Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 25.09.2005, 12:43     #1
Albert   Albert ist offline
Power User
  Benutzerbild von Albert

Threadersteller
 
Registriert seit: 06/2001
Ort: D-29227 Celle
Beiträge: 17.737

CE-
10 Jahre "Inzell-Initiative" in München

Gemeinsame Lösungen statt verkehrspolitischer Auseinandersetzungen

München. Die Initiative "Verkehrsprobleme gemeinsam lösen", auch bekannt als die "Inzell-Initiative" wird 10 Jahre alt. Oberbürgermeister Christian Ude und Prof. Dr. Dr. E.h. Burkhard Göschel, Mitglied des Vorstandes der BMW AG, haben im Rahmen einer Festveranstaltung im Alten Rathaus wesentliche Ergebnisse und Leistungen der in dieser Form im Bundesgebiet einzigartigen verkehrspolitischen Zusammenarbeit gewürdigt. Zugleich wurde für die Zukunft der klare Anspruch formuliert, den Dialog aller genauso engagiert wie bisher fortzusetzen.

Im September 1995 hatten sich Vertreter der öffentlichen Hand, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und von Interessensverbänden erstmals in Inzell getroffen, um ideologischen Gräben zu überwinden und gemeinsam Lösungen für die Verkehrsprobleme des Ballungsraums München zu suchen.

Damals sagte Oberbürgermeister Christian Ude: "Wir wissen alle, dass 10% der Fragen strittig sind und strittig bleiben werden. Aber darüber wollen wir uns nicht heiß reden. Um für den Standort München von der Stelle zu kommen, wenden wir uns erst einmal den 90% der konsensfähigen Punkte zu."

Seit 1995 wurden bei fünf weiteren Treffen die verkehrliche Entwicklung von München eingehend diskutiert und konkrete gemeinsame Projekte vereinbart. Mit dabei waren jeweils Oberbürgermeister Ude, hochrangige Vertreter der BMW Group, Stadträte und Stadträtinnen, Fachleute aus städtischen Referaten, Vertreter des Freistaats Bayern, Vertreter der unmittelbar mit dem Verkehr befassten Institutionen, von Landkreisen, Städte und Gemeinden aus dem Umland, der Wirtschaftsverbände und verschiedener Interessensvertretungen. Bis heute ist diese Zusammenarbeit ein wertvoller Baustein für eine von weiten Kreisen gemeinsam getragene Münchner Verkehrspolitik.

"Individualverkehr und öffentlicher Nahverkehr in einer Großstadt sind kein Widerspruch, sondern wichtige Bausteine für ein ganzheitliches Verkehrssystem. Um den Mobilitätsbedarf der Zukunft sinnvoll zu begegnen, ist ein kooperatives Verkehrsmanagement unerlässlich. Erst eine gezielte Vernetzung der Verkehrsträger wird die Leistungsfähigkeit des Systems steigern. Gerade deswegen ist das große Engagement aller Beteiligten von Nöten", betonte Prof. Göschel.

Was wurde bisher erreicht?

Eine Herausforderung für jede Stadt: das Parken. Lösungen durch Inzell: Die "Blaue Zone" in der Altstadt Münchens hat eine Vielzahl von unübersichtlichen Einzelregelungen stark vereinfacht, 1324 Schilder entfernt und zugleich Raum für den Wirtschaftsverkehr geschaffen. Das Parkraummanagement innerhalb des Mittleren Rings macht das knappe Gut wieder für alle verfügbar. Mit dem voraussichtlich ab 2006 zur Verfügung stehenden Parkleitsystem wird die Kapazität der 25 Parkhäuser mit insgesamt 7.700 Stellplätzen besser und aktiver genutzt werden. Suchverkehr kann somit vermindert werden.

Ein weiteres wichtiges Vorhaben sind die so genannten "Rote Routen". Das Ziel hierbei ist eine dauerhafte, stadtverträgliche Bewältigung des Verkehrs auf dem Hauptstraßennetz zu gewährleisten. Denn eine Verkehrsberuhigung in Wohnvierteln lässt sich nur durch eine Bündelung des Verkehrs auf dezidierten Hauptachsen erreichen, auf denen der Verkehr mit geeigneten Maßnahmen verflüssigt wird. Die verbesserte Verkehrssituation am nördlichen Teil des Mittleren Rings seit Eröffnung des Petueltunnels zeigt deutlich die positiven Resultate dieses Konzeptes auf.

Im Bereich des Öffentlichen Verkehrs stand die Attraktivität aus Kundensicht im Vordergrund. Multimodale Informationsdienste wie die elektronische Fahrplanauskunft EFA entstanden mit Unterstützung der Inzell-Initiative. Umsetzungsreife Architekturkonzepte für moderne, kundenfreundliche Umsteigebahnhöfe wurden entwickelt.

Über die Inzell-Initiative wurde das 30 Millionen Euro Forschungsprojekt MOBINET umgesetzt. Die wichtigsten Ziele: den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen, verbesserte Information für alle Verkehrsteilnehmer schaffen und eine Optimierung der Nutzung des Hauptstraßennetzes erreichen. Nach dem Motto "Münchens Verkehr soll intelligenter werden", geht mit MOBINET die verstärkte Einführung des Verkehrs- und Mobilitätsmanagements einher. Sichtbares Ergebnis hierfür ist die Verkehrszentrale München. Und nicht zuletzt hat sich München durch seine Projekte im Rahmen des "Kooperativen Verkehrsmanagements" zu einem europaweit beachteten Kompetenzzentrum für Verkehrstelematik entwickelt. Zur Festigung und zum Ausbau dieser Vorrangstellung wurde in der Inzell-Initiative jüngst der Vorschlag zur Aufstellung eines Verkehrsmanagementplanes für die Landeshauptstadt München verabschiedet.

Noch mehr Herausforderungen für die Zukunft

Die Anforderungen an die Mobilität werden in der Wachstumsregion München weiterhin steigen. Ein Zeichen dafür ist der wachsende Anteil an Verkehrsteilnehmern, die von außerhalb der Region 14 nach München kommen. Bei den Berufspendlern sind dies beispielsweise bereits 44 %. Hinzu kommen noch neue Effekte, die sich als Konsequenzen aus der Zunahme des Anteils älterer Menschen an der Bevölkerung ergeben, denn viele ältere Menschen haben ein ganz anderes Mobilitätsverhalten.

Die Anstrengungen zur Bewältigung der unterschiedlichsten Mobilitätsbedürfnisse stellen größte Anforderungen an intelligente und effiziente Lösungen. Dies umso mehr, als die öffentliche Hand dafür in absehbarer Zeit kaum mehr zusätzliches Geld zur Verfügung stellen können wird.

Schon allein deshalb ist die Inzell-Initiative mehr denn je zukünftig notwendig, damit die Partner pragmatische und erfolgreiche Antworten auf die Herausforderungen entwickeln. In diesem Zusammenhang ist "kooperatives Verkehrsmanagement" als zentrales Instrument zur verträglichen Bewältigung der Mobilitätsbedürfnisse wichtig.

Die Spitzenstellung Münchens in Sachen Verkehrstelematik wird durch das jüngst gestartete Kooperationsprojekt arrive ausgebaut, das ebenfalls aus der Inzell-Initiative heraus entstand. arrive konzentriert sich auf die Weiterentwicklung, Qualitätssicherung, Erprobung und Umsetzung von Prozessen und Systemen für Verkehrsinformation, Steuerung und bei der Planung und dem Management von Verkehr. Ein Ziel: mit Instrumenten wie dem verbesserten Störfallmanagement die Verkehrsqualität erhöhen und multimodales Mobilitätsmanagement festigen.
Mit Zitat antworten