mit aerodynamischen Erfordernissen zu einem ästhetischen Ganzen. Das BMW Concept Coupé beeindruckt auf den ersten Blick als hochdynamische Fahrmaschine. Aus dieser zielgerichteten Optik erwächst die besondere Attraktivität des Zweisitzers.

Dynamische Linien und asymmetrische Formen.

Ins Bild seiner kraftvollen Proportionen fügen sich auch die speziell für das Concept Coupé entworfenen 20 Zoll großen Leichtmetallfelgen ein. Auf ihnen sind Reifen der Dimension 245/40 R 20 montiert. Anstelle von Türen trägt die Studie fest integrierte Seitenwände, die einerseits zur Gewichtsreduzierung und andererseits zur Erhöhung der Torsionssteifigkeit beitragen. Um den Piloten Zugang zum Innenraum zu gewähren, schwingt die gesamte Kanzel nach oben. Auch die Heckpartie der Konzeptstudie ist geprägt durch Designelemente, deren Ästhetik eng an ihre Funktion geknüpft ist. Ein aus LED-Einheiten bestehendes Leuchtenband wird horizontal über das Heck geführt. Die Kombination aus modernster Lichttechnik und ihrer ungewöhnlichen Gestaltung vereint zwei funktionale Vorteile: Durch das extrem schnelle Ansprechverhalten der LEDs und durch die erhöhte Auffälligkeit ihrer asymmetrischen Anordung kann die Bremsleuchte schneller wahrgenommen werden als bei konventioneller Lichttechnik.

Das BMW Concept Coupé verleugnet seine Inspirationsquelle nicht, dennoch ist seine Karosserieform keineswegs von Nostalgie bestimmt, sondern vom Streben nach zukunftsweisenden Interpretationen für BMW typische Design-Themen. Die Studie ist ein Beleg dafür, dass die Fahrzeuggestalter bei BMW die Kunst beherrschen, traditionelle Impulse aufzunehmen und sie mit Hilfe modernen Know-hows in aktuelle Entwürfe einfließen zu lassen. Nur so können Konzepte heranreifen, in denen sich die Kraft der Historie mit der Faszination von Visionen vereint und dabei intensive Emotionen weckt.

Traditionelles Handwerk für ein emotionales Fahrzeug.

Bei der Designentwicklung des BMW Concept Coupés wurden traditionelle Methoden angewandt, die für die BMW Group auch heute noch essentieller Bestandteil des Designprozesses sind. Durch die Hand erfahrener Modelleure entstehen aus emotionalen Entwürfen emotionale Modelle.

Während die praktisch unbegrenzten Möglichkeiten des Designs am Computer immer auch die Gefahr von Beliebigkeit in sich bergen, führt bei der traditionellen Karosseriegestaltung nur die konsequente Ausführung einer Idee zum erwünschten Ziel. Dies ist mit ein Grund dafür, dass auch heute noch die Designmodelle aller Serienfahrzeuge der BMW Group in Handarbeit entstehen. In der Serienentwicklung geschieht dies mit Clay-Modellen – einer modellierbaren Plastilinmasse. Für das Concept Coupé haben die Designer auf eine noch traditionellere Methode zurückgegriffen: Das Modellieren in Gips. Dieser Werkstoff bringt feste Arbeitsrhythmen beim Auftragen, Formen und Aushärten des Materials mit sich. Jeder einzelne Schritt erfordert ein hohes Maß an Konzentration. Die Gestalter entwickeln bei diesem sowohl optisch als auch haptisch erlebbaren Entstehungsprozess eine besonders enge Beziehung zu ihrem Design-Objekt. So wird verständlich, wie – und vielleicht auch warum – die Karosseriegestalter früherer Generationen ohne digitale Technologien wahre Ikonen des Sportwagenbaus schaffen konnten.

Bei der Auswahl der Materialien stellten sich die Entwickler des BMW Concept Coupés die gleiche Aufgabe, die schon die Schöpfer des BMW 328 Mille Miglia Touring Coupé zu unkonventionellen Lösungen beflügelte. Eine extrem leichte Karosserie sollte entstehen – aus dem besten für diesen Zweck verfügbaren Material. Bei Touring in Mailand wurde dazu eine Aluminium-Außenhaut über einen Gitterrohrrahmen gespannt. Heute setzen speziell für den Karosseriebau entwickelte Kunststoffe den Maßstab für Leichtigkeit, Belastbarkeit und Designfreiheit. Entsprechend wurde für das Concept Coupé ein derartiger Werkstoff gewählt. Die gesamte Karosserie des Konzeptfahrzeugs besteht aus karbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK). Die Außenhaut ist in Feinsilber lackiert, einem Hochglanzfarbton mit extrem feinen Pigmenten. Die Lackierung weckt somit die Erinnerung an traditionelle Farbgebungen, bei näherem Hinsehen ist sie jedoch sehr deutlich als Ergebnis modernster Oberflächengestaltungstechnik zu erkennen.

Neuartige „Augen“ im typischen BMW „Gesicht“.

Das BMW Concept Coupé vereint das Beste aus zwei Welten – und sogar noch mehr. Sein Design liefert Hinweise auf gestalterische und funktionale Möglichkeiten, die erst in ferner Zukunft für den Serienfahrzeugbau nutzbar gemacht werden können. Faszinierend sind diese Visionen schon heute. So wird beispielsweise an der Front des Concept Coupés auf völlig neuartige Weise für ein markantes Aussehen, vor allem aber für besseres Sehen gesorgt. Auf den ersten Blick erscheint das „Gesicht“ der Studie vertraut, ihre „Augen“ erinnern an die Rundscheinwerfer des BMW 328. Allerdings sind sie nicht in die Karosserie integriert sondern als flache Elemente aufgesetzt worden. Moderne LED-Technik ermöglicht es, leistungsstarke Lichtquellen in vergleichsweise kleinen Aggregaten unterzubringen. Dieser Fortschritt gibt den Designern neue Möglichkeiten. Die Formen und die Linienführung von Motorhaube und Radhäusern können beim BMW Concept Coupé bis in die Frontschürze fortgeführt werden, ohne dass sie von Scheinwerfereinheiten unterbrochen werden. Die optisch dominierende Rolle an der Frontpartie nimmt die BMW Niere ein. Sie prägt stärker denn je das typische BMW „Gesicht“, in dem die Scheinwerfer trotz ihrer neuartigen Ausführung nach wie vor die Rolle der „Augen“ übernehmen.

Zeitloses Design, moderne Technik.

Moderne Einflüsse prägen das Erscheinungsbild des BMW Concept Coupés auch an anderer Stelle, denn unter der zeitlosen Hülle der Studie kommt aktuelle Serientechnik zum Einsatz: die Antriebskomponenten des BMW Z4 M Coupé, der leistungsstärksten Variante des puristisch-sportlichen Zweisitzers. Motor und Fahrwerk des kompromisslosen Sportwagens finden im BMW Concept Coupé eine ganz neue Bestimmung. Sie bilden die ideale Basis für herausragende Dynamik, wie sie das Concept Coupé auszeichnen müsste, wenn es für die Fahrpraxis auf der Straße – oder der Rennstrecke – konzipiert wäre. Und obwohl diese Überlegung reine Theorie bleibt, ergibt die Beziehung zwischen traditionellem Erbe und moderner Technik in dieser Form den größtmöglichen Sinn. Das BMW Z4 M Coupé steht am vorläufigen Ende einer langen Familiengeschichte der Sportwagen von BMW. Kraftvolle Motoren, hohe Effizienz, intelligenter Leichtbau, eine aerodynamische Formgebung und begeisterndes Design verleihen ihm seinen individuellen Charakter.

Das BMW Concept Coupé überragt das BMW Z4 M Coupé in der Länge um 23 Zentimeter. Zudem ist es 14 Zentimeter breiter, dafür aber 4 Zentimeter flacher als das für den Straßenverkehr zugelassene Pendant. Besonders markant fällt der extrem kurze vordere Karosserieüberhang aus. Dagegen läuft die Heckpartie aus aerodynamischen Gründen auffallend sanft und weit gestreckt aus.

Das BMW Concept Coupé sucht die Nähe zum BMW 328 und zum BMW Z4 M Coupé. Und es zeigt dabei die Gemeinsamkeiten zwischen dem klassischen Vorbild und seinem modernen Erben auf. Der BMW 328 war zunächst als offener Zweisitzer konzipiert worden. Erst als das Reglement des 24-Stunden-Rennens von Le Mans auch geschlossene Fahrzeuge zuließ, erging der Auftrag, für den BMW 328 eine entsprechende, möglichst leichte und aerodynamische Karosserie zu entwerfen. Der neuzeitliche Entwicklungsprozess für das BMW Z4 Coupé war ähnlicher Natur. Der BMW Z4 Roadster war bereits etabliert und erfolgreich, als die Karosserie für das geschlossene Schwestermodell völlig neu entwickelt wurde.

Reihensechszylinder-Motor: Noch immer Maßstab für Dynamik.

Darüber hinaus fordert das BMW Concept Coupé zu einer intensiven Beschäftigung mit der Geschichte des Motorenbaus heraus. Ein Reihensechszylinder-Triebwerk dient der Studie als Kraftquelle. So war es schon beim BMW 328, so ist es auch beim BMW Z4 M Coupé. Sechs in Reihe angeordnete Zylinder waren und sind das ideale Muster für einen erfolgreichen Antrieb. Im Concept Coupé spiegeln sich nun mehr als 70 Jahre Entwicklungsgeschichte des Reihensechszylinder-Motors wider – ein historischer Abschnitt, dessen Anfangskapitel ebenso faszinierend erscheint wie der sicherlich nur vorläufige Endpunkt.

Dass sie den 1971 Kubikzentimeter großen Motor des BMW 328 von anfänglich 80 auf bis zu 136 PS erstarken ließen, darf auch heute noch als Beleg für die exzellenten Fähigkeiten der BMW Ingenieure von damals gelten. Sowohl die Literleistung als auch das Leistungsgewicht des BMW 328 Mille Miglia Touring Coupé markierten Bestwerte und lieferten einen eindrucksvollen Nachweis der Motorenkompetenz von BMW. Heute werden noch weitaus höhere Anforderungen an den Wirkungsgrad und die Effizienz der Motoren gestellt. Doch nach wie vor setzt BMW die Orientierungspunkte dafür, was technisch machbar ist. Der außerordentlich leistungsstarke Reihensechszylinder-Motor des BMW Z4 M Coupé, schöpft seine Kraft nunmehr aus einem Hubraum von 3 246 Kubikzentimetern, seine Leistung beträgt 252 kW/343 PS. Der Kraftstoffverbrauch ist indes im Vergleich zum Urahnen mit 2,0 Litern Hubraum sogar gesunken. So sehr sich die Anforderungen und technischen Möglichkeiten auch gewandelt haben, sind doch die Reihensechszylinder von BMW und von BMW M stets Maßstab ihrer Zeit geblieben.

Im BMW Concept Coupé kommt das neuzeitliche Aggregat auch akustisch höchst eindrucksvoll zur Geltung. Modifizierungen an der Ansaug- und der Abgasanlage bescheren dem Konzeptfahrzeug einen kompromisslos auf Rennsport-Tonalität gestimmten Motorsound. Bereits im Leerlauf signalisiert dumpfes Grollen jene Form von erwartungsvoller Ungeduld, die das BMW Concept Coupé auch optisch auf der Startposition einer Rennstrecke ausstrahlen würde. Bei 4 900 min–1, jener Motordrehzahl, mit der das maximale Drehmoment von 365 Newtonmetern erreicht wird, hat sich die kraftvoll-raue Klangfarbe des Sechszylinders bereits zu einem fanfarenartigen Sounderlebnis gesteigert.

Das Interieur: Visionen für stilvollen Rennsport.

Auch die Umgebung des Fahrers und seines Co-Piloten unterscheidet sich grundlegend von allem, was Sportwagen-Liebhaber bislang gewohnt waren. Gänzlich befreit von den Konventionen, die bei seriennahen Konzeptstudien auftreten, verhalfen die Designer dem BMW Concept Coupé zu einem unvergleichlichen Interieur. Bisher gültige Grenzen der Funktionalität, der Materialauswahl und der sowohl optischen als auch haptischen Anmutung wurden bewusst durchbrochen, gewohnte Gestaltungs- und Fertigungstechniken um gänzlich neue Methoden ergänzt. So entstand ein Interieur, in dem die Struktur von Flächen und Formen vollkommen neue Wirkung erzielt. Dabei übernehmen Fugen und Konturen eine eigene Funktionalität, in Handarbeit gefaltetes Metall bringt die Eigenschaften des Materials wirkungsvoll zur Geltung. Sämtliche Flächen kommen ungebrochen und unverziert zur Geltung. Weder Dekorleisten noch Ringe oder Rahmungen beeinträchtigen ihre puristische Anmutung. Auch Beschriftungen, Logos und Symbole werden nicht etwa zusätzlich aufgebracht, sondern per Lasertechnik ins jeweilige Metall-Bauteil geprägt.

Mit extrem flach gewalztem Edelstahl, naturbelassenem Rindsleder und Lycra-Gewebe kommen exakt drei Werkstoffe im Interieur des BMW Concept Coupé zum Einsatz. Auf minimale Auswahl reduziert wurden auch die Verarbeitungsmethoden. Sämtliche Komponenten wurden entweder miteinander vernäht oder mittels einer Spezialtechnik aneinander geklammert. Die daraus resultierende Anmutung von Oberflächen und Bedienelementen vermittelt den Insassen den Eindruck eines ebenso futuristischen wie exklusiven Ambientes.

Falttechnik schafft Formen, Fugen übernehmen Funktionen.

Bei der Gestaltung der Interieur-Elemente haben die Designer den Einsatz traditioneller Werkstoffe und die Anwendung innovativer Verarbeitungstechnik miteinander kombiniert. Dabei gelangten sie zu einem im Automobilbau einzigartigen und mit verblüffenden Effekten behafteten Ergebnis. Besonders augenfällig: die im Cockpit und im Bereich der Mittelkonsole realisierte Verarbeitung von V2a-Edelstahlblechen. Mehr noch als das puristisch schlichte Material selbst setzt die Art der Formgebung einen faszinierenden Akzent. Die auf eine Stärke von nur einem Millimeter gewalzten Bleche werden mehrfach gefaltet, um die endgültige Oberflächenstruktur des jeweiligen Bauteils anzunehmen. An den dazu vorgesehenen Kanten erhalten die Bleche zuvor eine präzise eingeschnittene Falzung. Sie wird mit einer speziell zu diesem Zweck entwickelten Lasertechnik vorgenommen. Dies ermöglicht eine äußerst exakte Umformung, die obendrein zur besonderen Stabilität des fertigen Bauteils führt.

Überall dort, wo zwei Metall-Bauteile aufeinander treffen, werden sie mit lasergeschnittenen Verzahnungen absolut bündig miteinander verklammert. Fugen entstehen nur dort, wo sie zugleich eine Funktion übernehmen können und vor allem auch sollen. So dient beispielsweise der Übergang zwischen Armaturenträger und Mittelkonsole als zusätzliche Ablagefläche. Auf diese Weise wandelt sich die Fuge vom unerwünschten Nebeneffekt bei der Verbindung zweier Bauteile zu einem gezielt eingesetzten Gestaltungselement. Auch damit schafft das Interieur des BMW Concept Coupés eine für den Automobilbau völlig neue Perspektive.

Bei der Metallverarbeitung ließen sich die Innenraum-Designer von traditioneller Papierfalttechnik inspirieren. Auch dort werden ganz ohne künstliche Verbindungen Formen und Strukturen geschaffen, die trotz aller Leichtigkeit mit einer beeindruckenden Stabilität aufwarten. Die aus Japan stammende Origami-Kunst inspiriert den Automobilbau indes nicht zum ersten Mal. Auch die Falttechnik zur Unterbringung von Airbags auf kleinstem Raum ist wesentlich von dieser Methodik beeinflusst. Für die Gestaltung ganzer Interieur-Landschaften stellt diese Lösung hingegen einen geradezu revolutionären Ansatz dar.

Neue Ästhetik aus Tradition und Innovation.

Die Verknüpfung von Tradition und Innovation führt auch bei der Verarbeitung von Leder im Interieur des BMW Concept Coupés zu einer neuen Ästhetik. Mehrere Schichten der lediglich gegerbten, ansonsten aber naturbelassenen Rindshäute werden miteinander verpresst. Auf diese Weise entstehen dreidimensionale Lederformteile, die unter anderem im Bereich der Sitze und der Mittelkonsole ein neuartiges haptisches Erlebnis vermitteln. Das ungefärbte Leder unterliegt darüber hinaus einem natürlichen Reifeprozess, der im Laufe von Jahren zu attraktiven Patina-Effekten führt.

Mit besonders dezent ausgeführten Nähten werden Leder- und Lycra-Elemente unter- und miteinander verknüpft. Auch Metall und Leder werden dort, wo sie aufeinandertreffen, miteinander vernäht. Die drei Materialien, die den Innenraum des Konzeptfahrzeugs beherrschen, sind von höchst unterschiedlichem Charakter: ein für unendliche Solidität geschaffenes Metall, ein unbehandelter und daher lebendiger Naturstoff und eine moderne, strapazierfähige Kunstfaser. Trotz aller Kontraste bilden sie eine überaus attraktive Kombination, deren ästhetische Wirkung aus unverfälschter Funktionalität erwächst.

Damit setzt sich im Innenraum fort, was das BMW Concept Coupé bereits mit seinem Karosseriedesign ausdrückt. Klassische Werte gewinnen einen faszinierenden Reiz, wenn sie in neuartiger Weise interpretiert werden. Zukunftsweisende Konzepte entstehen nicht allein aus aktuellem Know-how, sondern erfordern auch ein Bewusstsein für historische Wurzeln. Das BMW Concept Coupé Mille Miglia 2006 zeigt, welche Möglichkeiten daraus erwachsen. Dieses einzigartige Fahrzeug konnte nur von Automobilentwicklern geschaffen werden, die Traditionen aus Überzeugung pflegen, ihre Kompetenz zielgerichtet nutzen und in allen Bereichen für Visionen offen sind.
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Viele Grüße Hermann

"Nur wer für den Augenblick lebt, lebt für die Zukunft"Heinrich von Kleist
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